Stammgäste, Stadtmotive, Seife und Soziales
Die Regio Augsburg Tourismus setzt in Museumsshops auf Regionalität. Ein Gastbeitrag von Martin Kluger
»Wir haben Stammgäste, die kommen ein- oder zweimal jede Woche«, sagt Susanna Friedla, bei der Regio Augsburg Tourismus GmbH zuständig für die Betreuung der Museumscafés und Museumsshops in mehreren Häusern der Kunstsammlungen und Museen Augsburg.
Regio Augsburg Tourismus setzt sehr bewusst auf Lieferanten »um die Ecke«
Kaffee, Tee und weitere Getränke, Kuchen oder andere Happen für den kleinen Hunger zwischendurch zählen dort zum Kerngeschäft. Dabei setzt die Regio Augsburg Tourismus sehr bewusst auf Lieferanten »um die Ecke«. Das gilt zunächst einmal für die im Schaezlerpalais und im Maximilianmuseum betriebenen Cafés. Regionalität steht hier ganz oben auf der Prioritätenliste: Bäcker und Brauer sitzen in der Stadt, den Tee liefert der »Weltladen« in der Altstadt und der Kaffee kommt vom lokalen Händler. Friedla: »Wir versuchen, wirklich alles in der Region zu bestellen.« Das Ziel in den Cafés und Shops im Maximilianmuseum und im Schaezlerpalais sei es, wertig, lokal und auch nachhaltig zu agieren.
Fast zwanzig regionale Unternehmen und Einrichtungen stehen derzeit auf der Liste der Kooperationen mit lokalen Händler*innen und Produzenten, von einer Töpferei bis zur Altstadt-Buchbinderei. Mit Sylvia Bräunlein und Anita Ulrich tauchen derzeit sogar zwei Künstlerinnen auf dieser Liste auf. Dass in einem Museumsshop durchaus auch hochpreisige Produkte verkauft werden können, zeigen die Namen der Goldschmiede auf der Lieferantenliste: Das Atelier Eidel, die Goldschmiede Werner, Fries-Arauner und die Alte Silberschmiede fertigen edle Souvenirs. Bei den Touristen seien – so Friedla – Goldschmiedearbeiten mit Augsburger Themen gefragt.
Deutlich preiswerter als silberne Wassertürme oder goldene Miniaturen der Augsburger Stadtgöttin Cisa sind Produkte, die man in einem Museumsshop vielleicht nicht unbedingt erwarten würde: Seifen und Shampoos, die von einem Betrieb im Ulrichsviertel selbst hergestellt werden. Sehr viel näher liegen dagegen Geschirrtücher, die ebenfalls in den Museumsshops über den Tresen gehen: Die sogenannten Tim-Tücher werden im Staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim) hergestellt. Friedla verweist auf eine »hochwertige« Produktpalette in den von der Regio betreuten Shops: Ausstellungskataloge und Augsburg-Literatur bewerben die Sonderausstellungen der Kunstsammlungen und Museen Augsburg. Diese Bücher sind Werbung für Augsburg, für die die Kundinnen und Kunden bezahlen.
Neben der Regionalität und der Nachhaltigkeit der Sortimentspalette kommt bei der Produktauswahl ein kaum bekannter Aspekt der Sortimentsgestaltung hinzu – die soziale Komponente. So werden die von der Regio Augsburg Tourismus betreuten Museumsshops von der gemeinnützigen MutMacherMenschen Manufaktur mit Sitz in der Lechhauser Blücherstraße mit sogenannten Wildbienenhotels beliefert. Da landet dann schon mal das Augsburger Renaissancerathaus im Miniaturformat in naturnahen Gärten. Zirbelnusskerzen liefern die Schäfflerbach-Werkstätten, eine gemeinnützige Werkstatt für »Menschen mit Unterstützungsbedarf«. Ansonsten gestaltet sich das Sortiment wie in allen Museumsshops: »Postkarten, Magnete und Tassen funktionieren immer gut.« Aber das allein sei nicht der von der Regio verfolgte Anspruch.
Neben dem Shop im Maximilianmuseum betreut die Regio Augsburg Tourismus auch die Museumsshops im Leopold-Mozart-Haus, in der »Römerlager«-Ausstellung in der Toskanischen Säulenhalle des Zeughauses sowie im H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast. Zusätzlich in Cafés bewirtet wird auch in den Museumsshops im Schaezlerpalais und im Fugger und Welser Erlebnismuseum. Wo aber bewirtet wird, sei eines überall gleich: »Der Kaffee ist das wichtigste Produkt im Sortiment«, so Friedla. »Und zu dem kriegen wir ein gutes Feedback.«
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