Ausstellungen & Kunstprojekte
Politik & Gesellschaft

Ein Ort mit vielen Geschichten

Die Halle 116 wurde als Erinnerungs- und Lernort eröffnet. Die Ausstellung spiegelt auf besondere Weise Augsburger Zeitgeschichte wider.

Durch den schmalen Eingangsbereich tritt man in den ersten Raum der Halle 116. Zunächst »erschlagen« einen die von der Decke hängenden Fahnen mit den Ausstellungstexten – aber es scheint, als wäre diese beengende Wirkung auch Intension. Der Raum beschäftigt sich schließlich mit dem Nationalsozialismus in Augsburg.

Schwaben entwickelte sich während des Krieges zu einem Zentrum der Rüstungsindustrie, in der Tausende Zwangsarbeiter*innen beschäftigt waren – auch in großen Augsburger Unternehmen wie der MAN und der Messerschmitt AG. 1944 wurde die Halle zu einem Außenlager des KZ Dachau.

Der KZ- und Zwangsarbeit widmet sich der zweite Raum. In einem Séparée, das mit weißen Stoffbahnen vom restlichen Raum getrennt ist, sind die Namen der Zwangsarbeiter*innen aufgelistet, die unter katastrophalen Arbeits- und Lebensbedingungen dort festgehalten wurden. Neben den Namen ist bei einigen auch der Todestag aufgeführt. Es sind jene, die das Martyrium nicht überlebt haben. An einer Seite sind Hörstationen zu finden. Sie geben die Geschichten der Opfer wider. Stelen in der Mitte des Raumes zeigen Kopien von Briefen oder auch Ausweisdokumenten. An den Eingängen des Séparées hängen zwei Bilder. Darauf zu sehen: die Augsburger Zivilgesellschaft, die den Geschehnissen ihren Rücken zudreht.

Das Ende des Krieges, die Befreiung und die Besatzungszeit sind schließlich im letzten Teil der Ausstellung zu sehen. Das Thema »Amerikaner in Augsburg« mag für viele Besucher*innen eine Reise in die jüngere Vergangenheit sein. Die Fotoaufnahmen der Checkpoints, des Deutsch-Amerikanischen Freundschaftsfests und schließlich der Verabschiedung Ende der 1990er Jahre sollen den Einfluss der Amerikaner auf die Stadtbevölkerung verdeutlichen.

Die Ausstellung endet mit der Auseinandersetzung mit der modernen Zwangsarbeit. Von Kinderarbeit, Sklaverei bis hin zur Zwangsprostitution erfahren die Besucher*innen mehr über die aktuelle Problematik. Hier ist auch Raum für Reflexion.

Die ersten kostenlosen Führungen fanden bereits statt. Das Interesse der Augsburger*innen an der Halle ist groß, allein an einer Führung nahmen rund 40 Personen teil. Zu loben ist auch die Barrierefreiheit der Ausstellungsfläche als auch der Inhalte.

Der Ort als Ausstellungsstück selbst überzeugt. Die Ausstellung spannt den Bogen von der NS-Zeit bis in die Gegenwart. Ein wichtiger Ort für das Heute. Heute mehr denn je.

Halle 116 – Erinnerungs- und Lernort | Öffnungszeiten: Mittwoch 10 – 15 Uhr, Samstag/Sonntag 11 – 16 Uhr sowie Gruppen nach Vereinbarung | Der Eintritt ist frei | Führungen für Schulklassen und Gruppen ab 10 Personen können unter halle116@augsburg.de angefragt werden | www.halle116.de

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