Politik & Gesellschaft

Lebenswert, liebenswert, smart!

Horst Thieme
a3kultur-Redaktion

Horst Thieme leitet die Smart-City-Geschäftsstelle im Wirtschaftsreferat der Stadt Augsburg. Mit seinem kleinen, höchst engagierten Team unterstützt er die digitale Transformation im öffentlichen Raum. Durch behutsame Schritte schafft er entscheidende Veränderungen – für mehr Nachhaltigkeit und Lebensqualität. KI-Kompetenzen – Teil 4

Das Frühjahr ist sein Weihnachtsgeschäft: Smart-City-Manager Horst Thieme hat kürzlich mit seinem Team das Rocketeer Festival und die Future Week parallel bespielt, jetzt vor Pfingsten laufen die Vorbereitungen zur Sparkscon, Deutschlands größter Digital-Experience-Konferenz, im Juni beim Gaswerk. Als Kooperationspartner treibt die Stadt Augsburg solche Formate für die digitale Transformation und Innovation voran. Alles findet neben den Großprojekten und Terminen zur Umsetzung der lokalen Smart-City-Strategie statt, die erste Erfolge zeigen. So arbeitet sich die Stadt Augsburg im Digitalranking der deutschen Großstädte seit Jahren nach vorn und ist inzwischen auf Platz 29 gelandet, in der Kategorie für digitale Stadtverwaltung sogar auf Platz 7.

Der Wissensaustausch mit anderen Städten zahlt sich dabei aus, ebenso die enge Vernetzung zur Hochschule und Universität einschließlich deren Forschungsabteilungen. Es geht voran in Augsburg: So soll dieses Jahr noch eine digitale Bürgerbeteiligungsplattform für flexible allgemeine Teilhabe starten – zusätzlich zu den Präsenzangeboten. Bereits im letzten Jahr wurde ein Open-Data-Portal zur öffentlichen Nutzung von Umwelt-, Verkehrs- und vielen weiteren Messwerten der Stadt realisiert und an eine neue Geschäftsstelle zur Betreuung übergeben.

Als künftiges Herzstück der Smart City soll die urbane Datenplattform (UDP) bestehende Systeme wie Parkleitsysteme, öffentliche Verkehrsmitteldaten, Fahrradzähler und Umweltdaten miteinander verknüpfen. Diese Daten sind aktuell siloartig in den verschiedenen Dienststellen verstreut und können gemeinsam als Basis für zügige, qualifizierte Entscheidungen in Stadtverwaltung und -regierung genutzt werden. Im Alltag dürften Bürger*innen spürbar profitieren, etwa durch einen flüssigeren Stadtverkehr. Dashboards, mobile Apps und weitere Tools verbessern hier die Planung. Lernfähige Software kann Prognosen treffen, um Fahrzeug- oder Besucherströme in Echtzeit zu optimieren. Damit dient sie der sogenannten multimodalen digitalen Verkehrssteuerung. Bei städtischen Dienstleistungen können KI-gestützte Systeme, wie aktuell z.B. der Chatbot auf augsburg.de, Anfragen automatisieren, was neben kurzen Wartezeiten reibungslose Abläufe garantiert und die Bürgerzufriedenheit erhöht. Aktuell nutzt das Smart-City-Team den Stadtmarkt als Experimentierfeld – unter anderem mit anonymisierten Bewegungsdaten.

In anderen Bereichen des öffentlichen Lebens sind digitale Lösungen kaum sichtbar, doch äußerst wirksam. So schützen Sensoren bereits UNESCO-Denkmäler und optimieren durch eine intelligente Baumbewässerung nicht nur die Pflege des städtischen Grüns, sondern sorgen auch für eine effizientere Nutzung von Ressourcen, indem sie z.B. den genauen Wasserbedarf der Bäume ermitteln. »Wir kombinieren ökologische Nachhaltigkeit mit einem schöneren Stadtbild und angenehmeren Lebensumfeld für alle«, so Horst Thieme voll Zuversicht. Ganz klar betrachtet er Digitalisierung und Automatisierung als Werkzeuge für mehr persönliche Interaktion bei höherer Lebensqualität in Augsburg.

Das Smart-City-Team arbeitet eng mit dem Digitalrat der Stadt zusammen, einem Beirat, der den Stadtrat, aber auch die Verwaltung in Digitalisierungsfragen berät. Dessen Agenda, genannt »Bürger Experience«, wurde erst vor Kurzem im Stadtrat vorgestellt und gibt nicht nur Impulse für die urbane Digitalisierung, sondern unterstreicht auch die Bedürfnisse der Bürger*innen. Über die Umsetzbarkeit des Positionspapiers entscheidet die Stadtregierung in nächster Zeit.

Das zentrale Ziel der Geschäftsstelle Smart City bleibt eine lebens- und liebenswertere Stadt. Thiemes Vision für Augsburg im Jahr 2050 ist keine gläserne Dystopie wie in China, sondern vielmehr eine zum Bestmöglichen transformierte Kommune – sowohl dank mehr Bürgerbeteiligung als auch digitaler Vernetzung und KI-Technologien.
 

www.augsburg.de/smart-city
www.augsburg.de/buergerservice-rathaus/open-data
www.augsburg.de/digitalrat

 

Horst Thieme ist seit 2021 Smart City Manager in Augsburg. Davor bekleidete er nationale und internationale Managementpositionen bei Red Hat, NetApp, IBM und Sun Microsystems. Er ist im Beirat des Funkenwerks (Gründernetzwerk der THA) sowie Vorstand der Freunde der Stadtbücherei Augsburg, wo er Lese-Inseln in Grundschulen initiiert und fördert. Darüber hinaus moderiert er Kunst- und Literaturveranstaltungen, wie den seit 25 Jahren bestehendem Poetry Slam Augsburg. © a3kultur/mav

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