Reihenweise Kunst in der Bergstraße
Im Projektraum Augsburg Contemporary in der Bergstraße wurde die erste von sieben geplanten Ausstellungen des Netzwerkprojekts Art X Augsburg eröffnet.
Zum Auftakt haben Christof Rehm (Fotodiskurs) und Andreas Stucken (Zweigstelle Berlin) den Fotokünstler Johannes Franzen und den Bildhauer Florian Ecker gebeten, den kleinen Raum mit dem großen Fenster zu bespielen.
Johannes Franzen, Meisterschüler von Peter Kubelka, setzt sich mit künstlicher Intelligenz auseinander, das heißt, er nützt selbstlernende Generatoren, um Bilder zu erzeugen. Doch Franzen unterläuft den maschinellen Prozess: Er gibt keine Kategorien vor, hält so die KI quasi dumm. Die zahllosen befremdlichen bildlichen Ergebnisse fasst Franzen hier zu zwei wandfüllenden Tableaus zusammen, ein Mosaik quadratischer pixelig bunter Fotos. Doch was ist da zu sehen? Der Versuch der Einordnung scheitert. Das einzelne Bild entzieht sich einer Deutung, lediglich Varianten eines Motivs, die sich immer wieder finden lassen, sorgen für Erkennen. Dieses merkwürdig anrührende Bemühen der KI, zu gefallen, führt zu ihrem Scheitern. Franzen führt uns hier vor, wie überraschend nah sich Mensch und Maschine sein können. Welche Folgen dies hat, steht auf einem ganz anderen Blatt …
Florian Ecker, Meisterschüler von Olaf Nicolai, arbeitet immer wieder mit Marmor, dem klassisches Bildhauermaterial. Für die hier gezeigte Arbeit untersucht er den bildlichen Aspekt der Skulptur, indem er dünne Marmorplatten, zugeschnitten mit Kanten und Kurven, wie Teile eines Puzzles auf dem Boden auslegt. Die Oberfläche der Platten, eigentlich ihre raue Unterseite, färbt er verschiedenfarbig ein, sodass zunächst die Materialität des Marmors kaschiert scheint. Da die Farbe aber in den empfindlich reagierenden Stein einzieht und ihn so direkt verändert, erweist sich die marmorne Flachware nicht als reiner Bildträger. Ecker verwischt hier die Grenzen von Bild und Skulptur, verweist aber auch auf die antike Praxis, Marmorstatuen farbig »anzuziehen«, denn diese waren ursprünglich nicht weiß, sondern leuchtend bunt.
Auf sehr unterschiedlichen Wegen untersuchen die beiden Künstler die Frage nach dem Wesen des Bildes, Vergangenheit und Zukunft treffen aufeinander, es entsteht eine vibrierende Spannung. Überzeugend! »latent|Bild|skulpural« läuft bis zum 27. Mai, geöffnet Freitag und Samstag von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung. Am 4. Juni geht es dann in die zweite Runde mit Arbeiten von Herbert X. Maier und Thomas Wunsch, kuratiert vom Kunstraum am Pfarrhof Leitershofen und der Zweigstelle Berlin.
Wie schön wäre es, wenn das Projekt sich, wie es Kulturreferent Jürgen K. Enninger in seiner Begrüßung formulierte, als »großer Sprung nach vorn in der Augsburger Galerienlandschaft« erweisen würde …
Ein Stück die Straße hoch gibt es übrigens noch mehr sehenswerte Kunst: Fotokünstler Christof Rehm präsentiert in seinem Atelierpavillon sein wunderbares neues Fotobuch »A heap of a broken light« (bis 21. Mai, Donnerstag bis Sonntag, 17 bis 19 Uhr und nach Vereinbarung).
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Malerische Landschaften
Formen die Leuchten
Michael Kiessling, Galerist des Kunstraums am Pfarrhof Leitershofen, erzählt gerne, wie er Sandra Tröger im Münchner Ausstellungsraum »Sandkasten« kennengelernt hat – und wie schnell aus diesem ersten Kontakt die Idee für eine gemeinsame Ausstellung entstand. Noch im selben Jahr wurde daraus Wirklichkeit: »Form Farbe Raum« zeigt eine äußerst sehenswerte Auswahl von Trögers Werk in den Räumen von Leitershofen.