Signale für die Zukunft
Bezirk lädt zum Richtfest auf den Weiherhof im Herzen der Westlichen Wälder.
Im August vor acht Jahren berichtete die a3kultur-Redaktion zum ersten Mal über ein »Kunstdepot« am Weiherhof. Mitten in den Westlichen Wäldern plante der Bezirk Schwaben, dessen Präsident damals noch Jürgen Reichert hieß, gemeinsam mit seinem späteren Nachfolger, dem Landrat im Landkreis Augsburg, Martin Sailer, ein Zentrum für Kunst und Kultur auf der grünen Wiese. Wie kam es dazu?
Der Weiherhof, in fußläufiger Nähe zum Kloster sowie dem unverzichtbaren Ausflugs- und Kulturzentrum Oberschönenfeld, war damals ein heruntergekommener bis baufälliger Landgasthof mit Scheune. Eine barocke Kapelle grüßte von der Anhöhe zur Straße hin. Eine Spenderin, die stets die Diskretion dem Presserummel vorzog, bescherte die unter Ensembleschutz stehende Brache samt 18 000 Quadratmetern Wildwuchs den Zisterzienserinnen. Bis zum 13. Jahrhundert soll hier der Sitz ihres Klosters gewesen sein – die Keimzelle von Oberschönenfeld sozusagen. Welche Ordensfrau kann dazu schon Nein sagen? Die Äbtissin Sr. Gertrud Pesch zu Recht nicht. Der MdL a. D. Max Strehle zog bei der Abwicklung der Schenkung wohl die Fäden im Hintergrund und betreute das Projekt einige Zeit lang auch bautechnisch.
Einige harte Jahre – samt Corona-Krise – später wurde nun Richtfest gefeiert. In dieser Zeit hat das Konzept Weiherhof gegriffen. Die Scheune hat einen prächtigen neuen Dachstuhl und darf in Zukunft ein Ort des Schaffens und der Zusammenkunft sein. Die einstige Idee, sie mit Nachlässen von Künstler*innen zu belasten, wurde fallengelassen – und das ist wohl auch gut so.
Museumsdepot statt Nachlasshalde
In direkter Nachbarschaft entstand stattdessen das neue Depot für die Sammlungen des Museums Oberschönenfeld. Es soll schon im kommenden Jahr auf rund 1 500 Quadratmetern in Betrieb gehen und Platz für über 50 000 schwäbische Kulturobjekte bieten.
Simon Kotter, seit gut einem Jahr Leiter des Hauses, führte beim Richtfest ebenso stolz wie fachmännisch durch die zu großen Teilen in Hang und Boden gebauten Lagerstätten. Meterhohe, mobile Regalsysteme sind bereits eingebaut, und während des Besuchs wurden tiefe Schubböden für allerhand Flachwaren montiert. Dies alles ist auch für Laien zu erkennen und in Teilen zu verstehen. Die dahintersteckende Klima- und Sicherheitstechnik wohl weniger – aber sie ist da und wird bald laufen.
Historische Schätze aus der Region für die Zukunft sichern
»Hier findet alles seinen Platz«, versichert Eva Bendl, die Leiterin der Museumssammlung. Von der historischen Fotografie über kostbare Handarbeiten aus Wachs und Goldfaden bis hin zum alten Pflug, den einst ein Ochse über schwäbisches Ackerland zog. Vor dem Umzug steht jedoch das Orientieren, Digitalisieren und Aussortieren. Im Laufe der Jahre haben sich in manchen Sammelgebieten gewisse Überhänge gebildet. Große Teile davon werden nie den Weg aus den bisherigen Behelfsdepots in den schicken Weiherhof schaffen. Erst nachdem die Provenienz gesichert ist, geht es ins Regal, in die Weiterverwertung oder auf den Sperrmüll.
