Ausstellungen & Kunstprojekte

»Kunst und Kultur sind die Grundlage unserer Identität«

Christof Trepesch blickt besorgt nach oben. Das Dach des Schaezlerpalais beginnt zu bröckeln.
a3kultur-Redaktion

Die Kunstsammlungen und Museen Augsburg sind unterfinanziert. Seit Jahrzehnten plagt sie ihre morsche Infrastruktur. Jürgen Kannler im Gespräch mit Dr. Christof Trepesch, leitender Direktor der Häuser. 

Die Neue Galerie im Höhmannhaus ist geschlossen. Seit der Pensionierung von Thomas Elsen im letzten Herbst fand dort kein neues Ausstellungsprogramm mehr statt. Der Verlust des ausgewiesenen Kulturorts für hochrangige Gegenwartskunst der KMA im Stadtzentrum ist tragisch. Warum dieser Schritt? 

Nachdem die Restaurierungsateliers im Höhmannhaus dringend saniert werden mussten, wurden die Räume der Neuen Galerie im Höhmannhaus erst einmal als Ausweichflächen benötigt.

Gab es eigentlich eine offizielle Pressemeldung dazu? 

Das war nicht notwendig, da ja keine Ausstellung abgesagt oder verschoben werden musste. Aktuell präsentieren wir in unseren Räumen ein gemeinsames Projekt mit dem Bildungsreferat im Rahmen des Friedensprogramms.

Warum fand die Schließung so sang- und klanglos statt? 

Es handelt sich, wie gesagt, um keine Schließung, sondern um eine Zwischennutzung. Mit dem Dienstantritt von Jan T. Wilms haben wir eine Neustrukturierung des Glaspalastes sowie der Neuen Galerie im Höhmannhaus angepackt. Die Neuausrichtung im Glaspalast wurde durch die erfolgreiche Eröffnung der Ausstellung »New Connections« deutlich. Lassen Sie mich noch Folgendes zum Höhmannhaus sagen: Das Höhmannhaus war schon immer ein Haus der Kunst und wird es auch in Zukunft bleiben. Wir erarbeiten derzeit ein neues Konzept, das diesen Ort weiterhin attraktiv machen soll und attraktiv halten wird. Wir werden dieses Konzept nach der Sommerpause zuerst im Kulturausschuss vorstellen und dann der Öffentlichkeit.

Römermuseum, Katharinenkirche… diese und viele Kulturorte mehr sind in Augsburg fürs Publikum geschlossen. Die beiden genannten sind – wie die Neue Galerie im Höhmannhaus – direkt oder indirekt mit ihrem Haus verbunden. Welcher Kulturort der KMA steht wohl als Nächstes wegen baulicher Mängel vor dem Aus, vielleicht das Schaezlerpalais? 

Die Museen der Kunstsammlungen und Museen Augsburg befinden sich allesamt in historischen Gebäuden, was uns immer wieder vor neue Herausforderungen stellt. Jeder der mit denkmalgeschützten Altbauten zu tun hat, weiß das. Die Sanierung von Maximilianmuseum und Schaezlerpalais beispielsweise liegt 20 Jahre zurück, was bedeutet, dass neue Sanierungsmaßnahmen in den nächsten Jahren anstehen. Das Dach des Schaezlerpalais – das bei der Sanierung 2004 bis 2006 aus Kostengründen ausgeklammert wurde, ist dabei sicher eines der dringlichsten Probleme.

Das Dach muss bereits mit Planen und Netzen gesichert werden. Die Ziegeldachhaut und deren Unterkonstruktion sind nicht mehr verkehrssicher, so dass hier ein dringender Handlungsbedarf herrscht. 

Wir erwarten von allen zuständigen Dienststellen und Entscheidungsträgern, dass sie sich für die Renovierung des Daches einsetzen und dass uns die finanziellen Mittel bereitgestellt werden. Bei allen Sanierungsnotwendigkeiten, mit denen die Stadt als Ganzes zu kämpfen hat, müssen die richtigen Prioritäten gesetzt werden. Es geht schließlich um das kulturelle Gedächtnis der Stadt und um eines der wichtigsten Baudenkmäler Augsburgs!

