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Jenseits von Barbieland

Eine Wanderausstellung in Schwabmünchen, ergänzt um regionale Stücke, zeigt, wie mit wenig Mitteln und viel Fantasie Kinderspielzeug entstehen kann.

Kinder haben das Bedürfnis zu spielen, zum Vergnügen oder zum Zeitvertreib. Aber Spielen ist mehr: Kinder können dadurch Zusammenhänge begreifen, selbst Lösungen entwickeln und kreativ sein. Und sie können anhand des Spiels die Fähigkeiten des späteren Lebens in der Erwachsenenwelt ausbilden.

Welche Fähigkeiten das je nach Herkunft sind, dies tritt anhand mancher Exponate in der Wanderausstellung »WeltSpielZeug« der Kinderrechtsorganisation Plan International, die aktuell im Museum und Galerie Schwabmünchen (MUGS) gastiert, allzu deutlich zutage und macht natürlich auch nachdenklich: 
ein dem Original durchaus nicht unähnliches, hölzernes Sturmgewehr aus Pakistan; Puppen und Fächer zur frühen Eingewöhnung in das traditionelle Rollenbild als Frau und Mutter; Fahr- und Flugzeuge aus alten Blechdosen, offensichtlich aus Ländern, wo der Waren- und Personenverkehr mittels knatternder Mofas und brummender Propellermaschinen stattfindet.

Und denken wir einmal an unsere eigene Kindheit zurück: War es bei uns so viel anders? Als Cowboys und Sioux probten wir den Verteidigungsfall mit Schusswechseln aus vielerlei Rohren, inklusive echtem Pulverdampf aus Zündplättchen. Im Vater-Mutter-Kind-Spiel wurde eine Babypuppe in die Mitte genommen, und das Mädchen erklärte dem zumeist etwas passiven Jungen die korrekte Fütterung des (zum Glück nur angenommenen) gemeinsamen Kindes.

Man kann sich anhand der Exponate sehr gut in die eigene Kindheit zurückversetzen. Und schnell macht sich die Erkenntnis breit, dass auch in den fernsten Ländern und verschiedensten Kulturen doch so etwas wie eine universelle Spielkultur gelebt wird (bestes Besipiel hierfür: der Ball), die sich von der unseren vor allem in einem unterscheidet: der Verfügbarkeit des Materials. 

Wo das Geld und das Material für industriell gefertigtes Spielzeug fehlt, müssen alte Dinge und Abfälle herhalten, aus denen mit viel Fantasie wieder Spielzeug wird. »Upcycling« heißt diese Art der Wiederverwertung, und was bei uns in der Wohlstandsgesellschaft oft eher als spleeniges Zeitgeistphänomen belächelt wird, ist in Ländern mit hoher Armutsrate oder in Kriegsgebieten die einzige Möglichkeit, den Kindern eine konkrete Spielwelt zu schaffen. 

Nicht nur in Entwicklungsländern

Es gab eine Zeit, in der dies auch in den Heimen der Region geschah. Dies belegen eindrucksvoll die Leihgaben aus der Kategorie »Notspielzeug« aus den Jahren in und nach dem Zweiten Weltkrieg, von denen es die Kuratorinnen Dr. Doris Hafner und Alina Krüger, M.A., geschafft haben, einige noch existierende Exemplare aus Schwabmünchener Haushalten zusammenzutragen und in der – erstmals in Schwaben gastierenden – Ausstellung den Exponaten aus Asien, Afrika und Lateinamerika gegenüberzustellen: z.B. Puppenwiegen, die aus zerschnittenen Ansichtskarten genäht sind. Sie waren vielleicht einmal ebenso geliebtes Spielutensil wie die Blätterpuppe aus Uganda. 

Manches in dieser Ausstellung belustigt, manches rührt an. Und es stellt sich die Frage, ob man den eigenen Nachwuchs zu Weihnachten mit dem 150-Euro-Magic-Glitzer-Castle überraschen muss, oder ob man nicht auch einmal zusammen zu Draht und Zange greifen könnte.

Die Ausstellung »WeltSpielZeug und NotSpielZeug« ist bis 7. Januar 2024 im Museum und Galerie Schwabmünchen (MUGS) zu sehen. Der Eintritt ist frei. Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm für Kitas, Schulen und Familien.

www.kultur-schwabmuenchen.de/museum/sonderausstellungen-im-mugs/

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