Richtige Antwort!
Zwei Dinge zerlegte das junge Schauspielensemble »Theter« zum Brechtfestival: Den City Club und Brechts kurze Schüleroper »Der Jasager – Der Neinsager«. Die Uraufführung des Überforderungsstücks »Berti Brecht and the Multiverse of Alienation« fiel auf den Schalttag, 29. Februar.
Mindestens so kompliziert wie der Titel der neuen Theter-Produktion (Buch und Regie: Leif Eric Young) gestalten sich die konstanten Spaltungssituationen und ausweglosen Verstrickungen in dem groß besetzten, vielfach fordernden Sci-Fi Märchen.
Denn von gefährlicher Wanderung ins Tal gestoßen, findet sich der Protagonist in ständigem Konflikt zwischen Individuum und Gemeinschaft keineswegs zurecht. Hier schützen weder Schirm noch Zeitkapsel, denn jede Sekunde reißen ihn seine Weggefährt*innen – die Schlange vom Anwesen der dreifaltigen Nacht, Dr. Zynn, das Lamm der gescheiterten Revolte und etliche weitere surreale Gestalten – aufs Neue in den Strudel hart polarisierender Parallelwelten, der immer wieder zu moralphilosophischen Monologen Anlass gibt.
Brecht, bocklangweilig und trocken? Mit diesem Stereotyp räumen drei finstere, als Japan-Popperinnen über die Bühne tobende Schicksalsfeen radikal auf, desgleichen die singende KI mit meergrüner Wallemähne, bei Schlagersause und launiger Quizshow-Moderation. Hier ist jede Antwort richtig, doch was, wenn sich zu viele falsch entscheiden?
Ein Lehrstück, das Belehrungen hinterfragt
Die Wahrheit durchdringt den ganzen Raum, so viel steht bald fest. Holzköpfe stimmen schweigend zu, wenn sich die Schlange in den Schwanz beißt. Doch Recht behält die gelbe Badeente im Kampf gegen zu viel Dummheit, und auf dem Kopf steht ohnehin alles. Leicht geraten unverrückbare Moralschranken zur Todesfalle.
Denn wer A sagt, muss nicht immer B sagen – lernt man gegen Schluss des etwa zweistündigen, atemlosen Lehrstücks, das Belehrungen hinterfragt und dazu aufruft, dem Leben eine Chance zu geben.
»Berti Brecht and the Multiverse of Alienation« ist in mehreren weiteren Aufführungen zu erleben (2., 3., 5., 6., 14., 15., 19., letztmals am Mittwoch, 20. März, jeweils um 20:30 Uhr im City Club). Das Stück entstand als Koproduktion mit dem Brechtfestival, gefördert vom Bezirk Schwaben, der Arno Buchegger Stiftung und der Dr. Eugen Liedl Stiftung.
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