Wie nun bekannt wurde, wird der Rokoko-Garten aufgrund dieses Sanierungsbedarfs nicht Teil der Augsburger Sommernächte sein. 

Das bedauern wir sehr, zumal der Schaezlergarten von vielen Sommernächtlern als wohltuende Oase empfunden wird, aber die Verkehrssicherungspflicht hat leider nun mal Priorität.

Welche weiteren Einschnitte für den Besucherverkehr, auch im Haus, sind zu befürchten? 

Nachdem die Dachschäden festgestellt wurden, mussten wir die Innenhöfe und Teile des Gehweges in der Katharinengasse sperren. Es wurde eine Sicherungsplane angebracht, was natürlich keine Dauerlösung darstellt. Im ungünstigsten Falle werden wir die betreffenden Verkehrsflächen – heißt Innenhöfe, Teil des Gartens und Gehsteige – wieder sperren müssen. Der normale Betrieb des Museums im Inneren ist nicht betroffen.

Wie schon erwähnt. Die Liste der geschlossenen Kulturorte in Augsburg ist lang, und sie wächst. Was sagt dieser Zustand über unsere Stadtgesellschaft aus? 

Der schlechte bauliche Zustand sagt mehr aus über die Struktur des Umgangs mit dem eigenen kulturellen Erbe. Das jahrelange Sparen beim Bauunterhalt bedeutet letztlich nur, dass die Probleme in der Zukunft größer werden.

Manche Kulturorte sind chronisch unterfinanziert und damit nicht mehr in der Lage eigene Projekte im gewünschten Umfang zu stemmen. Jan T. Wilms zum Beispiel, hat für die Projektarbeit Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast rund 1/10 der Summe, welche die Stadt p.a. an das Immobilienunternehmen Walter als Miete zahlt, zur Verfügung. Wir sprechen von knapp 35.000 €, wenn man rund 11.000 € Förderung der Stadtsparkasse Augsburg berücksichtigt. 

Wir haben glücklicherweise langfristige verlässliche Partner, die uns bei der Realisierung unserer Projekte unterstützen. Ja es ist richtig: Eine Ausstellungsspielstätte in dieser Größe ist unterfinanziert, zumal die Fläche mit der Übernahme der ehemaligen Staatsgalerie, dem heutigen H 1 als Ausstellungsort nahezu verdoppelt wurde. Nichtsdestotrotz gilt: Wir kämpfen seit Jahren für einen höheren Ausstellungsetat und hoffen hier auf Nachbesserung.

Hat die Mittelverteilung der Stadtregierung ihrer Meinung nach Schlagseite? 

Ich halte es für fatal kulturelle Projekte gegeneinander auszuspielen. Grundsätzlich gilt: Das eine tun, das andere nicht lassen.

Im laufenden Jahr konnten Sie erst mit einer größeren Ausstellungseröffnung in den eigenen Häusern aufwarten. Wie wird sich die zweite Jahreshälfte gestalten? 

In der zweiten Jahreshälfte gibt es ein Feuerwerk an bedeutenden Eröffnungen: Wir eröffnen im Schaezlerpalais »Augsburger Geschmack – Barocke Meisterzeichnungen aus dem Bestand der Grafischen Sammlung«, danach »Seht wie würdevoll – Spanische Meistergrafik von Goya und Dalí« und schließlich eine Ausstellung zum 500. Todestag von Jakob Fugger dem Reichen.

Auf welches ihrer Ausstellungsthemen im zweiten Halbjahr setzen sie in Hinsicht auf Publikumszuspruch die größte Hoffnung? 

Die Ausstellung mit Grafiken aus Francisco de Goyas Capricchios zeigen eine Welt voller Verunsicherung. Die Zeit um 1800 war eine Zeit des Umbruchs, die auch Parallelen zur heutigen Zeit aufweist. Ich denke, dass die Besucherinnen und Besucher hier viele Anknüpfungspunkte wahrnehmen werden. Aber auch das Porträt von Jakob Fugger dem Reichen zeigt eine Persönlichkeit, wie sie die heutige Zeit ebenfalls hervorbringen könnte. Ende November eröffnen wir im H1 des Zentrums für Gegenwartskunst im Glaspalast die international ausgerichtete Gruppenausstellung »Symbiosis – Kunst zwischen Mensch und Natur«, die den Beginn eines neuen thematischen Ausstellungsformats markiert.

