Bilder auf dem Altenteil
Der Kölner Philipp Goldbach rettet zur Vernichtung bestimmte Kunst-Diatheken und nutzt sie als Material für seine eigene Kunst
Weit mehr als eine halbe Million physische Bilder hat Philipp Goldbach für seine neuesten Installationen auf den 2000 m² Ausstellungsfläche im H2 aus Deutschland (ehem. Ost und West) und den USA zusammengetragen.
Goldbach ist in Augsburg kein Unbekannter: Bereits im vergangenen Jahr war er einer der Ausstellenden in der Gemeinschaftausstellung »Painting Photography« im H2. Nun kehrt er auf Einladung der Kunstsammlungen und Museen Augsburg mit einer Einzelausstellung zurück.
Der 1978 geborene Kölner studierte an der dortigen Hochschule für Medien und hat vor etwa zehn Jahren damit begonnen, ganze Diatheken mit fotografischen Reproduktionen von Kunstwerken aus Universitäten zu recyceln – klassische 35-mm-Dias, die durch die Digitalisierung als Lehrmittel überflüssig wurden und weltweit vor der Entsorgung stehen.
Dieser Medienwechsel macht die einst so sorgfältig katalogisierten und aufbewahrten Bildträger arbeits- und wertlos. Goldbach veranschaulicht dies sehr beeindruckend in einem Meer aus Hundertausenden von chaotisch am Bildern verstreuten Dias aus dem Institute of Fine Arts in New York. Anderen Diatheken gibt er neuen Sinn, indem er sie sauber gestapelt an den Wänden installiert, sodass die Rücken der Rahmen ein abstraktes Kunstwerk nach eigenem Farbplan des Künstlers ergeben. So erhält jede Sammlung, ob aus staatlichem oder privatem Nachlass, ihren eigenen Charakter und ihre zweite Bestimmung als Kunstwerk, von denen es eines auch schon ins Pariser Centre Pompidou geschafft hat.
»Training Images« ist noch bis 12. Januar 2025 im H2 – Zentrum für Gegenwartskunst zu sehen.
www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de
Das könnte Sie auch interessieren
Malerische Landschaften
Formen die Leuchten
Michael Kiessling, Galerist des Kunstraums am Pfarrhof Leitershofen, erzählt gerne, wie er Sandra Tröger im Münchner Ausstellungsraum »Sandkasten« kennengelernt hat – und wie schnell aus diesem ersten Kontakt die Idee für eine gemeinsame Ausstellung entstand. Noch im selben Jahr wurde daraus Wirklichkeit: »Form Farbe Raum« zeigt eine äußerst sehenswerte Auswahl von Trögers Werk in den Räumen von Leitershofen.