Demokratie diskutieren
Zur Friedensfest-Halbzeit wird klar, dass sich über das Jahresthema »#Demokratie«, in Augsburg trefflich diskutieren und auch fein streiten lässt. Von Jürgen Kannler
Im Publikum sind alle Generationen vertreten: Es setzt sich im Wesentlichen aus engagierten Bürger*innen zusammen, die oftmals schon über Jahre, im fein gewebten Netzwerk des Friedensfestbüros ihren Platz gefunden haben. Diese Klientel verbindet Menschen unterschiedlichster Klassen und Milieus mit einer Selbstverständlichkeit, wie sie sich ansonsten in unserer Region wohl nur in Eisdielen, Tankstellen und auf dem Plärrer erleben lässt. Das ist schon etwas Besonderes.
So gesehen und gehört, bisher beim Eröffnungsabend im Abraxas (siehe Beitrag vom 24. Juli) und bei den Augsburger Gesprächen zu Literatur, Theater und Engagement im Sensemble Theater. Das langatmigste an dieser Reihe ist in der Tat der unsäglich voluminöse Titel.
Bei der zweitägigen Klausur, deren Finale vom Bayerischen Rundfunk zwei Stunden lang live übertragen wurde, setzten sich Autor*innen und ein Musiker mit den Fragen »Was haben Literatur und Theater mit Engagement zu tun?« und »Was können sie zum Erhalt unserer Demokratie beitragen?« auseinander.
Mit dabei waren sind Raphaela Bardutzky, Shida Bazyar, Thomas Brussig, Franz Dobler, Joshua Groß, Michael Jordan, Burhan Qurbani, Daniel Kahn und Barbara Yelin.
Niels Beintker vom BR moderierte den kurzweiligen Abend und die vorangegangenen Diskussionsrunden. An diesen waren auch Studierende der Uni Augsburg beteiligt, die leider im Finale nicht zu Wort kamen. Die großartige Katja Schild lass aus Texten der Autor*innen. Musikalische Akzente wurden von Daniel Kahn mit Gesang in mindestens drei Sprachen gesetzt. Kahn begleitete sich dabei virtuos auf Akkordeon, Gitarre und Klavier.
Die Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement werden kuratiert und durchgeführt von Prof. Stephanie Waldow (Lehrstuhl Ethik der Textkulturen Uni Augsburg), Anne Schuester und Sebastian Seidel (Sensemble Theater) sowie dem Friedensbüro der Stadt Augsburg.
Mit Rike Reinigers Theaterstück »Zigeuner-Boxer« steht am Freitag, den 2. August ab 19:30 Uhr ein weiterer spannender Programmpunkt mit anschließender Diskussion auf dem Programm.
Zum Inhalt: Hans kann nicht vergessen wie er Ruki kennenlernte und sie Freunde wurden. Ruki bewegte sich im Ring leichtfüßig tänzelnd und schneller als alle anderen. Jedoch will Hans die Erinnerung an den Sommer, in dem die Nationalsozialisten dem »Zigeuner-Boxer« den Meistertitel nahmen, weil er »undeutsch« gekämpft hatte loswerden – und erst recht will er die Bilder vom Wiedertreffen mit Ruki im Arbeitslager vergessen.
Dort müssen die Freunde zur Belustigung der Wachleute gegeneinander kämpfen. Als Ruki einen SS-Mann niederschlägt, wird Hans gezwungen, seinen Freund eigenhändig zu erschießen. Die Erinnerung an die schreckliche Tat lässt Hans nicht los …
(Im Abraxas-Theater; der Eintritt ist frei, Spenden erwünscht; Platzreservierung erforderlich unter veranstaltungen.d3@augsburg.de )
www.friedensstadt-augsburg.de