Kleine Kreuze, große Wirkung
Den kleinen Ulrichskreuzen wurde und wird von Gläubigen eine breite Wirkmacht zugeschrieben. Was es mit diesen religiösen Erinnerungsstücken auf sich hat, erläutert kurzweilig eine Ausstellung im Diözesanmuseum St. Afra.
Kleine Kreuze, wohin man auch blickt: Die neue Sonderausstellung des Diözesanmuseums widmet sich den »Ulrichskreuzen« – lange Zeit populäre religiöse Andenken, die die Wundertätigkeit des Hl. Ulrich symbolisieren und gegen zahlreiche Widrigkeiten des Lebens helfen sollten. Mit der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts verschwanden sie, bis 1893 Prälat Josef Maria Friesenegger (1855–1937) den Brauch wieder aufleben ließ. Friesenegger, seit 1887 Pfarrer von St. Ulrich und Afra, verdanken wir zudem die weltweit größte Sammlung von Ulrichskreuzen mit über 700 Exemplaren, die nun das Rückgrat dieser Ausstellung bildet. Hört sich ein wenig akademisch trocken an? Keine Sorge …
Die Ulrichskreuze sind eng mit dem frühmittelalterlichen Bischof Ulrich verbunden, der bereits kurz nach seinem Tod 973 als Heiliger verehrt wurde. Ulrich hat sich in das Augsburger Geschichtsbuch durch seinen Einsatz für die Stadt im Zusammenhang mit der Schlacht auf dem Lechfeld im Jahre 955 eingeschrieben. Der Legende nach überreichte ein Engel ihm während der Schlacht ein Kreuz, das dieser als Siegeszeichen deutete. Der Überlieferung zufolge hatte Ulrich vom Papst im Jahr zuvor ein Stückchen vom wahren Kreuz Christi erhalten, das er seitdem als Brustkreuz trug. Das Kreuz wurde mit ihm in der Afrakirche beerdigt, allerdings 200 Jahre später wieder entnommen. Im 14. Jahrhundert erhielt es ein kreuzförmiges, vergoldetes und emailliertes Silbergehäuse, Ende des 15. Jahrhunderts fertigte Nikolaus Seld ein dreimal größeres, sehr kostbares, mit Edelsteinen besetztes Gehäuse. Mit später entstandenem Zubehör konnte das Kreuz schließlich auf- und ausgestellt werden. Heute wird es in der Heiltumskammer von St. Ulrich und Afra aufbewahrt.
Kleine Lebensbegleiter
Schon früh entwickelte sich Ulrichs Grab zum Wallfahrtsort, und der heilige Ulrich zum Adressaten vielfältiger Anliegen. Die Pilger*innen nahmen zum Beispiel etwas »Ulrichserde« oder »Sargholz« mit. Seit der Barockzeit gab es dann kleine Nachbildungen des Ulrichskreuzes als Andenken, die, sofern sie zuvor am Original berührt worden waren, gegen zahlreiche Widrigkeiten wie Unwetter, Überschwemmungen, Krankheiten von Mensch und Vieh, Mäuse- und Rattenplagen oder Kriegsgefahren helfen sollten. Ulrichksreuze wurden an Dachstühle genagelt, als Grabbeigaben verwendet oder als Schmuck getragen.
Selbstverständlich stehen die zahlreichen vielfältig gestalteten Ulrichskreuze aus verschiedenen Epochen im Mittelpunkt der Ausstellung: Da gibt es zarte Silberfiligran-Anhänger, solides Messing oder Silber, aber auch Kreuze aus buntem Plastik. Die kleinen Lebensbegleiter konnten als Rosenkranzanhänger dienen aber ebenso den Bierkrugdeckel oder eine Sonnenuhr zieren. Wer nicht nur in Vitrinen schauen möchte, dem wird genügend Vergnügliches geboten: Nach der Begrüßung durch eine große Ulrichsskulptur können wir einen kleinen Indoor-Wanderweg zum Ulrichsgrab beschreiten, natürlich mit dem Pilgerstab in der Hand. Für Verspielte aller Altersklassen ist ausreichend – auch interaktive – Abwechslung geboten.
Den beiden Kuratorinnen Katja Triebe und Veronika Jung ist – auf der Grundlage der von Friesenegger erstellten Systematik – gelungen, ein Phänomen der Volksfrömmigkeit anschaulich in eine Ausstellung zu transportieren. Das spricht sicher auch speziell Interessierte an, doch vor allem ist die kurzweilige Ausstellung »Das Ulrichskreuz. Ereignis + Erinnerung« mitsamt ihrem umfangreichen Begleitprogramm ein absolut familientaugliches Erlebnis. Zu sehen im Augsburger Diözesanmuseum St. Afra bis zum 28. Januar 2024.
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