Literatur der Hoffnung
Benefizveranstaltung zu Gunsten eines Kultur- und Wissenschaftszentrums in Czernowitz.
Am 12. Juli luden die Professuren für Neuere Deutsche und für Vergleichende Literaturwissenschaft, das Forumost und das Bukowina-Institut gemeinsam in die Kresslesmühle; Anlass war eine Benefizveranstaltung zugunsten von »Gedankendach«. Das Kultur- und Wissenschaftszentrum in der westukrainischen Stadt Czernowitz engagiert sich seit Kriegsbeginn vor Ort, sammelt Spenden und koordiniert Hilfsgüter.
Prof. Dr. Bettina Bannasch (Neuere Deutsche Literatur) begrüßte zu Beginn der gut besuchten Veranstaltung das Publikum. Der Abend, so erklärt sie, sei ihr und ihrem Team ein ganz besonderes Anliegen, um die langjährigen ukrainischen Kolleg*innen und deren Heimat zu unterstützen. Vor allem dank des Engagements einer Gruppe Augsburger Studentinnen, die die gesamte Organisation der Benefizveranstaltung übernommen haben, war es möglich, nicht nur ein ausgewähltes Programm auf die Beine zu stellen, sondern auch die Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Petro Rychlo aufzubauen.
Der Dozent für Weltliteratur an der Universität Czernowitz begleitete die Organisation über Videokonferenzen aus der Ukraine. Nach langer Planung konnte er nun sogar anlässlich der Veranstaltung nach Augsburg reisen und hielt einen Vortrag über die literarische Bedeutung der Bukowina und ihrer traditionellen Hauptstadt Czernowitz. Dort fände sich eine »besondere geistige Aura«, die »historische Konstellation« der Gegend sei einmalig. Geprägt von Weltoffenheit, einer polyethnischen Gemeinschaft und kulturellen Wechselbeziehungen bot die Bukowina zahlreichen Schriftsteller*innen Zuflucht. Für deutsche Juden*Jüdinnen beispielsweise kam der Ort – zumindest zeitweise – einer lyrischen Utopie gleich. Die Geschichte der Bukowina bildet heute ein »nostalgisches Erinnerungsmosaik« und ist von höchster Bedeutung für die deutschsprachige Literatur.
Einen Auszug der beeindruckenden Literatur gaben zum Abschluss Jenny Langner und Patrick Rupar vom Staatstheater Augsburg wieder. Im Wechsel lasen die beiden Schauspielenden die von den Organisatorinnen kuratierten Gedichte. Die Texte von Rose Ausländer, Alfred Kittner, Immanuel Weißglas, Alfred Margul-Sperber sowie Paul Celan, Moses Rosenkranz und Alfred Gong zeichnen das Bild eines gleichermaßen schönen Heimatorts wie einer zerrütteten Gemeinschaft, die sich immer wieder aufrichten muss. Für den emotionalen Höhepunkt des Abends sorgte Langner mit Gedichten der Lyrikerin Selma Meerbaum-Eisinger. Bereits mit 18 Jahren verstarb die junge Frau in einem Arbeitslager im Jahr 1942. Ihr literarischer Nachlass rührt nicht nur zu Tränen, sondern erscheint im Heute noch immer viel zu treffend. In ihrem Stück »Poem« etwa fragt sie »Warum brüllen die Kanonen?« und stellt sich dem Schrecken mit den Worten »Ich möchte leben« entgegen.
Nach wie vor benötigen die Menschen in der Ukraine dringend Hilfe. Unter www.ikgs.de/bukowinahilfe läuft die Spendenaktion für das »Netzwerk Gedankendach« weiter. Dort gibt es außerdem regelmäßige Updates, welche Maßnahmen laufen oder geplant sind.