Ein Zeichen gegen Rechts
Augsburg zeigt Haltung in den Wochen gegen Rassismus. Eine Einordnung
Auf den Black History Month im Februar folgen im März die Internationalen Wochen gegen Rassismus: Vom 16. bis zum 29. März finden sie dieses Jahr statt. Im Zentrum steht der 21. März, der Internationale Tag gegen Rassismus, um den verschiedene Formate mit dem Ziel strukturiert werden, auf Menschenfeindlichkeit und Diskriminie-
rung aufmerksam zu machen.
Auf der Website der Stadt Augsburg heißt es: »Mit bestehenden und neuen Formaten setzt sich die Stadt Augsburg für Vielfalt (…) ein« (www.augsburg.de/gegen-rassismus). Um welche Formate handelt es sich, die über eine von Rassismus geprägte deutsche bzw. Augsburger Geschichte und Gegenwart aufklären, im Idealfall die Vielfalt dieser Stadt auch feiern?
Panels und Podiumsdiskussionen sind eine beliebte Art, verschiedenen Stimmen aus unterschiedlichen Sphären eine Plattform zu geben und Themen wie Rassismus in der Medizin, Polizeigewalt etc. zu verhandeln. Oft werden dazu Expert*innen ihres Feldes eingeladen, um multiple Blickwinkel auf den Diskurs zu bieten und die Lücken des Publikums im Wissen um den Sachverhalt peu à peu zu füllen. Diese Veranstaltungsform kann für Laien ausgelegt werden und ist ein wertvoller Rahmen, in dem ein Austausch stattfinden kann und muss. Was geschieht jedoch mit Menschen, die einen wissenschaftlichen Kontext, der oftmals bei Podiumsdiskussionen gegeben ist, als einschüchternd empfinden? Nicht alle holt diese Form des Diskurses ab. Nicht alle fühlen sich in Zahlen und Diagrammen gesehen.
Statistiken über Rassismuserfahrungen verschiedener Personengruppen sind essenziell für die Aufarbeitung diskriminierender Geschichte und Strukturen. Ergänzt werden kann und sollte dieses Programm jedoch auch mit kulturellen Events, die für manche als niedrigschwelliger empfunden werden. Literatur öffnet den Raum für politische und gesellschaftliche Themen, schonungslose Berichterstattungen und die Möglichkeit der Resonanz. Uns fällt es leichter, uns auf persönliche Schicksale zu fokussieren und durch sie ein abstrakteres Thema zu begreifen. Emotionalität und wissenschaftliche Befunde schließen sich nicht aus. Es handelt sich um unterschiedliche Modi, die einen Zugang zu komplexen Sachverhalten wie Diskriminierung und menschenverachtenden Haltungen schaffen.
Das diesjährige Programm der Wochen gegen Rassismus bietet ein bisschen von allem: An kulturellen und literarischen Veranstaltungen mangelt es nicht. Workshops, Performances und offene Gespräche stehen im Zentrum. Die geplanten Literaturevents verknüpfen unterschiedliche Bereiche, in denen Aufklärung vonnöten ist.
Am Samstag, 28. März findet beispielsweise von 19 Uhr bis 20:30 Uhr im Karo [10] eine szenische Lesung mit Mojisola Adebayo statt: Unter dem Motto »Leaves from Family Tree« – ein Titel, der auf ihr Theaterstück »Family Tree« Bezug nimmt – wird die Intersektion von Medizin und Rassismus unter die Lupe genommen, konkret die Nachwirkungen rassistischer medizinischer Praktiken. Diese Lesung fungiert als Ort der Begegnung, in dem durch die Form des Theaters eine andere Art des Gehört-Werdens entstehen kann und für Nicht-Betroffene Schicksalsgeschichten visualisiert werden.
Ein weiteres Event, das insbesondere im Kontext der anstehenden Kommunalwahlen in Augsburg interessante Perspektiven aufmacht und erneut eine andere Form von Literatur präsentiert, ist das Buchprojekt »Aus Worten werden Taten – Ein Braunbuch« von den Landtagsabgeordneten Cemal Bozoğlu und Toni Schuberl. Darin wurden AfD-Aussagen, die im Bayerischen Landtag getroffen wurden, gesammelt und auf ihren extremistischen Inhalt untersucht. Hier entsteht eine andere Form des Dialogs, in dem wir einen Blick in einen Raum erhaschen, an dem wir regulär nicht partizipieren und von dessen Folgen vor allem marginalisierte Gruppen betroffen sind.
Der Ausgang der Kommunalwahlen wird keinen unerheblichen Einfluss auf die Stimmung in den Wochen gegen Rassismus haben. Fest steht jedoch, dass sich die Bereiche der Sozialen Arbeit, der Geschichte und der Literatur bzw. Kultur die Hand geben werden und damit einen Diskurs schaffen, der auf diese Weise nur durch ein intersektionales Programm möglich gemacht werden kann.