Ausstellungen & Kunstprojekte

Tiefen und Lichter

Eunju Hong, Kurzfilm »Where The Bodies Go«, Foto © Milena Wojhan
a3kultur-Redaktion

Große Gruppenausstellung im Holbeinhaus: »Interceptible Flutter – Über das Fotografische« beleuchtet Aspekte der Bildgebungspraxis.

»Fotografie ist Stille«, behauptete einmal Jazz-Legende Till Brönner, weniger bekannt als begnadeter Schwarzweiß-Lichtbildner. Wer selbst fotografiert, weiß: Das stimmt! Wer die laufende Ausstellung des Kunstvereins Augsburg besucht, merkt schnell: Fotografie ist auch Dynamik – längst nicht nur »spürbares Flattern«. Neun Kunstschaffende, Jahrgänge 1970 bis 1995, zwischen München, Wien und Seoul zuhause, präsentieren hier ihre Erkenntnisse zum wohl populärsten Medium unserer Zeit.

Der Parcours beginnt und endet jeweils im Dunkel – dazwischen rollt sich der Bildherstellungsprozess exakt umgekehrt auf. Eunju Hongs Kurzfilm »Where The Bodies Go« reißt Ankommende in die Strudel der analog-digitalen Bilddatenflut. Die in München lebende Cana Bilir-Meier füllt eine lange Wand mit der Vorrecherche ihres Films »This Makes Me To Predict The Past«, der allerdings nur online zu sehen ist. Ein dezenter QR-Code offenbart surreale Alltagsszenen zweier Mädchen aus »Gastarbeiter«-Familien. Regenbogenbunte, transparente Zeitungsfahnen von Michael Wegerer spielen mit kreativer Zerstörung und Neuordnung von Nachrichten.

Den Wahrheitsgehalt unserer Medien hinterfragt auch Jonas Höschl in seiner Werkreihe »MZ Portrait«. Der Autor des 2024 erschienenen Fotobands »Politik von Medienbildern« und Co-Kurator der Ausstellung »Interceptible Flutter« dokumentierte und interpretierte das Straucheln eines bayerischen Stadtoberhaupts. Ebenso einfach wie raffiniert packte Philipp Hölzgen das »Fotoshooting« beim Wort – und für sein Motiv die Schrotflinte aus. Seine Wiener Kollegin Sophie Thun arbeitet gleichfalls analog, lässt ihre kunstvoll verschachtelten (T)Raumwelten jedoch langsam entstehen.

Ins Unendliche zielt René Radomsky in seiner scheinbar unspektakulären Selbstporträt-Installation mit laufendem Camcorder vorm Spiegel. Gänzlich ohne Bild erregt die Wiener Sprachkünstlerin Valerie Prinz Aufmerksamkeit: Ihre Soundinstallation durchdringt alle Räume mit gezielten Irritationen. Am Ende sorgt Anna Witt mit dem Video »Sixty Minutes Smiling« für befreiendes Schmunzeln – und enträtselt den Titel der entdeckenswerten Ausstellung, die noch bis zum 15. November läuft.

Der Eintritt ist frei, Führungen finden am 17. September (18 Uhr), 11. Oktober (14 Uhr) sowie 6. November (18 Uhr) statt. Am 26. September (18 Uhr) ist außerdem ein Artist Talk geplant.

Infos & Termine: www.kunstverein-augsburg.de
Instagram: @kunstvereinaugsburg

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