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Ein volles Haus. Was könnte man der Bayerischen Kammerphilharmonie zum Saisonstart in ihrem Jubiläumsjahr Schöneres wünschen?
Seit zwanzig Jahren bezaubern die Musiker*innen um ihren Leiter Gabriel Adorján nun schon das Publikum. Die weitaus meiste Zeit davon hatte das Ensemble seinen Stammsitz in Augsburg. In dieser Zeit entwickelte sich die Bayerische Kammerphilharmonie zur klassikmusikalischen Visitenkarte unserer Kulturregion. Wie sagte Valentin Holub, der als Bratschist wie auch als Geschäftsführer der Philharmoniker*innen einen vorzüglichen Job macht, bei seiner kurzen wie kurzweiligen Begrüßung vor Konzertbeginn: »Wer es in Augsburg schafft, der schafft es überall – es braucht vielleicht nur etwas länger hier als anderswo. Aber dann stehen die Menschen hinter einem.«
Da mag etwas Wahres dran sein. Allerdings nur, sofern Qualität und Engagement so stimmig ineinandergreifen wie bei der Bayerischen Kammerphilharmonie. So war es dann auch bei diesem Herbstabend. Das Publikum wurde im ersten Teil des mit »Great Britons« überschriebenen Konzert mit Gustav Holst (1874–1934) und Gerald Finzi (1901–1956) bekannt gemacht.
Holsts schmissige »St. Paul’s Suite« ist Tanzmusik, inspiriert von britischen, aber auch orientalisch anmutenden Vorbildern. Es war ein gelungener Start, mit einem Komponisten, den eigentlich die halbe Welt kennen sollte. Wer wissen will, warum, der höre nur einmal kurz in seine Orchestersuite »The Planets« und versuche dabei nicht an den Todesstern aus Star Wars zu denken. Aber das hier nur am Rande.
Bei Finzis Konzert für Klarinette und Orchester in c-Moll hatte der Star des Abends seinen ersten Einsatz. Thorsten Johanns holte das Publikum mit seiner sanft geführten Klarinette ab, als ginge es zu einem Herbstspaziergang in einem Film von Éric Rohmer. Und was sich daraus so alles entwickeln kann, wissen wir alle oder wir ahnen es zumindest.
Kultivierte Spielfreude, gepaart mit einer erfrischenden Lässigkeit zeichnen diesen gefragten Solisten aus. Seine Zugabe war ein unglaubliches Kabinettstück von Malcolm Arnold, bei dem er seine Klarinette auch mal wie eine Glasharfe klingen ließ. Auch Arnold ist ein in der Klassik fast Vergessener. Seine Unsterblichkeit hat er dem Filmklassiker »Die Brücke am Kwai« zu verdanken, für den er den gepfiffenen Ohrwurmmarsch beisteuerte und dafür einen Oscar erhielt.
Nach der Pause standen mit Elgar und Britten die prominenteren Vertreter britischer Klassik auf dem Programm. Aber auch diese bis heute gefeierten Komponisten waren zu ihrer Zeit keine Bilderstürmer.
Elgars ebenso dichten wie weichen Klangteppich wusste das an diesem Abend auf Streichinstrumenten basierende Ensemble gekonnt auszulegen.
Brittens Dramatik und ein traumwandlerischer Dreivierteltakt führten im Anschluss in die Wiener Salons, zu neapolitanischer Mandolinenhaftigkeit und venezianischer Leichtfüßigkeit, bis hin zum bärentatzigen Brummen in den Wäldern im Norden und Osten unserer Welt.
Und was sagt uns das alles über unsere Nachbarn auf der Insel? Vielleicht lernen wir aus dieser Musik, dass Großbritannien nie nur der Brexit war, sondern oft und im besten Fall weltoffen und kosmopolitisch. Eine Qualität, auf die wir uns alle immer wieder aufs Neue besinnen sollten.
Letztendlich war die Bayerische Kammerphilharmonie an diesem wunderbaren Abend in ihrem Element. Das Publikum nahm ihre musikalischen Angebote gerne an. Man freut sich auf die weiteren Termine dieses Ensembles, die sie uns, aber gewiss auch sich selbst zum 20. Dienstjubiläum schenken.
Weitere Termine:
Familienkonzert Sonntag, 3. Dezember, 11 Uhr, Kleiner Goldener Saal
Un-er-hört: Buon Natale Sonntag, 3. Dezember, 18 Uhr, Kleiner Goldener Saal
www.kammerphilharmonie.de
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