Willkommen im Leben
Ein zukunftsweisendes Wohnprojekt ist auf dem früheren Bürgerbräu-Areal gewachsen: Seit Ende 2019 steht hier das St.-Vinzenz-Zentrum beispielhaft für gelebte Nachbarschaft, die heute nicht selbstverständlich ist. Quartiersmanagerin Kerstin Bäuml nahm sich Zeit, um mit a3kultur über strukturierte Nächstenliebe zu sprechen.
Herzlich empfangen fühlt man sich im St.-Vinzenz-Zentrum an der Gögginger Straße. Neben dem Klosterneubau haben außer 62 Wohneinheiten zahlreiche Sozial-, Pflege- und Beratungseinrichtungen, Gemeinschaftspraxen sowie das inklusive Café Cabresso Platz gefunden, umgeben von prachtvollen alten Buchen, deren Blattwerk sich spielerisch im Fassadendekor fortsetzt. Als »liebevoll eingerichtet, aber nicht protzig« empfindet Kerstin Bäuml die großzügigen, wertig ausgestatteten Verwaltungsräume, wo sie jederzeit für Wünsche und Anliegen der Bewohner*innen ansprechbar ist. Regelmäßig tauscht sie sich hier mit den Barmherzigen Schwestern aus, die bis 2017 die Klinik Vincentinum führten und rechtzeitig die St.-Vinzenz-Stiftung ins Leben riefen, um dem Alterungsprozess ihres Ordens Rechnung zu tragen. Seit der Gründung im 17. Jahrhundert durch St. Vinzenz von Paul praktizierten seine Mitglieder stets Nächstenliebe in der Pflege und Fürsorge, heute fehlt es ihnen an Nachwuchs.
Getreu dem Leitsatz »Liebe sei Tat!« basiert auch das Wohnkonzept des St.-Vinzenz-Zentrums von Anfang an auf Inklusion. Bei der von Markus Buhmann und Herbert Kammers geleiteten Planung legte man Wert auf barrierefreies Bauen gemäß gültigen Normen, um auch behinderten Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Durch ein spezielles Bewerbungsverfahren für Interessierte gelang es in kürzester Zeit, einen stimmigen Mix verschiedener Kulturen, Generationen und sozialer Schichten auf dem Gelände anzusiedeln. »Menschen aus Syrien, Indien, Spanien, Afghanistan, der Ukraine leben bei uns«, erzählt Kerstin Bäuml. Seit rund zwei Jahren sei sie als Quartiersmanagerin dabei und habe täglich Freude an ihrer Arbeit – dank der überall spürbaren wertschätzenden Atmosphäre.
Zahlreiche nachbarschaftliche Angebote wirken proaktiv der Vereinzelung und sozialen Verkümmerung entgegen, die man aus anderen Siedlungen zu gut kennt. Unter dem Motto »Leben und Begegnen« gibt das Quartiersmanagement regelmäßig Neuigkeiten in der St.-Vinzenz-Community bekannt und organisiert Freizeitaktivitäten wie Ausflüge, Floh- oder Adventsmärkte, Kulturveranstaltungen sowie Trainingsmöglichkeiten für Jung und Alt. Die Bewohner*innen organisieren sich hierzu meist in eigenen Whatsapp-Gruppen.
Einladend gestaltete Gemeinschaftsräume wie die Sporthalle und eine eigene Gästewohnung tragen ebenso zum Wohlfühlen bei wie die grünen Außenanlagen, um deren Gestaltung sich die Bewohner*innen teils selbstverwaltend kümmern. Per Abstimmung wird etwa entschieden, wie ein neuer Spielplatz aussehen soll. Anschließend geht es Hand in Hand an die Umsetzung, nicht ohne fröhliches Hoffest am Schluss. Im Alltag fangen Nachbar*innen einander auf durch herzlichen Umgang und gegenseitige Unterstützung, es »menschelt« hier spürbar. Mit warmem Blick bewacht auch die Bronzestatue des Ordensgründers Haus und Hof.
Das St.-Vinzenz-Zentrum stelle eine Besonderheit dar in Augsburg, das spreche sich rum, berichtet die Quartiersmanagerin stolz. Seit der Bauphase sei die Warteliste lang und aktuell keine der Wohnungen frei – es gebe wenig Wechsel, auch ein Zeichen für gute Wohnqualität. Ein weiteres Plus bildet die Nähe zur Stadtmitte, mit Straßenbahnhaltestelle vor der Haustür sowie Einkaufsmöglichkeiten, Ärzten und Schulen in unmittelbarer Umgebung. Praktisch auf dem Weg liegen grüne Oasen wie Wertach und Wittelsbacher Park.
In Zukunft will die Gemeinschaft verstärkt zusammenwachsen und die Nachwirkungen der Pandemie überwinden, die den ersten Kontakt unter neu eingezogenen Bewohner*innen erschwerte. Wichtig sei es der St. Vinzenz Stiftung gleichzeitig, mehr Bekanntheit in der Stadt zu erreichen, betont Kerstin Bäuml, deren Aufgabengebiet auch die Außenkommunikation des Wohnprojekts einschließt. Im Verbund mit Sozialeinrichtungen wie dem Caritas-Verband, dem Sozialdienst Katholischer Männer/Frauen, In Via Augsburg und anderen läuft die Spendenaktion »Vinzenz Store«, die Bürger*innen zahlreiche Möglichkeiten bietet, Bedürftigen individuell zu helfen.
Durch Transparenz will die St. Vinzenz Stiftung öffentliches Vertrauen schaffen. Hierzu ist unter anderem eine Social-Media-Kampagne mit authentischen Erfolgsberichten geplant.stin Bäuml und ihr Team keinen Aufwand scheuen, um die Gesellschaft ein Stück menschlicher zu gestalten.
www.st-vinzenz-stiftung.de
www.st-vinzenz-zentrum.de
www.vinzenzstore.de
Quartiersmanagerin Kerstin Bäuml (re.) und die Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul arbeiten eng zusammen. © Bernd Jaufmann
Töchter der christlichen Liebe
Unterstützt von seiner Mitstreiterin Luise von Marillac organisierte Vinzenz von Paul (Frankreich, 1581–1660) Hilfe für Kranke und Bedürftige nach dem christlichen Prinzip der Nächstenliebe. Aus seinem Werk gingen die vorwiegend in Frankreich und Deutschland tätigen »Töchter der christlichen Liebe« sowie eine weltweite vinzentinische Familie hervor, zu der Brüder, Schwestern, Priester und Laien zählen. 1865 erhielten die Barmherzigen Schwestern ein Mutterhaus in Augsburg nahe dem städtischen Hauptkrankenhaus, wo sie später bis 2017 die Klinik Vincentinum betreuten. 2014 bezog der Orden ein neues Zuhause an der Gögginger Straße. Hier verbringen die Schwestern ihren Ruhestand oder wirken aktiv mit in der St.-Vinzenz-Stiftung, deren aktuell größtes Projekt das St.-Vinzenz-Zentrum ist.
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