Ein Rugendas unterwegs in Brasilien
Johann Moritz Rugendas – Spross der berühmten Augsburger Künstlerfamilie – begleitete im 19. Jahrhundert als Maler und Zeichner Expeditionen in Südamerika. Seiner »Malerischen Reise in Brasilien« können wir nun im Grafischen Kabinett nachspüren.
Den Arbeitsvertrag musste 1821 sein Vater unterschreiben – Johann Moritz Rugendas selbst war mit 19 Jahren noch zu jung, um sein Vorhaben rechtlich abzusegnen. Rugendas junior, Maler und Zeichner, wollte nach Brasilien, um dort eine Expedition des russischen Generalkonsuls Georg Heinrich von Langsdorff zu begleiten und die Forschungsergebnisse mit Stift und Pinsel festzuhalten.
Dieses Vertragspapier, mit dem alles begann, steht auch am Beginn des Rundgangs durch die Ausstellung im Grafischen Kabinett über Rugendas’ »Abenteuer Brasilien«. Gleich daneben findet sich sein in ein großformatiges Buch gefasstes Resümee dieser Reise in Wort und Bild, das – angeregt von Alexander von Humboldt – zwischen 1827 und 1835 erschien. Was dazwischen geschah, worauf sich Rugendas’ Fokus richtete und natürlich auch, wie der europäische Blick auf Brasilien sich auf die Darstellung des Erlebten auswirkte, wird in der konzentriert-kompakten Ausstellung mit rund 30 Zeichnungen, Skizzen und Gemälden erzählt – vieles aus dem Besitz der Augsburger Kunstsammlungen, ergänzt um einige Leihgaben. Wir sehen Farne und Bäume, bunte Papageien und grimmige Affen, Landschaften, aber auch Darstellungen und Porträts der Menschen, auf die Rugendas traf. Manches ist präzise dokumentarisch mit dem Bleistift festgehalten, wie einige Baumfarne. Dazwischen überraschen aber nahezu abstrakt wirkende leichthändige Skizzen, die Rugendas’ freien Geist erkennen lassen. Den Baumfarn finden wir dann in einem Landschaftsgemälde wieder, das zeigt, wie Rugendas den dichten brasilianischen Regenwald für ein europäisches Publikum malerisch transferiert hat – komplett mit Lichtung, blauem Himmel und Wolken.
Johann Moritz Rugendas, der später weitere südamerikanische Länder bereiste, erweist sich natürlich als Kind seiner Zeit, zugleich jedoch als erstaunlich offener Betrachter seiner Umgebung. Seine Arbeiten, die das europäische Bild Südamerikas mitprägten, zeugen nicht nur von seinem expliziten handwerklichen Können, sondern offenbaren ebenso seinen unverstellt zugewandten, von Neugier geprägten Blick auf diese für ihn völlig »Neue Welt«.
Die Ausstellung, kuratiert von Dirk Bühler und Sarah Klein, ist im Grafischen Kabinett in der Maximilianstraße bis zum 9. Februar 2025 zu sehen, Di bis So, jeweils von 10 bis 17 Uhr. Jeden Sonntag um 16 Uhr gibt es eine Führung. Der Eintritt ist frei.
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