Ausstellungen & Kunstprojekte

Schöner Wohnen im Kleinformat

Wohntrends Oberschönenfeld

Fünf Jahrzehnte Wohnkultur sind zurzeit im Museum Oberschönenfeld zu entdecken – allerdings im Mini-Format, geschaffen von Bodo Hennig.

Der aus dem Erzgebirge stammende gelernte Drechsler und Spielzeugmacher Bodo Hennig gründete 1950 seinen Betrieb im Allgäu und fertigte dort mit einem wachsenden Mitarbeiter*innenstamm von ihm entworfene Puppenmöbel und Puppenhäuser. Nachdem erste Versuche mit an Bauernstuben erinnernden, blumenverzierten Naturholzmöbeln durchfielen, schwenkte Hennig um und orientierte sich am jeweiligen Zeitgeist: Nierentisch oder skandinavisches Holzmöbel, pastellfarbene Einbauküche, orangefarbene Badewanne oder Panton-Chair – von der Postmoderne bis hin zum Landhaus-Look finden sich die jeweils aktuellen Strömungen des Möbeldesigns von 1950 bis 2000 in den Puppenstuben wieder.

Abgesehen von Einbauküche und Bad setzten sich viele Gestaltungsideen und heutige Designklassiker bestenfalls in abgeschwächter Form durch. Vor allem »die gute Form« der 1950er-Jahre mit ihrer kargen Schlichtheit fand lediglich bei einem gut situierten eher intellektuellen Publikum den Weg in die Wohnung. Für viele von Mangelerfahrung der Nachkriegszeit geprägte Menschen mutete eine schlichte, leichtfüßige Gestaltung ihres Wohnumfelds ärmlich an. Sie fühlten sich im konservativ-repräsentativen »Gelsenkirchener Barock« wohler.

Im Kleinformat des Puppenhauses jedoch war die Risikobereitschaft offensichtlich ausgeprägter, denn mit seinen zeitgemäßen Puppenmöbeln und -häusern war Bodo Hennig viele Jahre höchst erfolgreich. Hennigs Puppenhäuser und Mobiliar waren natürlich in erster Linie Spielzeug für größere und kleinere Kinder. Doch fertigte der Hersteller auch voll eingerichtete Puppenhäuser, die für Erwachsene gedacht waren. So erweist sich das Wohnen im Kleinformat auch als Instrument zur Erfüllung eines vagen Traumes, der im realen Leben nicht gelebt werden konnte oder wollte.

Nostalgie und Wunschträume en miniature

In fünf Boxen – für jedes Jahrzehnt eine –, die die Kulissenhaftigkeit eines Puppenhauses aufgreifen, werden um eine Installation mit »richtigen« Möbeln die Mini-Möbel in kleinen Vitrinen inszeniert und so das jeweils Zeittypische auf den Punkt gebracht. Zudem wird – in einem separaten Raum – die Firmengeschichte von Hennigs moderne Puppenmöbel GmbH ausführlich geschildert.

Diese Zeitreise zum Möbeldesign en miniature weckt sicher bei vielen Erinnerungen, sei es, weil sie selbst ein Puppenhaus besessen haben, weil sie sich an die eigene Wohnsituation oder die von Oma und Opa erinnern, oder auch an vergangene Wohnwunschträume. Doch auch wer sich eher für Designgeschichte interessiert, kommt hier unbedingt auf seine Kosten. Diese gelungene Mischung aus Nostalgie, Inszenierung, historischer Einordnung und Erkenntnisgewinn macht den Besuch der Ausstellung zu einem höchst erfreulichen Erlebnis.

»Wohntrends in Miniatur – Moderne Puppenmöbel von Bodo Hennig, 1950–2000« ist bis zum 13. Oktober im Museum Oberschönenfeld zu sehen. Ein Katalog und ein umfangreiches Begleitprogramm mit Führungen und Workshops ergänzen die Ausstellung.

www.mos.bezirk-schwaben.de

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