Ausstellungen & Kunstprojekte

Stainless

Von wegen altes Eisen: Die Ausstellung der Jahrgänge 1951 bis 1955 der Künstlervereinigung »Die Ecke« strahlt in vornehmem Glanz.

»stainless« – rostfrei. Das ist das Versprechen, das die Geburtsjahrgänge 1951 bis 1955 der Künstlervereiningung Die Ecke e.V. in ihrem Ausstellungsmotto machen. Ein Rundgang wird zeigen, ob sie es halten können. 

Die 13 Künstler*innen dieser Jahrgänge haben Ausschnitte aus ihrem, vorwiegend jüngeren Schaffen eingereicht, und die Ecke-Kolleg*innen Jana Schwindel und Günther Baumann (der selbst mit eigenen Werken verteten ist) haben daraus eine duchaus harmonische, aufgeräumte Ausstellung zusammengestellt. Ausjuriert werden musste dabei nichts, wie Maximiliane Umlauf von der Ecke-Galerie betont. Die Werke spannen auf wundersame Weise einen stringenten Bogen vom Gegenständlichen – hier oft Natur und Mensch bzw. menschenähnliche Wesen, ins Abstrakte oder von der Fläche ins Plastische oder Mediale – vielleicht nur ein gutes Händchen bei der Hängung, vielleicht auch ein Ergebnis der langjährigen Koexistenz in der seit nunmehr seit bald 117 Jahren bestehenden Künstler*innenvereinigung. 

Ob Johanna Schreiners florale Zuneigungsbekundungen (Serie »Liebesbrief«, 2023) aus milchig-wächsernem Nebel auftauchen, der sich in Günther Baumanns rätselhaften Bildinhalten fortsetzt, ob Christine Reiters Transferlithografien mit Architektur und urbanem Baumbestand das Bindeglied zwischen dem akkurat gefertigten, aber doch flott gesprenkelten Flechtwerk von Jeanette Scheidle und den monumentalen Bergimpressionen von Erika Berckheimer bilden oder ob Monika Schultes, Gernot Hausner und Brigitte Kronschnabl ein »Dreieck der Lust« aus Farben, Posen, Erotik und Natur bilden, in das sich am Rande noch Christina Zimmermanns »PaprikaAnatomie« einschaltet – die Ausstellung wirkt weit weniger additiv als andere Gruppenausstellungen. 

Das technische Niveau, auch der weiteren Ausstellenden Petrus, Martin Beckers, Stefan Wehmeier und Gernot Thamm, ist durchgehend hoch. Den Kostproben aus den dreizehn Oeuvres merkt man die Lebens- und vor allem die handwerkliche Erfahrung ihrer Schöpfer*innen an. Die wilde Avantgarde darf man hier allerdings nicht erwarten. Allenfalls in den Skulpturen von Petrus blitzt etwas Spitzbübisches auf, und in Monika Schultes‘ 7-minütiger Videoarbeit »diario 02« wird noch manch ungestüme Skizze aus jüngerer Zeit aufgeblättert. Fazit: Manche Klinge mag über die Jahre an Schärfe eingebüßt haben, dafür glänzen sie alle sehr elegant.

»stainless Vol. 2« ist noch bis 24. Januar in der Ecke Galerie am Elias-Holl-PLatz zu sehen. Der Eintritt ist frei. 

https://die-ecke.de

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