Ausstellungen & Kunstprojekte

Es ist egal, aber …

Eine Ausstellung in Neu-Ulm zeigt: Malerinnen und Bildhauerinnen des 18., 19. und 20. Jahrhunderts standen ihren männlichen Kollegen in Sachen Kunstfertigkeit in keinster Weise nach.

Käthe Kollwitz, Gabriele Münter, Paula Modersohn-Becker –  ein paar weibliche Namen tauchen in der Kunstgeschichte immer wieder auf und haben es auch zu gewisser Popularität gebracht. Doch damit ist das Namedropping der Grandes Dames in Malerei und Bildhauerei auch schon wieder vorbei. Wer hat zum Beispiel je von Paula Monjé gehört? Von Anna Dorothea Therbusch? Von Sabine Lepsius? Dora Hitz?

Die Ausstellung »Der Kampf um Sichtbarkeit« im Neu-Ulmer ­Edwin-Scharff-Museum hat einige Künstlerinnen aus der Zeit im Wesentlichen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts versammelt und zeigt ihr Wirken (das dem der männlichen Künstler jener Zeit qua­litativ in nichts nachsteht), ihre Kämpfe und Nöte in der männlich dominierten Welt der Akademien und Galerien, ihre Mitstreiter*innen (jawohl!) und unterstützenden Mäzeninnen.  Verdeutlicht wird dies auch anhand von Briefen, z. B. der streitbaren Paula Monjé, aber auch durch Kataloge der dann doch für Künstlerinnen teilweise offenen Nationalgalerie Berlin, die auch die Exponate für diese Aus­stellung zur Verfügung gestellt hat. Kleine Sensation am Rande: Ein Neuankauf der Galerie, das »Bildnis einer Dame im weißen Kleid« von Ernestina Orlandini, ist in Neu-Ulm erstmalig öffentlich ausgestellt.

Zu sehen sind aber nicht nur Selbst-, Frauen- und Kinderporträts, sondern auch kühne Landschaften und Meeresimpressionen, Bronzen und Porträts hochstehender Persönlichkeiten wie der Gebrüder Grimm oder auch Genrebilder und nicht zuletzt auch erste Abstraktionen. Im Grunde dieselbe stilistische Entwicklung in der Moderne, wie sie auch die Männer durchmachten, und es würde ohne Kenntnis der Urheber*innen kein Unterschied erkennbar sein. Umso stärker der Eindruck der Willkür jener Zeit und der Absurdität männlicher Hegemonie in den Salons und im Kunsthandel bis heute.

»Der Kampf um Sichtbarkeit – Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1919« ist bis 7. Mai 2023 im Edwin-Scharff-Museum in Neu-Ulm zu sehen. Rund um die Ausstellung gibt es kunsthistorische Rundgänge, literarische Exkurse und ein Angebot für Kinder.

www.edwinscharffmuseum.de

 

Kunst zwischen den Jahren

Die a3kultur-Redaktion empfiehlt zwischen Weihnachtsgans, Silvesterfeuerwerk und der Ankunft der Heiligen Drei Könige einige festtägliche Ausflüge zu wunderbaren Ausstellungen hier und in unmittelbarer Nachbarschaft zu unserer Kulturregion. Sehen Sie hierzu auch unsere Beiträge zu den Ausstellungen in der MEWO Kunsthalle in Memmingen, im Holbeinhaus und im Deutschen Hutmuseum.

Das könnte Sie auch interessieren

Malte Günther
Ausstellungen & Kunstprojekte

Malerische Landschaften

Im Grafischen Kabinett des Höhmannhauses sind seit dem 25. September Philipp Röths malerische Landschaften zwischen Spätromantik und Impressionismus ausgestellt.
Malte Günther
Ausstellungen & Kunstprojekte

Formen die Leuchten

Michael Kiessling, Galerist des Kunstraums am Pfarrhof Leitershofen, erzählt gerne, wie er Sandra Tröger im Münchner Ausstellungsraum »Sandkasten« kennengelernt hat – und wie schnell aus diesem ersten Kontakt die Idee für eine gemeinsame Ausstellung entstand. Noch im selben Jahr wurde daraus Wirklichkeit: »Form Farbe Raum« zeigt eine äußerst sehenswerte Auswahl von Trögers Werk in den Räumen von Leitershofen.

Malte Günther
Ausstellungen & Kunstprojekte

Wegrennen ist einfach!

Der Kunstverein Augsburg startet am 19. September mit der Videoarbeit »Running away is easy, it's the leaving that's hard« (2025) in den Herbst.