Perspektiven aufzeigen
75 Jahre Große Schwäbische. Wie der BBK bayerische Kulturgeschichte schrieb. Ein Gastbeitrag von Bernd Hohlen
Der Berufsverband Bildender Künstler Schwaben-Nord und Augsburg (BBK) musste nach 20 Jahren im Abraxas dem Jungen Theater Augsburg weichen. Es herrschte große Aufregung im Verband. »Clusterbildung« hieß schließlich das Zauberwort der Stadt Augsburg, allen voran Jürgen Enninger, Referent für Kultur, Welterbe und Sport. Die mühselige Suche für den BBK neue Räume zu finden, führte direkt in das Augsburger Zentrum für Kunst, Kultur und Wirtschaft, den Glaspalast. Hier bildet der BBK nun mit seinen neuen Ausstellungsräumen, zusammen mit den großen Drei, dem Augsburger H2 – Zentrum für Gegenwartskunst, der Galerie Noah und dem Kunstmuseum Walter einen starken kulturellen Pool, um die »Bildende Kunst« in Augsburg weiterzuentwickeln. Für die Zukunft ist also gesorgt. Doch wie schafft man es überhaupt ein Dreivierteljahrhundert lang in Augsburg eine Kunstausstellung zu zeigen, eine Stadt, in der es Veranstaltungen so schwer haben, sich zu etablieren, wie Trainer in der Fußball-Bundesliga? Ein Blick zurück:
»Man kann das Leben nur rückwärts verstehen, aber leben muss man es vorwärts«, sagte der Philosoph Søren Kierkegaard. Anlass für uns, tief in Augsburger Archive zu schauen, um auch das eigene Wissen darüber zu vergrößern, wer wir sind, was wir wollen, und wohin es gehen wird für den BBK. Die Entstehung eines Berufsverbandes für Bildende Kunst im Jahr 1949, jenes »Wie« und »Warum«, lässt sich mit der Sehnsucht der Menschen nach Harmonie, Gemeinsinn und einer eigenen, künstlerischen Sprache erklären, die nach zwölf Jahren Naziherrschaft, sechs Jahren Krieg und zerbombten Städten sich mit Wucht entfaltete. Um dieses starke Bedürfnis nach eigenem künstlerischem Ausdruck und Gestaltung wiederzubeleben, waren tatkräftige Menschen notwendig, die zwischen Trümmern und Leid mit Zuversicht und Kontinuität agierten. Nachdem das über die Jahrzehnte geschafft war, wird heute gefragt:
Was will die »Große Schwäbische« den Besuchern eigentlich sagen? Wer sich die diesjährige Schau ansieht, wird feststellen, dass die meisten ausgestellten Arbeiten nicht um ihrer selbst willen entstanden. Sie suchen vielmehr Antworten auf die Probleme und Verwerfungen unserer Zeit. Die Sehnsucht aus der Anfangszeit des BBK ist zurück, aber nicht nach Schönheit, sondern nach Lösungen, Struktur und konstruktiver Veränderung. Der Wunsch, das Gemeinwesen zu strukturieren und Angebote zu machen, ist eine politische Handlung. Jeder Künstler für sich. Ob bewusst oder unbewusst. Nicht mit Häme, Defätismus und Hass, wie wir es zunehmend in den sozialen Medien erleben, sondern konstruktiv, visualisiert auf Leinwand, auf Papier, als Skulptur und Video. Ein Angebot zum Nachdenken für alle Betrachter. Mit Kunst Perspektiven aufzeigen.
Dies zu nutzen, dafür gibt es nun die neuen Ausstellungsräume im Glaspalast. Ein erster Schritt ist schon getan. Kaum eingezogen, zeigen wir unsere erste, sehr spezielle Ausstellung, eine Ideen-Sammlung der BBK-Mitglieder »Members Special«. (Mehr dazu auf Seite 19)
Für diesen bedeutenden Schritt bedankt sich der BBK bei allen politischen Entscheidern der Stadt Augsburg für das Vertrauen in die Kooperationsbereitschaft, die Bildende Kunst in Augsburg, zusammen mit dem BBK, an diesem Ort weiterzuentwickeln. Die Mitglieder des BBK bedanken sich auch bei Norbert Kiening, der ganz im Sinne der Pioniere dieses Verbandes, seit 19 Jahren als Vorsitzender, mit Beharrlichkeit und Durchsetzungsvermögen den Verband nach außen vertritt und den BBK zusammen mit den Künstlern an diesen bedeutenden Ort geführt hat. Dem Jungen Theater Augsburg wünschen wir im Abraxas viel Erfolg.
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