Die Augsburger Kegelbahnkonzerte gehen in die 12. Staffel. Mit dabei sind Lillian Hampson, Josy, Marcoca, Janikeliah und Picky Eater.
Hier stimmte einfach alles
Das 12. Internationale Gitarrenfestival präsentierte die facettenreiche Welt der Gitarrenmusik und machte Wertingen für drei Tage wieder zum Hotspot mit sensationellen Konzerterlebnissen.
Vom 20. bis 22. Oktober teilten sich die Stars der aktuellen Gitarrenszene die Bühne in der Stadthalle Wertingen. Liebevoll und mit tatkräftiger Unterstützung unzähliger Helfer*innen in einen angenehmen und gut klingenden Konzertsaal verwandelt, fanden die Besucher*innen nicht nur ein angenehmes Ambiente vor, sondern wurden auch bestens mit Essen und Getränken zu unglaublich günstigen Preisen versorgt.
Workshops mit hochkarätigen Dozent*innen begleiteten das Festival und machten es so möglich, gerade junge Menschen für die Faszination des Gitarrenspiels zu gewinnen. So kamen zum Beispiel 1.000 Schulkinder in den Genuss, zwei extra Konzerte von Alexandr Misko in der Stadthalle am Vormittag besuchen zu können. Musikunterricht der ganz besonders tollen Art.
Möglich macht das alles eine begeisterte und engagierte Stadtgemeinschaft und die Unterstützung durch den Förderverein, der Sponsoren und der Stadt Wertingen.
Virtuos – Furios – Rising Stars
Dieses Jahr haben sich die Macher*innen, allen voran der Kurator Johannes Tonio Kreusch, für Themenabende entschieden. Mit Doppelkonzerten am Freitag mit Antonio Fruscella und Tatyana Ryzhkova an der klassischen Gitarre, am Samstag mit dem Bandini Chiacchiaretta-Duo (Bandoneon und Gitarre) und Alexandr Misko (Gitarre) und dem Schlusskonzert am Sonntag mit dem jungen David Volkmer aus Österreich.
a3kultur-Autor Alexander Möckl hat sich den Samstag ausgesucht und ist begeistert zurückgekehrt.
Argentinischer Tango, Astor Piazzolla und ganz viel Leidenschaft
Das Bandoneon von Cesare Chiacchiaretta holte erst einmal tief Luft, während Giampaolo Bandini noch seine Konzertgitarre stimmte, bevor der erste Ton erklang. Doch dann war sofort klar: Hier stehen zwei Musiker auf der Bühne, die die Seele des Argentinischen Tangos in sich tragen. Jede einzelne Note transportierte die Melancholie der Werke Piazollas, das Verzweifeln und das Hoffen, die Sehnsucht, die Traurigkeit und manchmal auch die pure Lebensfreude.
Die über zwanzig Jahre des gemeinsamen Spiels an allen Orten dieser Welt haben die beiden zu einer musikalischen Einheit werden lassen. Alles fügt sich wunderbar zusammen. Gerade in den leisen Passagen, wie zum Beispiel in dem Stück »Adios Nonino«, das Piazolla unmittelbar nach dem Tod seines Vaters komponiert hatte, scheint sich die Welt um einen herum aufzulösen, um den reinen und tiefen Gefühlen Platz zu machen. Gänsehaut inklusive.
Nach drei Zugaben und einem nicht enden wollenden Applaus verabschiedeten sich die beiden Großmeister ihres Fachs ebenfalls sichtlich berührt vom begeisterten Publikum.
Technik der Superlative
Ganz anders ging Alexandr Misko das Thema Gitarre an. Mit gerade erst einmal 24 Jahren zählt der Ausnahmegitarrist heute schon zu den innovativsten und interessantesten Erscheinungen der neuen Gitarren-Szene. Im Gepäck seine extra für ihn und nach seinen Vorstellungen konzipierte Gitarre. Diese Gitarre verfügt über Features, die es so an keiner anderen Gitarre der Welt gibt.
Neben dem ausgefuchsten Tuner-System, das es ihm erlaubt, im Spiel jeden einzelnen Ton blitzschnell in der Tonhöhe zu verändern, befinden sich auch perkussive Ein- und Anbauten daran. Dazu kommen jede Menge Effektgeräte, die den Sound in jede erdenkliche musikalische Richtung bringen können. Hier den Überblick zu behalten, ist an sich schon spektakulär genug.
Seine Spieltechnik könnte man im weitesten Sinne als »Tapping« bezeichnen, was bedeutet, dass er oft mit allen Fingern auf das Griffbrett klopft, um so den gewünschten Ton anzuschlagen. So entsteht ein Soundgebilde, das nicht aus dieser Gitarre zu kommen scheint. Doch es ist so, wie er sehr unterhaltsam zwischen den einzelnen Songs erklärt und demonstriert. Misko ist ein Performer durch und durch. Er wirbelt über die Bühne, energiegeladen und kraftvoll.
Und dann gibt es ihn doch noch, den zutiefst nachdenklichen Moment. Er erzählt von seiner Heimat Russland, in die er nicht mehr zurückkehren kann, von dem großem Glück, jetzt in Deutschland leben zu können, aber auch mit der damit verbundenen Trennung von seiner Familie und seinem Freundeskreis. »Home« ist das musikalische Ergebnis dieser Zerrissenheit.
Und wer sich jetzt immer noch nicht vorstellen kann, was für ein genialer und furioser Gitarrist dieser Alexandr Misko ist, der sollte sich seine Youtube-Videos ansehen und genauso staunen, wie das begeisterte Publikum an diesem Abend.
Auf jeden Fall darf man sich jetzt schon auf das nächste Internationale Gitarrenfestival in Wertingen freuen. Der Weg dorthin lohnt sich!
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