Teuer, milieukonzentriert, erfolgreich
Die Open-Air-Saison der Region feiert mit dem Modular-Festival auf dem Gaswerkareal einen ersten Höhepunkt.
Seit Jahren startet unsere Festivalsaison mit dem Modular-Festival. Über drei Tage folgten zu Beginn der Pfingstferien mehr als 25.000 Besucher*innen dem Ruf des SJR Augsburg auf das Gaswerkareal an der Grenze zwischen Oberhausen, Kriegshaber und Bärenkeller.
Die Stimmung beim vorwiegend studentisch und gymnasial geprägten Publikum war gut bis sehr gut. Es hatte offensichtlich Spaß an dem breit aufgestellten Programm für eine Zielgruppe zwischen 15 und 25 Jahren mit genügend Budget für ein Tagesticket um die 50 Euro. Das Pingpong zwischen großer Haupt- und kleinerer Parkbühne funktionierte – und nicht nur Hauptacts wie Badchieff (Foto), Zartmann, Kaffkiez und Bilderbuch wurden gefeiert. Die beiden zuletzt Genannten kamen kurzfristig ins Programm und taten der Qualität des Line-ups gut. Nicht alle Acts auf dem Gaswerkgelände überzeugten mit dieser Bühnenpräsenz. Die Clubbühne erhielt dieses Jahr eine bessere Location. Der Sound war griffig und die Shows gut besucht. Eine etwas höhere Bühne wäre jedoch zu überlegen. Das neue Bühnchen für regionale Künstler*innen konnte hinter der Gratis-Popkornbude der Sparkasse leicht übersehen werden. Dafür gewann das Schaulabor der TH Augsburg im Apparatehaus in diesem Jahr weiter an Substanz. Neben der Rollschuhdisko im Scheibengasbehälter ist dieses LAB der einzige Indoorbereich des Festivals.
Die Aufenthaltsqualität auf dem Gaswerkgelände lässt nach wie vor zu wünschen übrig. Die Verantwortlichen für das abseits der Festivaltermine vereinsamte Areal haben es in 15 Jahren nicht geschafft, diesem Denkmal der Industriekultur echtes Leben einzuhauchen.
Auf den staubigen Verbindungswegen zwischen den Areas stolpert man über kartoffelgroße Kieselsteine. Sie machen jeden Taschencheck am Einlass zur Lachnummer. Ein Ruhebereich mit Liegewiese und schattigen Bäumen ist vorhanden – gehört jedoch nicht zum Festivalgelände. Das war im Wittelsbacher Park, dem früheren Modular-Gelände, besser gelöst. Ein spontaner Bolz wie mit den Jungs von Kraftklub 2012 ist für das Publikum von heute nicht vorgesehen. Auch die Dekos und Illuminationen waren im Park um einiges fantasievoller. Der Eintritt war frei.
Zu den drängendsten Themen rund um das Modular gehört nicht, ob der ehrenamtliche Vorstand des SJR wegen des Platzangebots für zwei linke Gruppen, die im Bayerischen Verfassungsschutzbericht erwähnt werden, zurücktreten soll. Belegt die Politik nicht täglich ihre eigene Unfähigkeit im Umgang mit einer als gesichert rechtsextremistisch eingestuften Partei?
Vielmehr sollten wir uns alle die Frage stellen, warum sich das einzige Jugendkulturfestival der Region hochpreisig und milieukonzentriert als Gated Community etabliert, während andere Zielgruppen den Sommer über in dichter Frequenz umsonst, für alle und draußen bespaßt werden.