Ausstellungen & Kunstprojekte

Römer am Elfmeterpunkt

Römer am Elfmeterpunkt © a3kultur/Marion Buk-Kluger
a3kultur-Redaktion

In einer Sonderausstellung im Römerlager im Zeughaus sind römische Fundstücke zu entdecken, die einst an der WWK Arena ausgegraben wurden.

Wer in Augsburg geboren ist und hier zur Schule geht, kommt am römischen Erbe der Stadt kaum vorbei. Augusta Vindelicum, 15 v. Chr. gegründet, zählt zu den ältesten Städten Deutschlands und war über Jahrhunderte hinweg Verwaltungs- und Militärzentrum der römischen Provinz Raetien. Die strategische Lage an wichtigen Handelsrouten machte die Stadt früh zu einem wirtschaftlichen Knotenpunkt. Thermen, Straßen, Münzfunde und Alltagsgegenstände erzählen bis heute von dieser Blütezeit.

Dass dieses Erbe keineswegs nur Vergangenheit ist, zeigt sich an einem Ort, den man zunächst nicht mit der Antike verbindet: dem Augsburger Fußballstadion. Rund fünf Kilometer vom antiken Stadtzentrum entfernt befand sich hier einst eine römische Siedlung. Beim Bau der heutigen Arena traten zahlreiche Funde zutage – Schmuck, farbige Glasgefäße, Amphoren für Wein und Fischsaucen aus Rhodos und Spanien –, die von Wohlstand und einer erstaunlich vernetzten Welt vor rund 2000 Jahren zeugen.

Diese Objekte sind derzeit im Römerlager im Zeughaus untergebracht. In einer Sonderausstellung mit dem Titel »Römer am Elfmeterpunkt – Was hat der FCA mit Augusta Vindelicum zu tun?« werden sie erstmals explizit in Beziehung zum FC Augsburg gesetzt. Die Schau, die bis Ende 2026 zu sehen ist, schlägt eine ungewöhnliche, aber überzeugende Brücke zwischen Archäologie und Bundesliga.

Denn der FCA hat sich das römische Erbe längst auch sportlich angeeignet: Römertrikots, der sogenannte Römertunnel und nicht zuletzt das Vereinswappen mit dem römischen Pinienzapfen verweisen bewusst auf die antiken Wurzeln der Stadt. Der FC Augsburg ist damit der einzige Bundesligist, der ein römisches Steindenkmal im Wappen trägt – ein Alleinstellungsmerkmal, das Identität stiftet und Geschichte sichtbar macht.

Wie lebendig diese Geschichte ist, zeigten zudem Ausgrabungen im Jahr 2024. Direkt am Stadion wurde ein monumentaler Brauchwasserkanal freigelegt, der im frühen 1. Jahrhundert angelegt und bis ins 5. Jahrhundert genutzt wurde. Mit einem Gefälle von drei Promille leitete er bis zu 1.000 Liter Wasser pro Sekunde aus der Singold in Richtung Domviertel – Antriebsenergie für Mühlen, Grundlage für Handwerk und Fischfang. Heute liegen seine Reste unter einem Parkplatz.

Sport, Stadtgeschichte und Archäologie treffen in Augsburg auf engstem Raum zusammen. Der Blick auf den Rasen wird damit auch zum Blick in die Tiefe der Zeit – und zeigt, dass römische Geschichte hier nicht im Museum endet, sondern Teil einer lebendigen Stadtkultur ist. 

Mehr Informationen zur Ausstellung hier. 

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