In drei Jahren wird die Bayerische Landesausstellung wieder einmal in Augsburg Station machen. Die Gegenwart muss dafür große Teile des Zentrums für Gegenwartskunst für lange Zeit räumen. Trotzdem verbinden viele große Erwartungen mit der Schau. Welche Erwartungen hegen sie? 

Diese Ausstellung, die im H 1 stattfinden wird, wird auch den Standort des Glaspalastes ganz wesentlich stärken. Wir versprechen uns hiervon einen bedeutenden Impuls für das Textilviertel und eine herausragende Wahrnehmung des Römerthemas in Bayern.

Wie sieht ihr Museumskonzept über 2029 hinaus aus?

Die programmatische Entwicklung des Glaspalastes wird Jan T. Wilms in einer der nächsten Kulturausschuss-Sitzungen vorstellen und unsere Vorstellungen für die Zukunft erläutern. Das Thema Nachhaltigkeit wird noch wichtiger, sprich: weniger Transporte für Ausstellungen. Deshalb wird es insgesamt stärker um den Umgang und die Wertschätzung der eigenen Sammlung gehen. Wir werden die eigenen Bestände besser erschließen und eine stärkere Verbindung mit den Augsburgerinnen und Augsburgern suchen.

Welchen Stellenwert hat das Thema Depot in diesem Zukunftsplan? 

Einen ganz zentralen. Die Kunstsammlungen und Museen Augsburg brauchen dringend ein Zentraldepot, wo die gesamten Bestände der Museen konzentriert, sorgfältig aufbewahrt und erforscht werden können. Ein Depot ist heutzutage mehr als eine Aufbewahrungshalle, ein Depot ist eine Serviceeinrichtung, bei der auch Besucherbereiche integriert sind. Ein Ort, der mit einem Blick hinter die Kulissen die Museumsarbeit verständlich macht.

Im kommenden März sind Kommunalwahlen. Ist der Wahlkampf nicht die richtige Zeit, um Aufmerksamkeit auf kulturelle Zukunftsthemen zu setzen und auch Themenanker in der Kulturpolitik zu setzen? 

Aufmerksamkeit für Kultur zu erzielen ist zu jedem Zeitpunkt richtig und erstrebenswert. Ich freue mich natürlich, wenn politische Parteien das Thema Kultur aufgreifen und weiterentwickeln wollen. Eins ist doch klar: Kunst und Kultur sind die Grundlage unserer Identität, die vor allem in schwierigen Zeiten zu stärken ist!
 

Ausstellungen der Kunstsammlungen und Museen Augsburg im 2. Halbjahr 2025

• Alte Verbindungen Erbauliches aus der Modellkammer ab 27.6. Maximilianmuseum
• Im Himmel der Farbe Entgrenzte Landschaften bei Tanja Mohr ab 11.7. Schaezlerpalais
• Gülbin Ünlü – Really? Zeitsicht Art Award ab 26.07. Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast | H1
• Augsburger Geschmack Barocke Meisterzeichnungen aus dem Bestand der Grafischen Sammlung ab 31.07. Schaezlerpalais und Grafisches Kabinett
•»Seht wie würdevoll!« Spanische Meistergrafik von Goya und Dalí ab 24.10. Schaezlerpalais
• Vom Zeichnen zum Schmieden Erich Nüchter (1903 –1989) ab 14.11. Grafisches Kabinett
• Kleine Welten Kinderträume einst und heute ab 28.11. Maximilianmuseum
• SYMBIOSIS | Kunst zwischen Mensch und Natur Paul Diestel | Clare Langan | Christiane Löhr | Nathan 
  Peter | Patricia Shone ab 29.11. Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast | H1
• 77. Große Schwäbische Kunstausstellung ab 29.11. Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast | H2
• Der Reichtum der Kunst Jakob Fugger und sein Erbe ab 12.12. Schaezlerpalais

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