Die Augsburger Kegelbahnkonzerte gehen in die 12. Staffel. Mit dabei sind Lillian Hampson, Josy, Marcoca, Janikeliah und Picky Eater.
Film ist, was war
Der Einfluss des Films auf die Psyche des Individuums sowie auf kollektive Prozesse ist unumstritten. Mit der Erfindung der bewegten Bilder ging eine grundlegende Veränderung der Wahrnehmung von Geschichte und Zeit einher. »Projektor« – unsere Kinokolumne im Oktober
Der Einfluss des Films auf die Psyche des Individuums sowie auf kollektive Prozesse ist unumstritten. Mit der Erfindung der bewegten Bilder ging eine grundlegende Veränderung der Wahrnehmung von Geschichte und Zeit einher.
Die Literatur- und Medienwissenschaftlerin Dr. phil. Irina Gradinari diskutiert in ihrer 2020 erschienenen Studie »Kinematografie der Erinnerung – Filme als kollektives Gedächtnis verstehen« vor dem Hintergrund verschiedener Konzepte, was das kollektive Gedächtnis eigentlich ist. »Und das ist« – so die zentrale These dieser Arbeit – »der Spielfilm selbst, dem es aufgrund seiner medienspezifischen Eigenschaften gelingt, in einer kurzen Zeit anschaulich und sinnhaft zu erzählen. Dadurch entsteht das komprimierte, kollektiv geteilte und gleich geformte Wissen über die Vergangenheit, das zugleich durch filmische Einfühlungs- und Identifikationsstrukturen zum Bestandteil aktueller Identitätsdiskurse wird«, so die Forscherin. Nun bin ich kleiner Schreiberling der Meinung, dass sich dies auch auf das Genre des Dokumentarfilms übertragen lässt, und möchte Ihnen ein paar mehr oder weniger regionale Beispiele zum Thema »Erinnerung« näherbringen.
Miriam Friedmann kommt im Jahr 2001 nach Augsburg. Sie ist in den USA geboren und aufgewachsen. Ihre Großeltern waren in Augsburg angesehene Geschäftsleute. Zur Zeit des Nationalsozialismus wird ihnen alles genommen, ihre Immobilien und Firmen werden zwangsverkauft. Einen Tag vor ihrer Deportation nehmen sich die Großeltern Friedmann gemeinsam mit Freunden in Augsburg das Leben. Die Großeltern Oberdorfer werden in Auschwitz ermordet. Miriams Eltern, Elisabeth und Fritz Friedmann, können rechtzeitig über Italien und England in die USA fliehen. Ihr Vater berichtet in einem Interview, dass sie den Kindern nichts von ihrer Geschichte und der Geschichte der Großeltern erzählt haben, um sie zu schonen. Nach 21 Jahren kehren ihre Eltern wieder nach Deutschland zurück und wohnen bis 2008 in Friedberg bei Augsburg. Als Kinder entdecken Miriam und ihr Bruder durch Zufall Unterlagen im Arbeitszimmer des Vaters und erfahren so vom Schicksal der Familie.
»Die Stille schreit« (2019) des Augsburger Filmemachers Josef Pröll unter Mitarbeit von Miriam Friedmann ist ein lebendiger, spannender und mit vielen Originaldokumenten und Bildern illustrierter Dokumentarfilm. Vor allem Aufnahmen der Originalschauplätze in Augsburg und Umgebung vermitteln eine unangenehme Nähe zu den Raubzügen der »Arisierung«. Ein Film, der mir nach der ersten Sichtung 2021 definitiv im Gedächtnis geblieben ist.
Prölls Film »Anna, ich hab Angst um dich« (2017) arbeitet die Lebensgeschichte seiner Mutter auf, die mit 17 Jahren als Widerständlerin im Nationalsozialismus in Augsburg verhaftet wurde und über das Untersuchungsgefängnis Katzenstadel und das Gefängnis Aichach in das Konzentrationslager Moringen kam.
Die Filme sind über diestilleschreit.de beziehungsweise anna-film.de als DVD erhältlich.
