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Starke Metapher

a3kultur-Redaktion

Ab dem 5. März präsentiert der Kunstverein Augsburg die aufsehenerregenden Arbeiten des Spanischen Künstlers Rubén Martín de Lucas in der Schau Stupid Borders. Im Vorfeld der Ausstellung sprach Fabian Linder für a3kultur mit dem Künstler

a3kultur: Für deine Serie »Minimal Republics« besetzt du jeweils für 24 Stunden 100 Quadratmeter Land. Wie gehst du dabei vor?
Rubén Martín de Lucas: Das Wichtigste ist der poetische Akt, für einen Tag 100 Quadratmeter zu besetzen. Wenn ich das Projekt als Kunstwerk durchführe, dann suche ich einen Ort, an dem ein visuelles Interesse besteht, wo plastisch etwas Attraktives geboten ist. Der Betrachter wird zuerst mit diesem Bild konfrontiert. Es stellt sich das Rätsel, um was es sich handelt und warum sich die Person innerhalb einer geometrisch abgesteckten Fläche befindet. Zuerst gibt es einen Überraschungsmoment, und dann erschließt sich eine gewisse visuelle und plastische Bedeutung. Die Bilder führen den Betrachter zu einer tieferen konzeptionellen Sicht hin.

Du kommst selbst aus einem Land, in dem es in einigen Regionen starke Separationsbewegungen gibt. Welche Rolle haben Grenzen für dich und deine Kunst?
Eines der gefährlichsten Konzepte für eine Spezies ist der Glaube, dass das Land oder das Territorium uns gehört, entweder individuell ein Stück Land oder kollektiv als ein Land. Es ist gefährlich, weil es uns zu der Annahme verleitet, dass wir Eigentümer dieses Territoriums sind und es in unserem Dienst steht. Als Kollektiv kann die Idee der Nation nützlich sein, um uns zu organisieren, besonders wenn die Bevölkerung sehr groß ist. Es ist allerdings sehr gefährlich zu denken, dass Bürger, die auf der einen Seite einer Linie geboren wurden, anders – besser oder schlechter – sind als diejenigen, die auf der anderen Seite geboren wurden. Grenzen existieren nur in der kollektiven Vorstellung. Der Betrachter soll verstehen, dass alles Leben immer wichtiger ist als jede Flagge.

Wenn es um dein Projekt »Iceberg Nations« geht, setzt du dich allerdings mit natürlichen Grenzen auseinander.
»Iceberg Nations« ist besonders, weil das Besetzen eines Eisbergs den Betrachter optisch unruhig macht. Neben der Person auf dem instabilen Eis gibt es auch eine Flagge, die die Aufmerksamkeit des Betrachters anzieht. Es ist ein wirkmächtiges Bild, weil wir alle wissen, dass dieser Eisbrocken bald nicht mehr in dieser Form existieren wird. Es ist eine starke Metapher für das, was wir auf der Erde tun, wenn wir eine Linie um ein Gebiet ziehen, das sich im Lauf der Zeit verändert. Wir haben uns etwas angeeignet, dass schon seit Urzeiten da war. Der Eisberg kann uns deshalb zeigen, was Eigentum ist und wie damit umgegangen werden kann. Bei indigenen Kulturen etwa sind das Konzept von Territorium und ihre Beziehung dazu viel natürlicher. Sie wissen, dass sie Teil von etwas sind und nicht dessen Eigentümer. Als die Europäer in Amerika ankamen, verstanden die dort lebenden indigenen Völker das Eigentumskonzept nicht.
Wir sind eine Spezies geworden, die nur Beziehungen mit sich selbst pflegt und eine sehr distanzierte Beziehung zur Natur und zum Territorium hat. Der Nationengedanke ist etwas Künstliches. Er kann uns helfen, uns besser zu verstehen. Wenn er aber zu einer fixen Idee wird, die Menschen davon überzeugen kann, zur Waffe zu greifen und diejenigen zu töten, die anderswo geboren sind, verkehrt er sich ins Gegenteil. Deshalb besteht für mich die Macht der Eisbergnation darin, sich etwas anzueignen, das morgen verschwinden wird.

 

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