Film

Unterhalten und ernst nehmen

a3kultur-Redaktion

Kinomann Franz Fischer – seit drei Jahrzehnten macht er mit seinem Team im Sommer das Plärrerbad zum Kinoort schlechthin.

33 Jahre Freiluftkino, da kann man schon längst von einer Institution sprechen. Franz Fischer sorgt mit seiner Partnerin Ellen Gratza und seinem Team im Sommer mit dem Lechflimmern (im Plärrerbad nun schon seit 30 Jahren, los ging es einst ein paar Jahre vorher im Innenhof der Uni) für Cineastenerlebnisse.

Für den 64-Jährigen, der Wirtschaftswissenschaften studiert hat, ist Kino mehr als ein Business, es ist Leidenschaft für die Werke auf Zelluloid, die bei ihm aber komplett anders als erwartet gelebt wird. »Ich les lieber Bücher«, sagt er in seiner ureigenen, trockenen Art. Wobei er zum Beispiel den Dokumentarfilm »Bilder einer alten Welt« von Dušan Hanák schon achtmal gesehen hat.

1978 begann es mit dem Grauen Adler, als Fischer, einst Kulturreferent im AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss, das ausführende Organ der fakultätsübergreifenden) Studierendenvertretung) die Jazz-Altstadtkneipe übernahm. »Sigi Zimmerschied oder Harald Schmid traten bei uns auf. Ellen und ich leiteten damals den Bundesverband studentischer Kulturarbeit und wir machten deutschlandweit Filmfestivals.« Vom Unikino ging es dann über das Altstadtkino 1989 mit der gewerblichen Schauburg weiter, es folgten Häuser in Neuburg und Ulm (beide mittlerweile wiederverkauft) sowie in Augsburg – und seit über drei Jahrzehnten eben mit dem Kino unter freiem Himmel.

Am Europaweiher in Gersthofen fand auch schon Open-Air-Kino statt, und dann gibt es ja noch das Thalia, das Mephisto und das Savoy in Augsburg, Kinos in Ingolstadt (zwei Häuser mit vier Kinos) und das Freiluftkino-Engagement in Ulm.

Fragt man Fischer nach Unterschieden im Agieren der Behörden an den einzelnen Standorten seiner Kinos, kommt: »Es ist, wie es ist. Ich bin froh, wenn wir in Ruhe in Augsburg unsere Arbeit machen können.« Begeistert berichtet er allerdings von der Weitsicht im oberbayerischen Ingolstadt, wo sich die Stadt mit einer Viertelmillion beteiligte, um den Leerstand der Kinos zu beheben und mit seiner Hilfe – er übernahm die Kinos – die Innenstadt wiederzubeleben. Seit zehn Jahren ist er dort nun schon aktiv. »Man wusste um die Wichtigkeit solcher Einrichtungen. Hier hat man manchmal das Gefühl, die Politiker gehen nicht so oft ins Kino.«

Mit seinen Augsburger Häusern zählt er zu den erfolgreichsten Kinos in Deutschland, vor Corona kamen jährlich – ohne die Open-Air-Saison – 200.000 Besucher, auch durch zahlreiche Schulkino-Vorstellungen. »Das haben wir uns über die Jahre erarbeitet.«

Zum Lechflimmern, können es dann, natürlich wetterabhängig, wie im Jahrhundertsommer 2005 noch weitere 120.000 Gäste sein. »Mit den Kulturschaffenden haben wir überall eine gleich gut funktionierende Kooperation.« Und auch die mit den regionalen Partnern und Sponsoren lobt er: »Beim Lechflimmern sind sie uns treu. Sie haben erkannt, dass Kino Potenzial hat. Wir erreichen die Stadt- und Landkreisgesellschaft im Umkreis von bis zu 50 bis 60 Kilometern, wir haben ein großes Stammpublikum.«

Nicht nur das, immer wieder gern kommen auch die Filmschaffenden selbst zu Fischer, von Regisseur*innen über Schauspieler*innen und Drehbuchautor*innen, an die zweitausend in all den Jahren. Kein Wunder, die früheren »Tage des unabhängigen Films« oder das Kinderfilmfest gaben Grund zum Stelldichein. Und dass wegen des Lechflimmerns die Filme der erfolgreichen Eberhofer-Reihe erst immer im Kino laufen und nicht wie ursprünglich ge­plant schon von Beginn an im Fernsehen: Das ist Fischer zu verdanken. »2012 wurde überlegt, ›Dampfnudelblues‹ gar nicht auf der großen Leinwand zu zeigen. Mit uns vier weitere Kinobetreiber in Bayern haben es trotzdem gemacht, und so begründeten wir den Mythos Eberhofer mit. Seitdem sind wir, was die Besucherzahlen anbelangt, immer auf Platz eins.«

Auch Marcus H. Rosenmüller prognostizierte er einst, dass sein Film »Wer früher stirbt ist länger tot« funktionieren wird. »Er hat es nicht glauben können. Augsburg war für den darauf einsetzenden Erfolg Vorreiter.« Letztendlich macht es die Mischung, die er bietet, ist Franz Fischer überzeugt. »Wir wollen die Menschen unterhalten und nehmen sie ernst.«

Das könnte Sie auch interessieren

Martin Schmidt
Club & Livemusik, Film

Press REC!

Die Augsburger Kegelbahnkonzerte gehen in die 12. Staffel. Mit dabei sind Lillian Hampson, Josy, Marcoca, Janikeliah und Picky Eater.

Mira Emke
Film, Klassik

Klassik im Kino

Die Cineplex-Kinos zeigen diesen Herbst und Winter wieder Aufzeichnungen und Live-Übertragungen großer Opern- und Ballettinszenierungen auf der Kinoleinwand.
Thomas Ferstl
Film

(K)eine Heimat

»Der Heimatlose«

Nach 14 Jahren auf dem Festland kehrt Hein (Paul Boche) in seine Heimat zurück – das einzige Dorf auf einer abgelegenen Nordseeinsel. Zu seiner Überraschung erkennt ihn die eingeschworene Dorfgemeinschaft nicht wieder. Sogar sein Kindheitsfreund Friedemann distanziert sich von ihm, obwohl sie einst unzertrennlich waren. Um herauszufinden, ob Hein wirklich der ist, für den er sich ausgibt, rufen die Bewohner*innen ein Dorfgericht ins Leben. Doch im Verlauf des Prozesses mehren sich die Ungereimtheiten.