Ausstellungen & Kunstprojekte

Farbgemische auf Malpaletten

Matthias Schaller Fotografie © Marc Chagall
Gastautor

Fotografien von Malpaletten renommierter Künstler*innen im Schaezlaerpalais

Am 28. November wurde im Schaezlerpalais die Ausstellung »Das Meisterstück« eröffnet. Sie zeigt 21 Aufnahmen von Malpaletten renommierter Künstler*innen, fotografiert von Matthias Schaller. Malpaletten entdeckte er 2007 während eines Besuchs im Atelier des amerikanischen Künstlers Cy Twombly (1928–2011) als faszinierendes Motiv. Was er auf dieser Palette sah, begeisterte ihn so sehr, dass er eine fast systematische Suche nach den Paletten renommierter Künstler*innen unternahm, um sie zu fotografieren. Das war keine leichte Aufgabe: In vielen Fällen wurden die Malpaletten der Künstler*innen nach deren Tod einfach entsorgt. Heute umfasst sein Archiv über 200 Aufnahmen von Paletten, die rund 300 Jahre Geschichte der westlichen Malerei repräsentieren.

Malpaletten gehören seit Jahrhunderten zum Instrumentarium von Künstler*innen. In allen Zeiten verfügte ein Künstler über eine begrenzte Anzahl von Basisfarben, die zunächst in Gläsern, später in Tuben aufbewahrt wurden. Um auf einer Leinwand oder Platte das darzustellen, was der Künstler zeigen wollte, musste er aus diesen Basisfarben den gewünschten Farbton mischen. Dafür wurde – und wird bis heute – eine Malpalette verwendet. Eine Tafel, meist aus poliertem Holz, die mit einem Daumenloch versehen ist. Nach der Arbeit reinigt man die Oberfläche mit einem Spachtel und wischt sie anschließend mit einem Lappen trocken.

Die nach der Arbeit gereinigten Paletten sind kaum interessant. Doch schon die Anordnung der Farben auf der Palette und ihre Auswahl können helfen, die charakteristischen Merkmale des individuellen Stils einer Künstler*in und die Details des Arbeitsprozesses nachzuvollziehen. Manchmal werden Paletten bei persönlichen Ausstellungen großer Meister*innen zusammen mit ihren Werken gezeigt. Für Kunstwissenschaftler*innen sind sie eine Quelle, um die Persönlichkeit einer Künstler*in und die Besonderheiten ihres oder seines Schaffensprozesses zu verstehen und zu ergründen.

Darüber hinaus bilden die im Laufe der Arbeit auf einer Palette entstehenden Farbgemische etwas, das abstrakten Bildern ähneln kann. Genau so haben viele Besucher*innen, mit denen ich gesprochen habe, die ausgestellten Aufnahmen von Paletten wahrgenommen. 
Die musikalische Umrahmung der Vernissage gestalteten zwei Musiker: Stephan Hochstein an Klarinette und Saxophon sowie Walter Bittner am Schlagzeug. Sie spielten Improvisationen, die von den ausgestellten Aufnahmen inspiriert waren. Da die Bilder, die auf Malpaletten im Laufe der Arbeit unbewusst entstehen, Ausdruck der schöpferischen Persönlichkeit der Künstler*innen sind, waren die Improvisationen der beiden Musiker besonders passend.

Besuchen auch Sie diese Ausstellung – sie ist noch bis zum 4. Mai 2025 zu sehen. Vielleicht wecken die gezeigten Aufnahmen auch in Ihnen eine schöpferische Antwort.

Mehr Informationen hier. 
 

Das könnte Sie auch interessieren

Malte Günther
Ausstellungen & Kunstprojekte

Malerische Landschaften

Im Grafischen Kabinett des Höhmannhauses sind seit dem 25. September Philipp Röths malerische Landschaften zwischen Spätromantik und Impressionismus ausgestellt.
Malte Günther
Ausstellungen & Kunstprojekte

Formen die Leuchten

Michael Kiessling, Galerist des Kunstraums am Pfarrhof Leitershofen, erzählt gerne, wie er Sandra Tröger im Münchner Ausstellungsraum »Sandkasten« kennengelernt hat – und wie schnell aus diesem ersten Kontakt die Idee für eine gemeinsame Ausstellung entstand. Noch im selben Jahr wurde daraus Wirklichkeit: »Form Farbe Raum« zeigt eine äußerst sehenswerte Auswahl von Trögers Werk in den Räumen von Leitershofen.

Malte Günther
Ausstellungen & Kunstprojekte

Wegrennen ist einfach!

Der Kunstverein Augsburg startet am 19. September mit der Videoarbeit »Running away is easy, it's the leaving that's hard« (2025) in den Herbst.