In »Keine Eier im Winter – Augsburg vor und nach dem Krieg« (2023) von Martin Pfeil erzählt dessen Nachbarin Berta Zanker, geboren 1923 in Augsburg und ehemalige stellvertretende Leiterin der Städtischen Berufsfachschule für Hauswirtschaft in Augsburg, in teils lustigen, teils traurigen Anekdoten von der damaligen Zeit. Pfeil untermalt diese Berichte mit spannendem historischen Foto- und Filmmaterial. Der Film ist über die Streamingplattform Vimeo verfügbar.
Um »Erinnerung« in anderem Sinne geht es in Michael Francos »Memory« (Start: Donnerstag, 3. Oktober, Kinodreieck). Die alleinerziehende Mutter Sylvia (Jessica Chastain) arbeitet als Sozialarbeiterin. Neben ihrer Tochter und ihrem Job dreht sich ihr Leben um die Anonymen-Alkoholiker-Treffen, die sie besucht. Als sie an einem Highschool-Treffen teilnimmt, folgt ihr der demente Saul (Peter Sarsgaard) nach Hause. Als sich die Wege der beiden öfter kreuzen, beginnt sich eine Beziehung zwischen ihnen aufzubauen.
Was als Thriller beginnt, entwickelt sich zu einem analytischen Drama, das zutiefst ergreift.
Filmfigur des Monats:
Erinnerung
- Das mentale Wiedererleben früherer Erlebnisse und Erfahrungen.
- Erinnerungen sind meist multimedial: Sie enthalten bildhafte Elemente, Szenen, die wie ein Film ablaufen, Geräusche und Klangfarben, oft auch Gerüche und vor allem Gefühle.
- Erinnerungen stammen aus dem sequenziellen Langzeitgedächtnis, dem episodischen Gedächtnis. Sie sind dort in komprimierter Form enthalten und müssen zur Aktivierung aufbereitet werden.
Spielfilme zum Thema Erinnerung: »Die totale Erinnerung – Total Recall« (1990), »Memento« (2000), »Vergiss mein nicht!« (2004), »Trance – Gefährliche Erinnerung« (2013), »Still Alice« (2014)
Kinostarts im Oktober
DO 03.10.
CINEMAXX, CINESTAR, CINEPLEX, LILIOM – Joker: Folie A Deux | CINEMAXX, CINESTAR, CINEPLEX, KINODREIECK – Der wilde Roboter | CINEMAXX – Schlafes Bruder
DO 10.10.
CINEMAXX, CINESTAR, KINODREIECK, LILIOM – Der Buchspazierer | KINODREIECK – Alles für die Katz // Buñuel – Filmemacher des Surrealismus // Der Spatz im Kamin // Thelma – Rache war nie süßer
DO 17.10.
CINEMAXX, CINESTAR – Hagen – Im Tal der Nibelungen // Smile 2 – Siehst du es auch? | KINODREIECK, LILIOM – In Liebe, eure Hilde | KINODREIECK – Fuchs und Hase retten den Wald
DO 24.10.
CINEMAXX, CINESTAR – Woodwalkers // Venom: The Last Dance | KINODREIECK – The Room Next Door
DO 31.10. CINEMAXX, KINODREIECK, LILIOM – Alter weißer Mann | KINODREIECK, LILIOM – Anora
Kinoevents im Oktober
DI 01.10. CINESTAR, KINODREIECK – Best of Cinema: »Good Bye, Lenin«
DO 03.10. CINEPLEX – »Türen auf mit der Maus«
SA 05.10. CINEMAXX, CINEPLEX – Offenbachs »Les contes d’Hoffmann« live aus der Metropolitan Opera New York
DI 15.10. CINEMAXX, CINEPLEX – Royal Ballet & Opera London: Wheeldons »Alice im Wunderland«
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(K)eine Heimat
»Der Heimatlose«
Nach 14 Jahren auf dem Festland kehrt Hein (Paul Boche) in seine Heimat zurück – das einzige Dorf auf einer abgelegenen Nordseeinsel. Zu seiner Überraschung erkennt ihn die eingeschworene Dorfgemeinschaft nicht wieder. Sogar sein Kindheitsfreund Friedemann distanziert sich von ihm, obwohl sie einst unzertrennlich waren. Um herauszufinden, ob Hein wirklich der ist, für den er sich ausgibt, rufen die Bewohner*innen ein Dorfgericht ins Leben. Doch im Verlauf des Prozesses mehren sich die Ungereimtheiten.