Geschichte(n) unserer Stadt
Der Zufall trifft einen vorbereiteten Geist, oder wie der Weg zu einem römischen Museum zur Eröffnung der Dominikanerkirche führte. Ein Gastbeitrag von Jürgen K. Enninger
Gleich zu Beginn meiner Amtszeit wurde die besondere Dringlichkeit der Verortung unseres römischen Erbes in einem angemessenen musealen Rahmen deutlich. Ein Viertel der Augsburger Stadtgeschichte und die damit verbundene Gründungsgeschichte Augsburgs fordern einen besonderen Ort, die damit verbundenen Geschichten mittels der entsprechenden Funde zu erzählen. Dabei geht es um einen multiperspektivischen Blick auf unsere Geschichte. Das Römerlager ist dabei zwar ein wichtiger Ankerpunkt für die Erinnerung an das römische Erbe seit 2012 geworden, es ist aber den Erfordernissen moderner museumsdidaktischer Vermittlung nur begrenzt gewachsen. Um dieser spürbaren Erwartung gerecht zu werden, galt es, alle Informationen zusammenzufassen, Bürgerinitiativen einzubeziehen und darauf basierend einen Mehrstufenplan zu entwickeln.
Ich legte daraufhin einen Dreistufenplan vor, der die Sichtbarkeit des römischen Erbes in einer App, die Neuausrichtung der Ausstellung im Römerlager im Rahmen des Silbermünzfunde in Oberhausen und schließlich die Eröffnung der Dominikanerkirche vorsah. Bei den ersten Gesprächen mit der Landesstelle für nichtstaatliche Museen und dem Landesamt für Denkmalpflege wurden wir jedoch auf die großartige Geschichte der Dominikanerkirche und die darin befindlichen herausragenden Kunstgegenstände hingewiesen. In vielen Gesprächen, insbesondere mit dem Leiter der Kunstsammlungen, Dr. Trepesch, und der Stadtarchäologie, Dr. Gairhos, verdeutlichte sich, dass auch diese Geschichte erzählt werden musste. Fortan war dies Ziel der Eröffnung, die nach vielen begleitenden Bauarbeiten schließlich diesen Dezember begangen werden konnte.
Eine unmittelbar vor der Eröffnung durchgeführte Tagung der Alt-Augsburg-Gesellschaft, zentral getragen von Frau Prof. Gottdang und Frau Prof. Appuhn-Radtke, unterstützte umfassend diesen Auftrag. Daher konnten bei der Eröffnung großartige, wissenschaftlich fundierte Projektionen von lab binaer, historische Musik von Per-Sonat sowie entsprechende Tänze und Bilder der »Augsburger Patrizier« die Eröffnungsfeierlichkeiten begleiten. Nun steht dieser wunderbare Raum dauerhaft den Augsburger*innen für Veranstaltungen und Führungen als Kultur- und Bildungsraum zur Verfügung. Erster Schritt ist eine Serie von Konzerten von Wolfgang Lackerschmid, »Steinklang«, die nun regelmäßig in der Kirche Platz findet. Weitere Anfragen laufen.
Die Suche nach einem Standort für ein römisches Museum durfte jedoch nicht ins Hintertreffen geraten: In einem gemeinsamen Ausschuss für Bildung und Kultur wurde deswegen beschlossen, sich gemeinsam der Verbindung von Bildungs- und Kulturort am Standort Predigerberg zu widmen. Durch den Plan des Freistaats für eine Landesausstellung mit dem Arbeitstitel »Römerland Bayern« kam Bewegung in die Standortsuche, und so wurde dieser Auftrag erweitert. Fortan gerieten auch die Karmelitengasse und die Basilika im Textilviertel in den Fokus der Standortdiskussion. Die Kooperationspartner actori und Untertrifaller Architekten bahnten uns einen sicheren Weg durch die Vielzahl an Erfordernissen an den unterschiedlichsten Standorten. Das Ergebnis liegt vor: Die Karmelitengasse ist besonders geeignet, Ort für das neue Museum für die römische Geschichte Augsburgs zu werden.
Zum Schluss möchte ich auf die Diskussion der Überlassung des römischen Erbes an den Freistaat, um Kosten zu sparen, eingehen: Die Stadt hat die Infrastruktur für ein römisches Museum, und sie hat eine klare Förderzusage des Freistaats für den Bau. Warum sollten wir daher auf das Eigentum an den römischen Funden verzichten und die wissenschaftliche Analyse sowie die didaktische Aufbereitung Einrichtungen des Freistaats überlassen? Die Mehrwerte des Museums für die Stadt liegen auf der Hand, die Förderkulisse dürfte bei einer Umkehrung der Trägerschaft kaum profitabler sein. Aus kulturpolitischer Sicht kann man das nicht wollen. Die Gründungserzählung unserer Stadt zu schreiben, ist unsere Aufgabe. Sie ist Kernverantwortung wissenschaftlich fundierten, städtischen kulturpolitischen Handelns. Man kann sie nicht an externe Dienstleister auslagern.
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Jürgen K. Enninger – Referent für Kultur, Welterbe und Sport der Stadt Augsburg
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