Ausstellungen & Kunstprojekte

Israelische Kunst im Höhmannhaus

Gastautor

Die Ausstellung »Augmented (Hi)Stories«, die im Höhmannhaus läuft, zeigt 20 Arbeiten von elf israelischen Künstler*innen, die sich zur »P8 Contemporary Art Gallery« in Tel Aviv zusammenschlossen. Iacov Grinberg hat die Ausstellung besucht und berichtet hier von seinen Eindrücken.

Kunstobjekte, die aus einer anderen Kultur stammen, sind für uns meist schwerer in ihrer vollen Tiefe und Bedeutung zu verstehen, da oft der kulturelle Hintergrund eine wichtige Rolle spielt. Ein Beispiel: Wir verstehen oft schwer Objekte der traditionellen indischen Kunst oder Menschen muslimischen Glaubens vielleicht schwer Bilder mit biblischem Bezug. Auch in der Ausstellung im Höhmannhaus brauchen viele Objekte eine Erklärung.

An der Wand des Höhmannhauses sind gleich nach dem Eingang Griffe zu entdecken. Beim Drehen der Griffe ertönt eine Melodie. Solche Mechanismen sind vor allem für Kinderhände bestimmt, die mit ihren Eltern die Ausstellung besuchen, macht aber auch Erwachsenen Freude. Auf dem Fußboden liegen einige Zahnräder eines Spirographens und Stifte, mit denen schon einige Spiralen gezeichnet wurden.

Auf der gegenüberliegenden Wand hängt ein fast flaches Netz aus dünnen, schwarzen Plastikdrähten unterschiedlicher Dicke. Es ist eine Abbildung der Katakomben von Paris. Die Arbeit spiegelt die jüdische Tradition der Suche der verborgenen, tief liegenden und auf den ersten Blick nicht erkennbaren Bedeutung von Texten und Objekten wider. Eine andere Arbeit derselben Künstlerin stellt ein Blatt mit einem Plan des alten Jerusalem dar. Das Blatt möchte herunterrollen, wird aber mittels einiger Fäden gespannt. Nur fünf dieser Fäden sind schwarz, wesentlich mehr sind durchsichtig und fast unsichtbar. Es soll wohl die Existenz der Stadt Jerusalem verdeutlichen, die meistens durch die geistige, stabile, aber nicht sichtbare Verbindung gesichert wird.

Einige Arbeiten sind Videos von ein bis zwei Minuten. Aus digitalisierten Fotografien mit Menschen, die in der für die 30er/40er-Jahre typischen Kleidung, verschwinden allmählich einige Personen. Für die Bevölkerung Israels mit ihrem großen Anteil an Nachkriegsemigrant*innen, die ihre Verwandten nach dem Krieg nicht wieder gefunden haben, ist dieses Thema wohl bekannt.

Die Ausstellung kann noch bis 16. Juli besucht werden.

Mehr Informationen hier.

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