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»Talk to me«: Doppelausstellung im Kunstverein als Revival feministischer Redekultur
»Welchen Klischees gehst du heute noch auf den Leim?« Schon die kokonartigen, mit farbigem Kleber und flockigen Holzschnittmotiven bedeckten Membranen senden wortlose Fragezeichen aus. Tatsächlich entstand das Kollaborationswerk »Talk to me« von Julia Haugeneder und Magdalena Kreinecker im Nachklang feministischer »Consciousness Raising Groups« der 1970er-Jahre – besser bekannt als »Quasselgruppen«. Die über zwei Jahre Hand in Hand konzipierte, im Mai eröffnete Installation besticht nur auf den ersten Blick durch nostalgischen Charme. In Wirklichkeit will sie Zündstoff für Gespräche liefern, die das unterdrückte Veränderungspotenzial persönlicher Emotionen freisetzen. Privates erweist sich als politisch – damals wie heute.
Beide Künstlerinnen schöpfen ihren internationalen akademischen Background voll aus, etwa im scheinbar mühelosen Kombinieren von hochwertigem Siebdruck mit unsäglichem Leidensdruck. In unnachahmlicher »Bösi«-Manier platzieren die jungen Wienerinnen feine, auf den zweiten Blick waffenfähige Details – wie Hutnadeln, die früheren Frauengenerationen auch zur Selbstverteidigung dienten. Poetisch und schonungslos zugleich testen sie Machbarkeitsgrenzen aus und materialisieren höchst eindrucksvoll bedrohliche, erschöpfende, zum Himmel schreiende, bis heute ungelöste Missstände unserer scheinbar satten Gesellschaft.
Ausdrücklich begreifen Haugeneder und Kreinecker ihre Kunst als Form unbezahlbarer Care-Arbeit, die biedermeierlich beengte Räume zu sprengen vermag. Zum Werkzeug taugt hier das reflektierte Kommunizieren eigener Gefühle ebenso wie geistige Horizonterweiterung und geteiltes Wissen. – »Eine Person und ein Esel wissen mehr als eine Person allein«, lernt man halb ernst am kunstvoll arrangierten Büchertisch im Obergeschoss, der zum Niederlassen und Vertiefen einlädt.
In der verdunkelten Höhle des letzten Gemachs plaudern drei Videoarbeiten weitere Hintergründe aus – offenes Ende einer lockeren Kette spielerischer Konfrontationen, die empfindsame Betrachtende durchaus überfordern können.
Die Ausstellung »Talk to me« läuft bis zum 13. Juli, der Eintritt ist frei. Am Samstag, 21. Juni um 18 Uhr findet ein Artist Talk im Rahmen des Friedensfestes statt, weitere Programmpunkte werden kurzfristig bekannt gegeben.
Infos & Termine unter www.kunstverein-augsburg.de
Audiotexte zu einzelnen Exponaten unter www.magdalenakreinecker.com/TALK-TO-ME
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