Stilbruch
Der Künstler Peter Schlichtherle steht kurz vor seinem 80. Geburtstag. Jürgen Kannler besuchte ihn für a3kultur in seinem neuen Atelier in Langweid.
Zunächst einmal ist alles wie immer, wenn man Peter Schlichtherle in seinem Atelier besucht. Egal ob im alten Bahndepot Hettenbach, in den ehemaligen Sozialräumen des Gaswerks, oder eben nun, in den Räumen eines vormaligen Papiergeschäfts in Langweid.
Er empfängt in einem hellen, zweckmäßigen wie gemütlichen Arbeitsraum, an dessen Wände sich hintereinander gestellte Bilder horizontal stapeln. Schlichtherle ist ein Künstler mit einem beachtlichen Ausstoß. In der Pandemie hat er eine Wandlung vollzogen: Er wollte damals keine Bilder mit den für ihn bis dahin typischen, gesellschaftskritischen Motiven mehr schaffen. Er hatte zu jenem Zeitpunkt jegliche Lust an depressiven Motiven verloren.
So fing er an, mit Ornamentik zu experimentieren. Seine konkrete Kunst bedient sich zuweilen noch immer des markanten Farbspektrums Schlichtherles, verzichtet dabei aber auf den peniblen Zwang zur Genauigkeit, den er sich selbst über Jahrzehnte in all seinen fantastisch großformatigen Leinwänden mit allerhand Gegenständlichem auferlegt hat. Das kann befreiend sein und so weit gehen, dass altes Gegenständliches mit neuem Konkreten in Teilen oder als Ganzes übermalt wird.
In seinem Sessel sitzt da einer, der mit sich im Reinen scheint. Den Quereinstieg zur Kunst schaffte er als Kripobeamter im Drogendezernat. Er zeigt das Foto eines VW-Kastenwagens. Den hat Schlichterle mit Blumen bemalt und besuchte damit in den 1980er Jahren – undercover – Musikfestivals, um einer Reihe von Apothekenaufbrüchen aus diesem Umfeld nachzugehen.
Die Künstlerkolleg*innen, die damals auf der anderen Seite des Gesetzes standen, haben ihm seine beruflichen Exkursionen weitgehend verziehen, erzählt er. Man sieht in ihm vor allem einen guten Maler. Mit seinen starken Motiven gewann Schlichterle die Menschen seiner Generation, aber auch immer wieder die Jüngeren.
Als Beamter in Pension musste er sich wohl nie wirklich um den Verkauf seiner Kunst sorgen. Vielleicht sind aber auch aus diesem Grund viele seiner Arbeiten heute nur noch als Bilddatei bei ihm zu sehen. Die Originale hängen bei Menschen, die sich für seine Kunst bis heute begeistern.
In absehbarer Zeit plant Peter Schlichtherle eine Einzelausstellung mit neuen und alten Arbeiten. Der Titel steht schon fest: »Stilbruch« Man darf gespannt sein. Am letzten Oktoberwochenende lädt Peter Schlichtherle schon einmal zu einem Wochenende des offenen Ateliers … nach Langweid. Fühlen Sie sich eingeladen, Sie sind es.
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