Politik & Gesellschaft

»Mehr miteinander reden«

a3kultur-Redaktion

Zur Landtagswahl: Ein Gespräch über Kultur und Politik mit Florian Freund (SPD). 

Am 8. Oktober wählt Bayern einen neuen Landtag. a3kultur stellt in den kommenden Ausgaben Kandidat*innen vor, die für unsere Region nach München wollen. Gemeinsam mit der Ständigen Konferenz haben wir im Juli zur Kulturdebatte geladen. Die Clips dazu sind auf den Seiten der Ständigen Konferenz und a3kultur sowie in diversen Netzwerken zu finden. 

a3kultur: Welche Chancen rechnest Du Dir für die Landtagswahl 2023 aus? 

Florian Freund: Die SPD hat mich auf den sehr aussichtsreichen Listenplatz 2 gesetzt. Durch das Wahlsystem habe ich damit gute Chancen, dem nächsten Landtag anzugehören. Entscheiden werden das die Wählerinnen und Wähler.

Was kann nur die SPD für Bayern tun? 

Die SPD ist die einzige Partei, die den sozialen Ausgleich, die Bekämpfung des Klimawandels und den Erhalt der industriellen Produktion so angeht, dass es funktioniert. Da muss in vielen Politikfeldern etwas passieren. Wer bezahlbaren Wohnraum will, muss dafür sorgen, dass die Nebenkosten für Heizung und Strom bezahlbar bleiben und gleichzeitig die Baukosten nicht explodieren. Da gibt es nicht Schwarz oder Weiß. Das ist ein ständiges Abwägen und Ringen um gute Lösungen. Genauso ist es bei der Wirtschaftspolitik.

Wir sind ja nun mal ein Kulturmedium. Du kokettierst gerne damit, keine Ahnung von Kunst und Kultur zu haben. Warum machst du das? 

Das ist kein Kokettieren. Da bin ich in der Tat nicht auf so sicherem Terrain, wie zum Beispiel in der Wirtschaftspolitik. Diese habe ich studiert und da spielt auch seit vielen Jahren ein wichtiger Teil meines Berufslebens. Im Kulturbereich weiß ich, wie gewisse Fördermechanismen funktionieren, aber der kreative Prozess ist nicht mein Fachgebiet.  

Liest du denn nie ein Buch, hörst keine Musik, siehst dir nie einen Film an?

Natürlich tue ich all das. Aber nur weil ich gerne esse, macht mich das noch nicht zu einem guten Koch. Genauso ist es doch bei der Kultur. Um Kulturpolitik zu machen und wirklich etwas davon zu verstehen, braucht es ein tieferes Verständnis und Know-how. Und da fühle ich mich nicht so sicher wie in anderen Bereichen, von denen ich glaube, mehr zu verstehen.

Welche kulturellen Schwerpunkte hat die SPD in ihrem Wahlprogramm? 

Kulturelle Themen ziehen sich durch viele Bereiche des Wahlprogramms. Bei der Inklusion und der kulturellen Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen, bei der Bedeutung der Landwirtschaft für die dörfliche Kultur und die Kulturlandschaft usw. Der Teil des Wahlprogramms, der mit Kultur überschrieben ist, setzt Schwerpunkte vor allem beim Neustart nach der Corona-Pandemie, bei der kulturellen Bildung und bei Förderstrukturen, die Kulturzentralismus reduzieren. In Zeiten, in denen die extreme Rechte wieder an Stärke gewinnt, wird auch auf die Kunstfreiheit immer wieder infrage gestellt. Meine SPD steht wie keine andere Partei seit 160 Jahren auch für dieses Grundrecht. Das ist Teil unserer DNA.

Bei unserer Diskussion zur Landtagswahl hast du mit verwaltungsrechtlicher Expertise punkten können – dieses Wissen ist für Kulturmacher*innen wichtig.  Reden Politik, Kultur und Wirtschaft eigentlich genug miteinander? 

Da sind wir wieder beim Thema Kokettieren. Von Förderung verstehe ich ein bisschen was, weil ich damit schon beruflich zu tun hatte. Und ich glaube, dass es da mehr Austausch braucht. Kultur lebt – ohne dass ich da Experte bin – von Kreativität, von Freiheit und manchmal auch von Chaos. Das verträgt sich ganz schlecht mit Förderrichtlinien, wie sie im Beamtenapparat notwendig sind, damit Förderprogramme so eingesetzt werden, wie es der Zweck ist. 
Wenn wir als Politik zum Beispiel in eine Förderrichtlinie schreiben, dass für einen erhöhten Fördersatz bestimmte Nachhaltigkeitskriterien zu erfüllen sind, dann werden die Beamtinnen und Beamten, die das vollziehen, entsprechende Nachweise einfordern. Das erzeugt Bürokratie, für die Künstlerinnen und Künstler, – auch wenn sie die Zielsetzung »mehr Nachhaltigkeit« teilen – kein Verständnis haben. Die wollen nämlich Kunst machen.

Was können Politik und Verwaltung von der Kunst lernen? 

Schwierige Frage, weil es »die Kunst« ja nicht gibt. Ich glaube, es war schon immer eine Stärke von Kunst und Kultur, den politisch Verantwortlichen den Spiegel vorzuhalten und politische Missstände aufzuzeigen. Da hat Kunst in jedem Fall einen Auftrag, politisch zu wirken. Kunst hat außerdem etwas sehr Demokratisches, weil es freie Kunst nur in freien Gesellschaften geben kann. 

Und was können Kunst und Kultur von der Politik und Verwaltung lernen?

Ich glaube, es ist auch für Künstlerinnen und Künstler wichtig, zu verstehen, wie politische Prozesse und Verwaltungsabläufe funktionieren. Ich glaube, Förderprogramme, die sich Politikerinnen und Politiker ausdenken, könnten viel zielgenauer eingesetzt werden, wenn man mehr miteinander reden würde.


Florian Freund wurde 1979 in Würzburg geboren. Nach dem Abitur 1998 war er der erste in der gesamten Familie, der ein Studium (Volkswirtschaftslehre) aufgenommen hat. Während seines Studiums arbeitete Freund auf dem Bau, bei Fujitsu-Siemens und an der Uni Augsburg. Mit seiner Dissertation zur Bildungsfinanzierung und zum demografischen Wandel wurde Freund 2008 zum Dr. rer. pol. promoviert. Seither arbeitet er bei der Regierung von Schwaben im Bereich Wirtschaft, Landesentwicklung, Verkehr. Seit 2014 gehört Freund für die SPD dem Augsburger Stadtrat an, seit 2018 ist er Fraktionsvorsitzender. Freund ist verheiratet und hat drei Töchter im Alter von 4, 7 und 9 Jahren.

Ende der 90er Jahre sammelte Freund seine erste und einzige Bühnenerfahrung beim Theater Chambinzky in Würzburg. Unter der Regie von Gwendolyn von Ambesser spielte er den Schüler »Knebel« in der Feuerzangenbowle. 
 

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