[Frauen lachen]
Die zeitgenössische Kunst in der Stadt wird jünger – und weiblicher.
Zwei neue Ausstellungen zeitgenössischer Kunst bringen derzeit frischen Wind in die Augsburger Kunstlandschaft:
»Beauty on the Edge« in der Neuen Galerie im Höhmannhaus markiert einen der letzten Punkte im Schaffen des scheidenden Kurators Dr. Thomas Elsen für die Kunstsammlungen und Museen Augsburg. Dieser sorgte im Laufe seiner 18-jährigen Karriere für eine verstärkte Präsenz weiblicher Künstler*innen in den Kunsthallen der Stadt.
Die aktuelle Ausstellung (siehe Bildgalerie) ist eine Kooperation von vier Künstlerinnen zum Thema Schönheit und Vergänglichkeit. Stefanie Sixts Videos zeigen den (eigenen) weiblichen Körper als bröckelnde Hülle in fahlen Farben oder als bunte Fetzen ohne Zusammenhalt. Oder ist hier eine Metamorphose im Gange?
Die Malerin Kerstin Skringer will das Schöne, den Erfahrungsschatz, den man in sich trägt, abbilden, in Momenten und Stimmungen, die nach und nach verblassen und einem zart-bunten Grundrauschen weichen. In eine ähnliche Kerbe schlägt Martina Claussen, wenn sie die flüchtige Schönheit des Klangs von Gegenständen und Menschen in einer Audioinstallation sammelt. Lydia Daher thematisiert, trotzig und bewusst trashig, als alleinerziehende Mutter den Verlust der Spielräume für das eigene Schaffen. Das einst stolze, schöne Selbst, nur noch eine vorbeihuschende Existenz im Pyjama – nicht nur ein Künstlerinnen- sondern sicher ein häufiges Frauenschicksal.
Mut und Wut
Richtig körperlich geht es dann im Holbeinhaus zu: Der Kunstverein Augsburg lud zur Werkschau internationaler Künstler*innen, die auch selbst die Kuration übernahmen. Diese halten mit ihrer feministischen Attitude nicht hinterm Berg, und schicken zwar voraus: »Der Feminismus schließt keinen aus.« Dennoch: Die Sujets sind überwiegend klassische Frauenthemen: der weibliche Körper, Eizelle, Schwanger- und Mutterschaft, manchmal grotesk überzeichnet mit mammalem Sixpack (Milena Wojhan:»Lupa«), manchmal anrührend in weichem Filz von Pierre-Yves Delannoy (Foto oben) oder märchenhaft surreal in den Gemälden von Zama Cebsile Mwandla (siehe Bildgalerie).
Mit Mut und Wut wird das Frausein präsentiert, z.B. von Sandra Bejarano in der Performance »Conquer the Moon« das eigene Körperinnere dem Publikum per Ultraschall. Dazu werden Parallelen zu den Männerdomänen Militär (am Beispiel Radartechnik) und Raumfahrt (mittels Footage-Material von der Mondlandung 1969) gezogen. Völlig enthemmte, aufgetakelte Weibsbilder kugeln derweil im Obergeschoss auf vier Leinwänden lebenslustig bis ordinär durcheinander (Rosanna Graf: »Ordinary Women«, Videoarbeit) und verhöhnen die Männerwelt als eitle Mama-Boys.
Keine Soiree der leisen Untertöne, es scheppert schon ordentlich. Künstlerisch ist man teilweise noch nicht ganz bei den Profis in der »oberen Stadt« angekommen, aber das stört nicht. Es rührt sich was, und man will etwas ausdrücken, das ist entscheidend.
Auffallend bei dieser wie auch schon bei vorangegangenen Ausstellungen des Kunstvereins: der Zulauf von deutlich jüngerem Publikum. Auch hat sich die Sichtbarkeit des Kunstorts durch die Öffnung gegenüber neuen Altersgruppen und Szenen deutlich erhöht. Man kennt die Ausstellungen inzwischen auch schon in München und Stuttgart, freut sich Kunstvereins-Vorstand Christian Thöner. Die Tür ist aber auch offen für alle Zielgruppen in der eigenen Stadt, hier wie in der Maxstraße.
»Beauty on the Edge« in der Neuen Galerie im Höhmannhaus ist noch bis 2. Juni, »Failing System – The End of Patriarchy?« im Holbeinhaus noch bis 8. Juni zu sehen. Der Eintritt zu beiden Ausstellungen ist frei.
kunstsammlungen-museen.augsburg.de
Failing System
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