Ausstellungen & Kunstprojekte

Alles crazy, oder was?

Psycho Eder
a3kultur-Redaktion

Galerie Noah wagt Rekordversuch mit Gruppenschau »PSYCHO?«
 

Sie kommt ohne Triggerwarnung aus, markiert jedoch fraglos einen Höhepunkt: Die Ausstellung »PSYCHO? – Augsburg crazy on canvas!« startete Ende Juli im Glaspalast. Zur großen Freude von Hausherrin Wilma Sedelmeier gelang es, die »Top Ten« der Lokalgrößen unter einem Dach zu versammeln.

Zentral steht Martin Eders großmächtige, abgekämpfte Amazone als saturiertes Statement im heiter-makabren Kunstreigen. Der erfolgsverwöhnte Absolvent der Hochschule Augsburg wirkt heute von Berlin aus; er hält Kunst für mächtiger als Zeitgeist, Quantenphysik und Politik zusammen, da sie »zeigt, wie schön und wie blöd wir sind«. Obwohl in der Kritik als »Künstler des schlechten Geschmacks« betitelt, vermarktet Eder seine surreal-historisierenden Werke längst im sechsstelligen Bereich. Für die Galerie Noah wählte er insgesamt sechs Leinwände, grob zu verorten in den drei Kategorien: Titten, Tiere, Totenköpfe. Selbige Sujets dominieren auch die übrige Ausstellung – erfreuliche Ausnahmen inklusive.
So beschränkt sich »PSYCHO?« nicht päpstlich auf die Malerei, sondern lässt bildhauerische Exkurse zu – etwa das Wiedersehen mit Guido Weggenmanns Riesenherz, das bereits zur »Großen Schwäbischen« schlug. Auch seine abfahrbereite »Krone« verdient Anerkennung als zeitgemäßes Vanitas-Symbol. Den spannenderen Teil der Wunderkammer bilden jedoch leise Töne wie Günther Baumanns schwebendes »Schattenkleid«, Philipp Fürhofers überirdische Landschaftsstudien oder abstrakt-psychedelische Arbeiten von Daniel Man und Helen Hu. Wo Felix Weinold, Monika Schultes oder Timur Lukas ihre tierischen Freunde von der Kette lassen, will gar eine heitere Note einziehen – durchsetzen kann sie sich freilich nicht gegen die düstere Wucht der Jenseitsgrüße eines Max Kaminski, verstorben 2019.

Kunst- und Kaufinteressierte dürfen sich auf ein zeitgeistig-dekadentes, von politischen Botschaften weitgehend unbelastetes Ausstellungskonzept freuen, das innere Abgründe lustvoll zelebriert. Charmant gestaltet ist auch die Preisspanne der gezeigten Arbeiten – sie bewegt sich zwischen 1.200 und 128.000 Euro. 

Die Gruppenschau »PSYCHO?« mit Werken von Günther Baumann, Martin Eder, Philipp Fürhofer, Helen Hu, Max Kaminski, Timur Lukas, Daniel Man, Monika Schultes, Guido Weggenmann und Felix Weinold ist noch bis zum 12. Oktober bei freiem Eintritt zu sehen.

Informationen und Termine: www.galerienoah.com
 

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