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Warum geht niemand mehr feiern?

Der Berliner Rapper Soho Bani beim Guerilla-Konzert in München
a3kultur-Redaktion

Montag, kurz nach 18 Uhr, Bahnwärter Thiel München. Es regnet in Strömen. Es sind vielleicht vier Grad. Und hunderte Menschen stehen im Freien. Ein Kommentar zur Ausgehkultur

Der Berliner Rapper Soho Bani hatte sein Guerilla-Konzert zum Album-Release kurzfristig angekündigt, kein Eintritt, kein Dach über dem Kopf. Und trotzdem: volle Hütte! Dieses Bild erzählt mehr über die Ausgehkultur junger Menschen als jede Studie über den angeblichen »Rückzug der Jugend ins Digitale«.

 

Die Jugend will ausgehen. Nur nicht mehr um jeden Preis.

Der vermeintliche Rückgang des Nachtlebens ist kein kulturelles Desinteresse. Es ist eine Reaktion auf Rahmenbedingungen, die sich in den letzten Jahren massiv verändert haben. Clubeintritt: 15 bis 25 Euro. Zwei Bier: nochmal 10 Euro. Konzerttickets für mittelgroße Acts: 40 bis 60 Euro. Wer als junger Mensch finanziell über die Runden kommen will, muss sich ernsthaft überlegen, ob Ausgehen überhaupt noch regelmäßig leistbar ist.

Dazu kommt der Aspekt der Sicherheit. Oder genauer gesagt: das Gefühl, in einem Raum willkommen zu sein, ohne Angst vor Repression. Was am Beispiel des City Club deutlich wurde – ein Safe Space der queeren Feierkultur, der durch einen unverhältnismäßigen Polizeieinsatz schlagartig zum Schauplatz von Diffamierung und Eskalation wurde – zeigt: Selbst die Orte, die als Safe Space gelten, können schnell das Gegenteil werden. Das hinterlässt Spuren. Es ver­ändert, wie und wo man feiern möchte.

Die Antwort der jungen Generationen? Kollektive organisieren eigene Partys. In Hinterhöfen oder Parks. Events wie die Green Belt, ein kos­tenloses Open-Air-Format, oder auch die Stadtteilfeste zeigen, dass das Bedürfnis nach gemeinsamer Feierkultur ungebrochen ist. Nur die Form hat sich gewandelt: weg vom kommerziellen Nachtleben mit Clubbesitzern an der Spitze, hin zu selbstorganisierten Räumen, in denen Zugänglichkeit und Gemeinschaft im Vordergrund stehen, wie die Ballonfabrik, der City Club oder der Provino Club.

Soho Banis Konzert ist dafür ein fast symbolisches Bild. Keine Venue, die Eintritt verlangt. Keine Ticketplattform. Stattdessen: kurzfristige Ankündigung, Open Air, wer kommen will, kommt. Dass das bei Regen und Februar-Temperaturen an einem Montagabend noch funktioniert, sagt vieles.

Die Jugend ist nicht verschwunden. Sie hat nur aufgehört, für Erlebnisse zu bezahlen, die ihr gleichzeitig das Gefühl geben, nicht dazuzugehören. Wer das als Desinteresse an Kultur versteht, hat die Frage falsch gestellt.
 

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