Ausstellungen & Kunstprojekte

Ein Kunstort von heute für alle

Axel Lapp an der Stadtmauer

Die MEWO Kunsthalle feiert ihr 20-jähriges Bestehen – doch ohne einen Blick zurück.

Rund 130 Ausstellungen sind in den letzten 20 Jahren hier gezeigt worden, doch Feiern des Vergangenen steht nicht auf dem Festprogramm des Kunsthauses am Memminger Bahnhof. Hier richtet sich der »Blick nach vorn« (ab 25. Oktober). Für die Jubiläumsausstellung haben vier Absolvent*innen der Akademien in Nürnberg und München sechs ihrer Kommiliton*innen ausgewählt: Lu Cheng, Pierre-Yves Delannoy, Docjong Lee, Vahan Matevosyan, Thomas Willi (tomwi) und Eunjin Yoo.

Vergangenheit und Geschichte spielen dennoch eine Rolle in diesem Haus der Kunst. Da sind zum einen umfangreiche künstlerische Nachlässe wie der von Joseph Madlener oder Max Unold, die hier verwahrt, erforscht und in Projekten gezeigt werden. Aber auch wechselnde Ausstellungen setzen sich mit Historie auseinander, wie »frey seyen und wöllen seyn« (bis 5. Oktober). Im Frühjahr 1525 verabschiedeten Memminger Bauern und Bürger »Die Zwölf Artikel«, eine der frühesten Formulierungen von Freiheitsrechten. Ausgehend von diesem historischen Ereignis fragt die Ausstellung vielschichtig mit gegenwärtiger Kunst, Theater und Diskussionen nach unseren heutigen gesellschaftlichen Zielen. Zentrum und Spielort ist eine nach antikem Muster installierte Agora mit gerundeten Sitzbänken (und mit Kaffeeautomat!).

Auch der repräsentative, denkmalgeschützte Ziegelbau, in dem die Kunsthalle untergebracht ist, ist ein markanter Teil der Stadtgeschichte. Er wurde 1901 im klassizistischen Stil als königlich bayerisches Postamt gebaut. 2002 erwarb und sanierte die Memminger Wohnungsbaugenossenschaft diese »Alte Post«, im November 2005 konnte schließlich dort die Kunsthalle eröffnet werden, die seit 2012 vom promovierten Kunsthistoriker Axel Lapp geleitet wird. Mit einem kleinen Team von Wissenschaftler*innen und Kunstvermittler*innen werden hier jedes Jahr etwa zehn Ausstellungen realisiert – nicht eben wenig. Doch um die Menschen (immer wieder) ins Haus zu locken, braucht es regelmäßige Anreize und Veränderungen. Das Konzept geht auf: Im Jahr 2024 kamen etwa 18.000 Besucher*innen. Der freie Eintritt, auf den bereits außen am Eingang hingewiesen wird, trägt sicher zum Erfolg bei. Schwellen abbauen, allen Memminger*innen und ihren Gästen Zugang zur Kunst ermöglichen, ist das erklärte Ziel der MEWO Kunsthalle. Auch deswegen gibt es hier ein umfangreiches Programm für Kinder und Jugendliche (unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten ihrer Eltern). Die aktuelle Familienausstellung »Freiheit zum Träumen« (bis 26. Oktober) lädt Kleine und Große ein, sich der eigenen Ideen und Vorstellungen von Freiheit bewusst zu werden. Da werden Geschichten erzählt, aber es kann ebenso gespielt, gemalt oder auf einer Schreibmaschine getippt werden.

Der Weg dorthin führt durch die Ausstellungen für die »Großen«, zurzeit mit Arbeiten von Tim Berresheim (bis 26. Oktober), sodass die jungen Besucher*innen unwillkürlich auch mit Kunst der Gegenwart in Berührung kommen. »Im Moment anders«, kuratiert von Leonie Vinzenz zum Abschluss ihres Volontariats, gibt einen Einblick in das Werk des Künstlers, der sich sowohl methodisch als auch thematisch der computergestützten Kunst verschrieben hat. Berresheim, der bei Albert Oehlen an der Düsseldorfer Akademie studiert hat, zeigt hier ältere und jüngere Arbeiten, die die Bandbreite seines Werkes anschaulich offenlegen. So wird das großformatige »The early bird« mit seinen visuellen Irritationen des Stereosehens mit den ausgesprochen malerischen Arbeiten der jüngsten Zeit konfrontiert.

Ausstellungsschwerpunkt der Kunsthalle ist zweifellos die zeitgenössische Kunst, doch auch alte Kunst spielt in Memmingen eine Rolle. Am anderen Ende der Altstadt findet sich das ebenfalls von Axel Lapp geleitete Antonierhaus. Im dortigen Strigel-Museum ist anschaulich zu erleben, wie spätmittelalterliche Kunst funktioniert; zu sehen sind dort herausragende Werke von Bernhard Strigel und seinem Umkreis. Auch hier ist der Eintritt frei. 

www.mewo-kunsthalle.de

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