Sieben Seiten des Papiers
»Vielfalt Papier« – sieben Künstlerinnen setzen sich im Kunstforum Oberschönenfeld mit den Möglichkeiten dieses Materials auseinander.
Schals und Taschen, Gefäße, Gefaltetes, Geschnittenes, papierene Objekte und Graphit-Gewänder auf Transparentpapier – völlig unterschiedliche Herangehensweisen an einen Werkstoff, der in der Kunst vor allem als Bildträger, als Basis für Zeichnung, Malerei oder Druck fungiert. Kuratorin Gudrun Szczepanek wählte für die Ausstellung die Arbeiten von sieben Künstlerinnen aus – so erleben wir sieben Ansätze, die anschaulich und durchaus poetisch die Möglichkeiten eines Materials ausloten, das spröde oder weich sein kann, saugfähig oder abweisend – je nachdem, welche Fasern zu seiner Herstellung verwendet werden.
Für Abaká, das Maja Vogl zu wunderbaren Schals verwebt, benötigt man Bananenfasern. Dorothea Reese Heim hat für ihre raumgreifenden »Präparate« Kozo (aus dem Rindenbast des Maulbeerbaums) und Schnur über ein Stahlgerüst gezogen. Die Bildhauerin Andrea Viebach untersucht in ihren Arbeiten die Materialeigenschaften des Papierbreis; die Anmutung der Schalen aus handgeschöpftem Abaká unterscheidet sich deutlich von jener der zarten Hohlformen aus Flachs. Ganz anders Maria Verburg: Sie konstruiert ihre Taschen und Schalen buchbinderisch – ein Innenleben aus Karton wird mit einem der alten oder neuen Papiere aus ihrer Sammlung kaschiert. Die 2019 verstorbene Burga Endhardt bleibt mit ihren außergewöhnlichen metallisch schimmernden Kleidern, die sie mit dem Graphitstift auf Transparentpapier zeichnet und reliefiert, am ehesten an der Idee des Papiers als Bildträger. Kyoko Takeuchi setzt auf die japanische Kunst des Origami – hier in einer eindrucksvollen Wandinstallation aus Zeitungsfoto und einer Vielzahl winziger gefalteter Schuhe. Helene Tschacher hingegen zersägt für ihre »Buch-ab-schnitte« Bücher und Kataloge, verformt und formiert diese Stücke zu flirrenden Reliefs, deren Ursprung sich manchmal nur über den Titel offenbart.
Gestaltungen mit Papier werden oft in die Rubrik Kunsthandwerk geschoben. Zwar balanciert die Schau auf der Grenzlinie zur freien Kunst – wie bei den Schals von Vogl und den Taschen von Verburg –, doch vor allem offenbart sich hier, welch wunderbares Material Papier im künstlerischen Kontext sein kann – auch jenseits der Fläche.
Und noch etwas geschieht – die Kunst harmoniert außergewöhnlich gut mit dem Raum, der sich durch sie auf beinahe magische Art verwandelt und zurücknimmt. Vor allem im Obergeschoss fühlt es sich an, als ob Frau* ganz sachte nach Japan gebeamt würde …
»Vielfalt Papier« ist bis zum 20. Juli im Kunstforum Oberschönenfeld zu sehen. Das Begleitprogramm bietet neben einem Workshop, der Kindern das Papierschöpfen nahebringt, zahlreiche Führungen; am letzten Tag führt die Kuratorin Dr. Gudrun Szczepanek von 11 bis 12 Uhr durch die Ausstellung.
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