Festival
Theater & Bühne

»Leute müssen wissen, wo sie hingehören«

Deine Arbeit hasst dich © Jan-Pieter Fuhr

Im Rahmen des Brechtfestivals ist die Uraufführung »Deine Arbeit hasst dich, weil sie dich nicht braucht« im Gaswerk zu sehen. Ist das Problem die digitalisierte Welt – und die Lösung Brecht?

Eine Migrantin, ein Computergenie, ein Insekt, ein Philosoph, eine Lehrerin und ein Unternehmer treffen sich auf der Brechtbühne – so beginnt kein schlechter Witz, sondern das Theaterstück des Schriftstellers und Journalisten Dietmar Dath.

In seiner »Übung im digitalen Dämonenfaschismus« geht es temporeich los und steigert sich bis ins vermeintliche Chaos. Bei seiner Kritik an der Digitalisierung, der Künstlichen Intelligenz und New Work bleibt nicht mehr viel Positives übrig von dem aktuellen Hype. Die Adressat*innen seiner Kritik sind klar: die durch Dauerbeschallung schlafende Bevölkerung, Cloud-Services, Trump, Vance, Musk, Bezos sowie Internetgiganten wie Google, Apple und Co. Das Stück trifft einen aktuellen Nerv.

Die Brechtbühne wurde zu einem hocheffizienten und nachhaltigen, aber leider unpraktischen Bürogebäude. Anstatt den Aufzug zu nehmen, müssen sich die Angestellten und Gäste durch das enge Treppenhaus quälen. Warum? Weil der Aufzug nur fährt, wenn er voll besetzt ist – und wenn er fährt, hält er in jedem Stockwerk. Wer also schnell von unten nach oben oder von oben nach unten will, nimmt besser die Treppe.

»Zerlegt die Internetgiganten! Wacht endlich auf, ihr Ignoranten!«

Die konträrsten Figuren treffen schließlich aufeinander. Grund dafür ist die Evaluation des Unternehmens bzw. der Mitarbeiterinnen durch Externe, also Bürgerinnen. Ziel ist es, die Modellmitarbeiterin oder den Modellmitarbeiter küren zu können. Missverständnisse, Konflikte sowie aberwitzige Szenen entstehen. Die Dialoge steigern sich in Wortgefechte – es wird geschrien, geweint und letztlich Brecht ausgeweidet. So unterschiedlich die Persönlichkeiten sind, so unterschiedlich sind auch ihre Meinungen zu den aktuellen Entwicklungen in der digitalen Welt, zum Menschenbild und zu den Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Ganz dem Motto des faschistischen Philosophen »Wer denkt, macht das Hirn kaputt« schwirrt einem nach so viel Input in nur 1,5 Stunden Theaterabend der Kopf. Dem Premierenpublikum hat es gefallen. Langer Applaus für alle Beteiligten.

 

Alle Veranstaltungen des Brechtfestivals finden Sie hier. 

 

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