Ein digitales Netzwerk mit anderen Museen – etwa dem KulturLand Ries in Maihingen oder dem Bauernhofmuseum in Illerbeuren – ist in Arbeit. Es muss eben nicht jedes Haus über eine Sammlung von 80 einsatzbereiten Dreschflegeln verfügen. Im Gegenteil. So versichert Martin Sailer: »Mit dem Kulturdepot sichern wir historische Schätze aus der Region für die Zukunft.«
In den modernen Arbeitsräumen im neuen Depot können Museumsmitarbeiter*innen das Sammlungsgut wissenschaftlich erschließen und restaurieren. Auch daran wurde beim Zukunftsprojekt Weiherhof gedacht. Spätestens am kommenden Internationalen Museumstag im Mai 2026 haben die Bürger*innen die Gelegenheit, das neugebaute Depot zu besichtigen – und zwar noch bevor die Objekte Einzug halten.
Ein Ort, um Kunst zu schaffen und zu erleben
Von noch größerem öffentlichem Interesse als das Museumsdepot könnte das Projekt Kunst_Raum Weiherhof werden. Anstelle der nicht mehr zu rettenden Gastwirtschaft errichtet der Bezirk Schwaben – in vergleichbarer optischer Anschauung und Kubatur – ein Kulturzentrum für aufstrebende Künstler*innen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
»Wir geben der Kunst und den Menschen, die sie schaffen, einen Raum. Vor allem schaffen wir einen Raum für alle Bürger*innen Schwabens«, sagte Bezirkstagspräsident Martin Sailer im Rahmen des Festakts.
Die Selbstbeschreibung des Kunst_Raum liest sich vielversprechend: »Das neue Zentrum am Weiherhof legt den Fokus auf künstlerische Entfaltung, Kreativität und Begegnung. Der Bezirk fördert aufstrebende Kunstschaffende mit Stipendien: Sie dürfen für einen begrenzten Zeitraum im Weiherhof wohnen, die Ateliers und Werkstätten nutzen und erhalten neben einer Ausstellungsmöglichkeit im Kunst_Raum eine monatliche Zuwendung. Darüber hinaus können hier Kinder und Jugendliche ab 2027 spielerisch mit Kunst in Berührung kommen – zum Beispiel bei kreativen Workshops mit Kunstpädagog*innen. Interessierte erwarten zudem Ausstellungsführungen, Atelierbesuche oder Artist Talks. Kulinarischen Genuss soll ein Bistro mit Außenbereich bieten.«
Die Kunst- und Medienwissenschaftlerin Nadine Seligmann leitet künftig den Kunst_Raum Weiherhof gemeinsam mit der Kunst- und Kulturpädagogin Nicola Pauli.
»Der Kunst_Raum Weiherhof ist ein Leuchtturmprojekt für die Region.« So heißt es zumindest in der Pressemeldung des Bezirks zum Richtfest. Genaueres werden wir in weiteren acht Jahren sagen können. Was wir allerdings jetzt schon wissen: Projekte wie der Weiherhof geben den Menschen in unserer Region einen Teil des Vertrauens zurück, das die Politik – auch durch die völlig unzureichende Pflege unserer kulturellen Infrastruktur – zuvor verspielt hat.
So sind im Zentrum des einst stolzen Augsburg mehr Kulturorte wegen Baufälligkeit geschlossen als offen. Das dringend benötigte Depot für die Kunstsammlungen und Museen der Stadt wird am St. Nimmerleinstag eröffnet. Die schäbige Umverteilung von Etats für Kunst und Kultur in Richtung Immobilien- und Bauunternehmen geht nach der Kommunalwahl 2026 wohl in eine neue, traurige Legislaturperiode.
Unser Bezirk zeigt auf, wie man auch in schwierigen Etatsituationen in die Zukunft investieren kann – und dabei kulturellen Mehrwert für alle Menschen generiert.
Mehr Informationen hier.
Der Bezirk Schwaben gibt die Gesamtkosten für das Projekt Weiherhof mit 22 Millionen Euro an. 11,5 Millionen Euro entfallen auf das Museumsdepot, davon knapp 4 Millionen Euro aus Drittmitteln. Der KunstRaum schlägt mit 10,5 Millionen Euro zu Buche, bei rund 3 Millionen Euro Förderung aus Drittmitteln. Insgesamt investiert der Bezirk mit dem Weiherhof gut 15,5 Millionen Euro in die Kultur – und damit in die Zukunft Schwabens. © Meier + Murr Architekten
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