Bewegende bewegte Kunst
In Ulm bewegt sich was: In der Kunsthalle Weishaupt erleben die Besucher*innen, wie vielfältig sich die Aspekte der Bewegung in der Kunst darbieten.
Kunst in Bewegung: Da denkt frau zunächst an Tanz und Performance, doch auch in der genuin bildenden Kunst spielen Bewegung und Dynamik eine wesentliche Rolle, sogar dort, wo es sich nicht auf den ersten Blick offenbart.
Diese zahlreichen Aspekte und Möglichkeiten von Bewegung oder Dynamik finden sich konzentriert in den rund 30 Werken der neuen Ausstellung »Dynamic. Bewegung in der Sammlung«, die bis zum Herbst in der Kunsthalle Weishaupt zu sehen ist.
Schon das künstlerische Tun an sich geht in der Regel mit Bewegungen der Künstler*in einher: Die Maler*in oder Zeichner*in bringt mehr oder weniger ausgreifend mit Pinsel oder Stift Farbe auf den Grund, Bildhauer und Installationskünstler*innen formen Material, nutzen Werkzeuge oder heute auch Software und VR-Brille. Wie auch immer: Die Künstler*innen schaffen ihre Kunst in der Bewegung ihres Körpers.
Ein Kunstwerk kann Bewegung mittel geschwungener Linien darstellen oder einen prägnanten Moment festgehalten wird wie in den fotografisch präzisen Zeichnungen von Robert Longo. Jürgen Klauke hingegen verdichtet für sein »sich selbst optimierendes System« Bewegungsabläufe durch Langzeitbelichtungen. Im Film, wie bei Tony Ourslers »RgB*«, wird Bewegung durch die Sequenz einzelner Bilder erzeugt.
Jason Martin oder Jiří Dokoupil erweitern und reliefieren mit Materialschichtungen und -kombinationen, mit Licht und Schatten den eigentlichen Bildraum ins Dreidimensionale. Ein anderer Weg ist jener der Illusion, wie ihn Philippe Decrauzat, Adolph Luther oder Heinz Mack beschreiten: Spiegelung, Reflexion oder auch die präzise kalkulierten Linien und Muster der Op-Art entwickeln in der Fläche Raum und Bewegung – dies gelingt jedoch nur im Kontext mit der Rezipient*in, deren Bewegungen die Bewegung im Objekt, das Flirren und Flimmern erst möglich machen.
Ästhetischer Erkenntnisgewinn
Kinetische Objekte wie »Peristyle« von George Rickey hingegen erzeugen selbst Bewegung. Ein besonderer Anziehungspunkt ist hier sicher Jean Tinguelys reitender »Attila«, eine auf Knopfdruck startende großformatige Bewegungsskulptur-Maschine, die weitgespannte Assoziationen zulässt.
Auf dem Weg durch die Ausstellung eröffnen sich den Besucher*innen beständig neue Perspektiven der Bewegung. Der Rundgang wird zum sinnlich ästhetischer Erkenntnisgewinn – Schritt für Schritt erleben wir die vielschichtigen Aspekte der Dynamik anhand treffend gewählter Beispiele aus der hauseigenen Sammlung.
Die Ausstellung bespielt diesmal ausschließlich die zweite Etage der Kunsthalle, denn ein Stockwerk tiefer ist aktuell die 23. Triennale Ulmer Kunst zu Gast, da das Museum Ulm, mit der Kunsthalle Weishaupt durch einen die Straße überspannenden Übergang verbunden, in den nächsten Jahren grundlegend umgebaut und umstrukturiert werden wird.
23. Triennale Ulmer Kunst
Das Kooperationsprojekt von Museum Ulm, Kunstverein, BBK und Künstlergilde steht naheliegend unter dem Motto »Vorsicht Umbau!«. Dieser Leitgedanke zielt vor allem auf die einem Umbau – auch sinnbildlich – innewohnenden neuen Möglichkeiten. 24 Künstler*innen, die entweder in der Region leben oder dort geboren sind, nähern sich dem Thema auf ganz persönlichen Wegen: So mäandert Franziska Agrawals großzügig luftig in den Raum gepasste Installation zwischen Linie und Raum. Birte Horn plant ihre Wandmodule klar und präzise, aber höchst spielerisch und perspektivisch ausgesprochen reizvoll. Mirjam Pajakowski untersucht die Spuren der Vergangenheit, die sie in ihrem Düsseldorfer Atelier findet, und Heike Sauer schafft aus Alltagsstücken »Kunstkitsch«, Türme, die sie zu hintersinnigen Stadtraumsilhouetten arrangiert.
Die beiden Ausstellungen sind noch bis zum 11. November zu sehen.
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