In der Kommunikationssackgasse
Stellt die Stadt Augsburg den Künstler*innen vom BBK im Abraxas den Stuhl vor die Tür?
Der Berufsverband der bildenden und Künstler, kurz BBK, ist einer der größten und traditionsreichsten Kulturvereine der Region. Rund 300 Mitglieder sind in der Sektion Augsburg – Schwaben Nord organisiert. Seinen Sitz hat der hiesige BBK seit vielen Jahren im Abraxas, dem Kulturzentrum im boomenden Augsburger Stadtteil Kriegshaber mit Theater, Übungsräumen und Ausstellungsflächen.
Neben den Geschäftsräumen und einer renommierten Druckwerkstatt führt der BBK dort für hiesige Verhältnisse weitläufige und helle Galerieräume. Dort präsentieren die Mitglieder in sehenswerten Programmen Arbeiten zwischen Malerei, Fotografie und Bildhauerei, wie derzeit die Schau »Connected - Der Sündenfall«. Auch die Stadt Augsburg, die über das Kulturreferat und dem dort angeschlossenen Kulturamt das Hausrecht in dem ehemaligen Offiziersclub ausübt, nutzt diesen Kulturort gerne und ist Ende Oktober wieder mit dem Medienkunstfestival Lab 30 dort zu Gast.
Das ständige Reizklima zwischen Stadt und BBK hat sich in den letzten Monaten noch einmal deutlich verschärft.
Mit diesem Miteinander wird allem Anschein nach bald Schluss ein. Dem BBK steht wohl für das kommende Jahr ein unfreiwilliger Ortwechsel ins Haus. Schon seit Jahren ist immer wieder von einem gestörten Verhältnis zwischen den Künstler*innen und der Stadt als Vermieterin zu hören. Dieses ständige Reizklima hat sich in den letzten Monaten noch einmal deutlich verschärft.
Hintergrund sind Begehrlichkeiten von Seiten der Stadt auf die BBK-Räumlichkeiten im Abraxas. Schon vor einiger Zeit wurde den Künstler*innen von Seiten des Kulturreferats zu verstehen gegeben, dass sie im Abraxas nicht mehr erwünscht sind. Eine Nachmieterin steht mit dem Jungen Theater Augsburg – JTA – bereits vor der Tür. Das Theater gehört ebenfalls zu den Traditionsmieterinnen des Kulturorts und ist in existenzbedrohender Raumnot, wie die Theaterleitung seit langem beklagt. Durch die städtisch verfügte Schließung des Kulturpark Wests auf dem Gelände der ehemaligen Reese-Kaserne in unmittelbarer Nachbarschaft, verlor das JTA zuerst seinen dort untergebrachten Multifunktionsraum, die Corona-Pandemie läutete schließlich auch das Aus für die Minispielstätte der Theatermacherinnen im Seitentrakt des ehemaligen Offiziersclubs ein.
Nun soll, wenn es nach den Plänen des Kulturreferats geht, die bildende Kunst für das Theater weichen. Die Kündigung für das kommende Jahr wird diskutiert und soll demnächst auch im Stadtrat behandelt werden, wird derzeit jedoch vom Kulturreferenten nicht bestätigt. Mit Sicherheit wird dem BBK nicht der Stuhl vor die Tür gestellt, bevor eine Raumalternative gefunden ist, heißt es aus dem Referat. Zumindest ein Ausweichquartier wurde dem BBK schon im Sommer in Aussicht gestellt. Über die Eignung der Immobilie im zentrumsnahen Stadtteil Jakobervorstadt gehen die Einschätzungen beim BBK und der Stadt jedoch weit auseinander. Bis heute kam es nicht zu einem gemeinsamen Ortstermin. Zwar lud das Kulturreferat zu einer Besichtigung, ließ die angerückten Künstler*innen aber dann vor verschlossener Tür alleine stehen. Auch dieser Vorfall ist Beleg für die Kommunikationssackgasse zwischen Referat und BBK.
Die Mitglieder des BBKs stehen diesen Entwicklungen ratlos bis wütend gegenüber. So fühlt sich der erst im Sommer in seiner Funktion bestätigte BBK-Vorsitzende von der Stadt vorgeführt. Funktionsträger*innen aus dem Kulturreferat bescheinigen dem versierten Kulturfunktionären und anerkanntem Künstler im Gegenzug eine zumindest schwierige Verhandlungsführung, suchten und fanden jedoch weitere Ansprechpartner*innen im Werksausschuss des BBKs.
Die verfahrene Situation birgt das Risiko, dass in Augsburg aus Raumnot in Zukunft ein Kulturort gegen den anderen ausgespielt wird. Das von Künstler*innen, Kulturorten und Kulturreferat gleichermaßen diagnostizierte Problem ist, zumindest in wesentlichen Teilen, von der städtischen Politik zu verantworten. Es nahm seinen Beginn mit der Schließung des Kreativzentrums Kulturpark West durch die Stadt. Der Wegfall von einigen tausend Quadratmetern Übungsräumen, Ateliers und Projektflächen vor einigen Jahren konnte bis heute nicht wirklich ausgeglichen werden. Die Zerstörung wertvoller Kulturinfrastruktur verschärfte den Zustand. So fielen mit dem »Bombig« und der »Kantine« gleich zwei Liveclubs und zuletzt das Reese Theater der Abrissbirne zum Opfer. Neubauten, wie der seit Jahren angekündigte Anbau beim Abraxas oder mögliche Alternativen auf dem benachbarten Gaswerkareal, sind bis auf weiteres auf Eis gelegt. Die dafür benötigten Mittel fließen in den umstrittenen Neubau des Staatstheaters, der bekanntlich seit Jahren, alle Kostenprognosen reist und für andere, dringend benötigte Kulturräume der Stadt keine Luft lässt.
Verschlafen! Am Haupteingang informiert die Abraxas-Hausverwaltung auch über Gastronomie und Kultureinrichtungen, die längst Vergangenheit sind, wie dem Gasthaus Rabe mit Biergarten, dem Kulturpark West, dem Reese-Theater und der Studiobühne des JTA. In diese Liste der Ehemaligen wird wohl in absehbarer Zeit auch der BBK samt Galerie eingeschrieben.
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