Die Augsburger Kegelbahnkonzerte gehen in die 12. Staffel. Mit dabei sind Lillian Hampson, Josy, Marcoca, Janikeliah und Picky Eater.
Neuanfang statt »The End«
Monster unterm Bett und ein soziales Projekt: Die Woche startet ein Fantasy-Action-Film mit Mads Mikkelsen und eine Tragikomödie des Dokumentarfilmers Nicolas Steiner.
Es gibt Orte in dieser Stadt, die riechen nach mehr als nur Zwetschgendatschi. Wenn man die Stufen im Thalia hinaufsteigt, riecht es nach Erinnerungen, nach Flammkuchen im Kaffeehaus und nach dieser ganz speziellen Mischung aus Vorfreude und Melancholie, die nur ein echtes Programmkino verströmen kann. Doch nun flimmert über den Lech hinweg am Obstmarkt das Wort, das wahrscheinlich kein*e Augsburger Cineast*in lesen will: Insolvenz. Sie bedeutet oft Ende, aber manchmal auch eine letzte Chance für einen Neuanfang. Jetzt sind Sie, wir, als Stadtgesellschaft gefragt – und unsere Politik. Noch ist der Projektor nicht aus. Noch besteht die Hoffnung, dass Investor*innen oder neue Konzepte die Rettung sein könnten. Aber die Uhr tickt. Wer das Thalia, ja das Kino als solches liebt, sollte jetzt nicht nur darüber reden und über nicht einlösbare Gutscheine jammern, sondern hingehen (und zahlen) – solange das Licht noch brennt. Denn wenn das Thalia stirbt, stirbt ein wichtiger Teil, der Augsburgs charmante Kino- und Kulturlandschaft geprägt hat.
Passend zum Thema Veränderung, Beziehung, Neustart lesen Sie diesen Monat von zwei Regisseuren, die mit ihren jeweils ersten Spielfilmen ihr gewohntes Terrain verlassen:
Aurora (Sophie Sloan) ist zehn Jahre alt und lässt sich nichts anderes einreden: Ein Monster namens »Dust Bunny« (19. Februar, Liliom) hat ihre gesamte Familie verschlungen. Glück im Unglück: Um den Mann von nebenan (Mads Mikkelsen) ranken sich Gerüchte, er mache mit Monstern jeglicher Couleur kurzen Prozess. Die beiden tun sich zusammen. Allerdings wird schnell klar, dass sie in ziemlich unterschiedlichen Welten leben: Aurora lebt in einer Welt, in der Monster real sind, während der Nachbar in einer Welt lebt, in der er kein Monsterjäger, sondern ein kaltblütiger Auftragskiller ist. Doch der Durst nach Rache eint die beiden in ihrem Kampf.
Kurz gesagt ist der erste Film von Kult-Serienschöpfer Brian Fuller eine Mischung aus Pixars »Monster AG« und Luc Bessons »Léon der Profi«. Der Film balanciert auf dem schmalen Grat zwischen kindlicher Unschuld und existenzieller Angst. Es ist ein Märchen für Erwachsene, die vergessen haben, dass die Monster von früher heute oft ganz andere Namen tragen.
Was diese Mischung so besonders macht, ist Fullers Handschrift. Er nimmt das Herzliche von Pixar und die Härte von Besson und überzieht alles mit dem Ästhetizismus seiner Erfolgsserie »Hannibal«. Wer sich bewusst zwischen diese thematischen Stühle setzt und sich an teils grotesken visuellen Einfällen erfreuen kann, wird in »Dust Bunny« kurzweilige 100 Minuten Lebenszeit verbringen.
Die unerschütterlich optimistische Studentin Lena (Luna Wedler) soll den griesgrämigen, trinkfesten Misanthropen Hugo Drowak (Karl Markovics) als Schreibtrainerin aus seiner Isolation locken. Was als zäher Kampf gegen Drowaks Boshaftigkeit beginnt, entwickelt sich zu einer literarischen Geisterbeschwörung. Drowak fängt an zu schreiben. Die Gegenwart des Films ist in ein hartes, fast surreales Schwarz-Weiß getaucht. Die brutalistische Architektur der Wohnklötze wirkt wie ein Gefängnis aus Beton. Doch sobald Drowak in seine Erinnerungen abtaucht, bricht die Leinwand in warme, satte Farben aus. Die Vergangenheit ist kein blasser Schatten, sie ist das eigentliche Leben. Und während die Tinte fließt, erwachen seine verdrängten Dämonen zum Leben.
»Sie glauben an Engel, Herr Drowak?« (19. Februar, Liliom) ist kein Film für zwischendurch. Es ist ein schwerer, aber wunderschöner Brocken Kino. Dokumentarfilmer Nicolas Steiner mutet uns in seinem ersten Spielfilm Drowaks Schmerz zu, nur um uns dann mit Lenas Hoffnung wieder aufzufangen. Wer Bilder sucht, die man so schnell nicht vergisst, und wer Karl Markovics dabei zusehen will, wie er eine ganze Lebensgeschichte in einen einzigen Blick legt, kommt an diesem Werk nicht vorbei.
Jetzt wundern Sie sich vielleicht, warum ich trotz meiner »Bitte unterstützen Sie das Thalia so lange es noch geht«-Einleitung zwei Filme genannt habe, die im Liliom laufen. Leider lag zum Redaktionsschluss noch kein Programm vom Kinodreieck vor. Dort wird man verständlicherweise gerade eher in kürzeren Zeitabschnitten planen.
Filmfigur des Monats: Luna Wedler
- Geboren 1999 in Bachenbülach, Schweiz
- Beruf: Schauspielerin
- 2015: Erste Rolle in Niklaus Hilbers »Amateur Teens«
- 2016–2018: European Film Actor School in Zürich
- 2017: Schweizer Filmpreis als beste Darstellerin in »Blue My Mind«
- 2021–2022: Sophie Scholl im Instagram-Projekt »@ichbinsophiescholl«
- 2025: Marcello-Mastroianni-Preis als beste Nachwuchsdarstellerin bei den Filmfestspielen von Venedig für »Stille Freundin«
Kinostarts im Februar:
DO 12.02. CINEMAXX, CINESTAR, CINEPLEX, LILIOM – Wuthering Heights | CINEMAXX – Crime 101 / Die Eltern | LILIOM – Prinzessin Mononoke
DO 19.02. CINEMAXX – G.O.A.T. – Bock auf große Sprünge / The Moment | LILIOM – Das Flüstern der Wälder
DO 26.02. CINEMAXX, LILIOM – Marty Supreme | CINEMAXX – Scream 7 / Ein fast perfekter Antrag | LILIOM – Father Mother Sister Brother
Kinoevents im Februar:
MO 2.02. CINEPLEX – CineArt »Sentimental Value«
DI 3.02. ALLE KINOS – Best of Cinema »Lost Highway«
SO 8.02. CINEPLEX Königsbrunn – Sorda: Der Klang der Welt
SO 8.02. KINODREIECK – Verdis »La Traviata« live aus dem Royal Opera House London
MO 9.02. CINEMAXX, CINESTAR, CINEPLEX – »Woolf Works« live vom Royal Ballet London
MO 9.02. KINODREIECK – Queerfilmnacht »Night Stage«
DI 24.02. CINEMAXX, CINESTAR, CINEPLEX – Anime »Scarlet«
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