Vom Gastronomen zum Festivalmacher
Stefan »Bob« Meitinger im Gespräch mit a3kultur über Anfänge, Reiz und Herausforderungen von »Sommer am Kiez«.
Am Platz vor dem Oberhauser Bahnhof, der mittlerweile Helmut-Haller-Platz heißt, findet jährlich »Sommer am Kiez« (SAK) statt. Am Anfang standen Biergartenkonzerte mit lokalen Bands und ohne Eintritt. Das ist um die zehn Jahre her, wie Meitinger bemerkt, und wurde später durch Konzerte mit den Bananafishbones erweitert. Das zog ordentlich Leute an den Oberhauser Bahnhof, machte sich allerdings auch in der Kasse bemerkbar. Daher entschied man sich, weiterhin Biergartenkonzerte zu machen, das Gelände allerdings einzuzäunen.
Der Helmut-Haller-Platz wird wegen der dortigen Drogen- und Trinkerszene oftmals kritisch betrachtet. Für Bob war es »die Nähe zu unserem Lokal, weshalb wir uns die Biergartengenehmigung für dort geholt haben«. Am Anfang sei nur ein Kiosk mit zwei Biertischgarnituren erlaubt gewesen. »Den habe ich dann mal versehentlich in Reggaefarben angemalt«, erinnert sich Bobs. Das Stadtplanungsamt sei davon weniger begeistert gewesen. »Wir durften uns dann drei Grautöne aussuchen und mussten den Kiosk wieder umstreichen.« Zwei Jahre später sei das schon wieder egal gewesen. »Denn«, so Gastronom Meitinger, »die Stadt hat gemerkt, dass es dem Bahnhofsvorplatz guttut, wenn hier was entsteht, ein bisschen Subkultur. Der Platz bekommt einen anderen Ruf.« Damit waren auch mehr Tische erlaubt, bevor das große Festival rauskam.
Der Kiezbegriff ist für ihn zentral: »Als wir angefangen haben, war der Platz eben sehr geprägt von der Drogenszene, aber auch von Bordellen etwa in der Ulmer Straße, die es heute nicht mehr gibt. Für uns war es auch ein Stück weit unser Kiez. Die Stadt dagegen konnte mit ›Kiez‹ lange nichts anfangen.« Mittlerweile habe sich der Begriff hier aber eingebürgert. »Darüber hinaus ist der Oberhauser Bahnhof einer der wenigen Flecken der Stadt, der ein bisschen Großstadtcharakter hat«, findet Meitinger.
Einen typischen Besucher gebe es beim SAK nicht. Das komme immer auf das jeweilige Genre an. »Wir sind ja sehr punkrocklastig«, meint Bob. »Bei uns sind die Punkrocker heutzutage zwischen 40 und 55. Man hört gerne Musik und geht zur Arbeit«, konstatiert der Gastronom lachend. »Natürlich kommen auch jüngere Leute. Bei ›Reggae am Kiez‹ erwarten wir eine bunte Mischung, darunter auch Familien mit Kindern«, ergänzt Daniel Stadler, zuständig fürs Marketing.
Seit zwei Jahren findet das Festival auch am Gaswerk statt. Der Reiz liegt für Bob darin, auch größere Konzerte mit größeren Bands zu veranstalten. Vom Helmut-Haller-Platz ist es nicht mal ein Kilometer Fußweg: »Die Anbindung ist also für uns nicht das Problem.« Auch die Kooperation mit den Stadtwerken, die das Gelände entwickelt haben und betreiben, laufe an sich sehr gut. Mit den städtischen Behörden gebe es manchmal Debatten – man habe es halt mit vielen Beamten zu tun. »Momentan ist noch unklar, ob wir am Wochenende nur bis 22 Uhr machen dürfen statt wie letztes Jahr bis 23 Uhr, obwohl es kaum Beschwerden gab. Die Uhrzeit ist schon ein bisschen provinziell«, so Bob. Er ist dennoch zuversichtlich, dass es hier eine Einigung geben wird.
In der Kritik stand das Festival zuletzt durch die Absage der Band Drei Meter Feldweg, die online kritisierte, dass auch eine Band spiele, die »sexistische, teilweise antisemitische Texte und Verschwörungstheorien« verbreite. Gemeint ist dabei mutmaßlich die Band Brdigung. Bei Bob’s zeigte man sich irritiert von der Kritik. »Das Booking für ein solches Festival ist ein Kraftakt. Da schreiben wir schon mal 100 bis 150 Bands an, bis am Ende ein Line-up steht. Die Band Brdigung kannte ich vorher auch nicht«, erläutert Meitinger. Man habe die Vorwürfe online nachgeprüft, sei allerdings nur auf eine Textstelle mit »Giftgespritze« gestoßen. »Insgesamt«, so Bob’s-Chef Meitinger, »war die Kritik von ein paar Leuten an uns aber eher als Erpressung formuliert worden. Wir haben uns viel damit befasst. Erpressen lassen wollten wir uns allerdings nicht.« Man werde garantiert keine rechtsradikale Band einladen. »Wir nehmen die Kritik jedenfalls für nächstes Jahr mit und werden schon vorher deutlich besser recherchieren.«
Das Festival zu stemmen sei ein Kraftakt mit vielen Herausforderungen. Man verfüge allerdings über ein gutes Team sowie die eigene Gastronomie und Technikcrew. Lediglich das Securitypersonal sei extern. Insgesamt 520 Mitarbeiter*innen, davon 250 Festangestellte, stünden hinter Festival und Gastro. Auf dem Festival selbst zu arbeiten sei bei der Belegschaft extrem gefragt. Aber auch bei Bob’s hat man an einigen Stellen teilweise mit Personalmangel zu kämpfen: »Am Gaswerk brauchen wir je nach Veranstaltung mehrere Dutzend Mitarbeiter an den Zapfanlagen und im Verkauf. Letztes Jahr mussten wir zum Beispiel einen Bierwagen am Gaswerk wegen Personalmangel schließen. In der Folge standen viele Besucher zu lang für ihre Getränke an. Das machen wir dieses Jahr besser«, äußert sich Bob mit Blick auf das kommende SAK optimistisch.