Tanz die Brechtnacht
Der Geist der 1980er-Jahre scheint allgegenwärtig auf dieser Party. Allem voran der Festivalslogan »No Future«.
Und natürlich dick unterstrichen durch den Lockvogel Diedrich Diederichsen. Die Ikone der Popkultur jener Zeiten. Gewohnt sprachgewaltig antwortete der Analytiker auf die Fragen des Kurators Julian Warner zum Thema »Lob der Negativität«. Und Diederichsen punktete mit Sätzen wie diesen: »Eine konkrete Negation ist immer positiv«. Aber auch die oft zu wenig differenziert betrachteten Begriffe wie Hass, Wut, Protest, Kritik und schlechte Laune kamen ins Spiel. Damit war dann aber auch genug geredet worden und die Musik durfte die zwei Etagen des ehemaligen Möbelhauses gegenüber dem Plärrer-Gelände einnehmen und zum Kraftklub werden mit abschließender Tanzparty bis in die frühen Morgenstunden.
Lokal, national und international gekonnt gemischt
Die musikalische Auswahl hätte nicht breiter gefächert sein können. Von griechischen Gesängen (Isokratisses) über kühle Elektrodisco (What People Are For) und der absoluten Soundexplosion von Nout, die das Obergeschoss zum Beben brachten. Und auch Kalte Hand, Güner Künier und Das Format gaben alles und begeisterten das Publikum.
Der Star des Abends war natürlich Mulatu Astatke aus Äthiopien. Mit dem ersten Ton sprang der Funke auf das Publikum über. Solch eine Legende in Augsburg zu hören, darf ohne Zweifel als Sensation gesehen werden. Großes Lob an das Booking-Team. Am Sound des Vibrafons hätte man jedoch besser arbeiten können.
Die »Marke Brecht« funktioniert
Ob und wie die einzelnen Programmpunkte in direktem Zusammenhang zu Brecht stehen, kann kontrovers diskutiert werden. Doch eines ist sicher: Die »Marke Brecht« funktioniert in Augsburg und bringt Menschen aller Altersgruppen zusammen. Zudem öffnet das Festival Türen zu außergewöhnlichen Spielstätten, die auch nach dem Brecht-Spektakel genutzt werden sollten.