Unser Mann in München
Jürgen Enninger wird als neuer Kulturreferent in München ins Spiel gebracht. Ein Kommentar von Jürgen Kannler
Im Lokalteil der Süddeutschen Zeitung vom 7. Juli wird der Augsburger Referent für Kultur, Sport und Welterbe als einer von acht potenziellen Kandidat*innen für die Leitung des Münchner Kulturreferats ins Spiel gebracht.
Bisher hat nur einer der im Beitrag von der SZ genannten Expert*innen sein Interesse an diesem Amt dementiert. Es war nicht Jürgen Enninger.
Die antizyklische Neubesetzung in der Nachbarstadt steht im Sommer kommenden Jahres an. Sein Mandat als Chef des KSW Referat in Augsburg läuft eigentlich noch bis zum Mai 2026. Sollte Enninger nach München wechseln, bliebe sein Amt wohl bis zur Kommunalwahl in Augsburg 2026 vakant
Enninger lebt mit seiner Familie in München. Während der Arbeitswoche meist in Augsburg. Wie stark zieht es ihn wohl beruflich wieder zurück an die Isar? Wie groß ist für ihn der Reiz, zukünftig wieder in der Landeshauptstadt an entscheidender Stelle zu wirken?
Fragen, zu denen sich Jürgen Enninger gegenwärtig noch bedeckt hält.
In München treffen sich die Entscheider*innen bei der Kultur. In Augsburg eher nur dort, wo das Freibier fließt.
Ein Wechsel an die Spitze des Münchner Kulturreferats würde für den Grünen-Politiker einen enormen Karrieresprung bedeuten. Anders als in Augsburg, steht das Amt dort hoch im Ansehen, und die Inhaber konnten zuletzt immer auf eine stabile politische Hausmacht zählen. Die Münchner Politik und Wirtschaft hat die Bedeutung von starken kulturellen Szenen und von Kulturorten mit Strahlkraft erkannt und handelt danach. Unterstützt und angefacht wird dies von einer positionsfreudigen wie engagierten, zuweilen auch von Eitelkeiten geleiteten Bürger*innenschaft. Trotzdem, in München treffen sich die Entscheider*innen bei der Kultur. In Augsburg dort, wo das Freibier fließt.
In der Folge stemmt die Landeshauptstadt Projekte, die in Augsburg zur bitteren Lachnummer verkommen. So eröffneten die Nachbar*innen 2021 ihr neues Volkstheater. Das Haus mit drei Bühnen und insgesamt 900 Plätzen im Schlachthofviertel der Isarmetropole, wurde etat- und termingerecht für rund 131 Millionen Euro von einem Generalunternehmer, in guter Zusammenarbeit mit Intendanz und Kulturpolitik, an den Start gebracht. Das in Augsburg stattfindende und Unsummen verschlingende Theaterbau-Gemurkse am Kennedyplatz budgetiert gegenwärtig bei 400 Millionen Euro. Für den Preis hätten sich die Augsburger*innen drei Volkstheater leisen können.
Ein Skandal, der auch Jürgen Enninger als einen der politisch Verantwortlichen für das Chaos nicht unbeschadet lässt. Zumal das Bauchaos und seine Kostenexplosion zahlreiche Projekte, für die der Kulturpolitiker mit Überzeugung eintritt, seit Jahren auf Endlosschleife setzt und seinen Rückhalt in den kulturellen Szenen beschädigt.
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