Ausstellungen & Kunstprojekte

Reisen durchs Ornament

Thomas und Claudia Weil © a3kultur | kaj
a3kultur-Redaktion

Mit der Ausstellung »Ornamental – Die Kunst des Thomas Weil« ist dem Museum im Wittelsbacher Schloss Friedberg ein Clou gelungen. Jürgen Kannler sprach mit dem Künstler und seiner langjährigen Partnerin – privat wie beruflich – Claudia Weil.

Guten Morgen, wir treffen uns, nachdem Sie gerade eine Gästeführung durch Ihre Ausstellung im Friedberger Schloss gegeben haben. Erzählen Sie gern von sich und Ihrer Arbeit. 

Thomas Weil: In der Vorbereitung für diese Ausstellung, aber auch im Rahmen der Führungen ist mir einiges bewusst geworden, was für das Verständnis meiner Arbeit von Bedeutung ist. Man erfährt immer wieder Neues über sich selbst. Das führte wohl dazu, dass ich nun sehr gern öffentlich darüber spreche. Früher war ich etwas scheuer.

Was erfährt man bei der Vorbereitung zur eigenen Retrospektive und deren Präsentation über sich selbst?

TW: Ich wurde in den letzten Wochen oft gefragt, wie ich darauf gekommen bin, mich am persischen Ornament zu orientieren. Darauf wusste ich lange Zeit keine Antwort. Nun glaube ich, dass es für mich der Weg und die Chance war, mich aus dem Stilwirrwarr, in das ich hineingeboren wurde, herauszufinden.

Wie meinen Sie das? 

TW: Meine Eltern waren Künstler*innen, die ihren Weg in die Moderne noch nicht gefunden hatten. Instinktiv wollte ich nicht Partei ergreifen. Geholfen hat mir dabei, über die islamisch geprägte Ornamentik einen großen Bogen um die gesamte europäische Kunst zu machen – um letztlich wieder den Weg dorthin zu finden. 

»Ornamental!« ist ein schöner Erfolg. Sie machen selbst zahlreiche Führungen. Welche Reaktionen erstaunen Sie dabei am meisten?

Claudia Weil: Nach zwei Jahren Vorbereitungszeit ist es vor allem wunderbar, die Begeisterungsfähigkeit der Besucher*innen zu erleben. Das geht quer durch – vom zweijährigen Kind bis zu renommierten Architekturbüros. Das Ornament bietet diese Zugänge. 

TW: Viele Besucher*innen – auch Menschen, die unsere Arbeit schon lange kennen – wissen gar nicht, in welchem Maße das Werk international ist. Das ist für uns dann doch überraschend. 

CW: Es leben eben doch alle in ihrem eigenen Kokon.

Sie sind beide im Pensionsalter. Gibt es einen Plan, nach Jahrzehnten der gemeinsamen Arbeit auch gemeinsam loszulassen?

CW: Es ist kein geplantes Loslassen. Durch die Vielfalt der Arbeit war es nie erforderlich, sich auf nur eine Sache einzulassen und sich nun davon zu verabschieden. 

TW: Durch zwei Erkrankungen war ich gezwungen, mich intensiv mit dem Thema Loslassen zu beschäftigen. Das waren schlimme Phasen, die wir auch durch Zuversicht und gute Ärzt*innen meistern konnten. 

CW: Damals war das jetzige Ausstellungsprojekt auch ein sehr gutes Ziel, das wir erreichen wollten.

Was wird Ihr nächstes Projekt?

TW: Der Chef der Mayer’schen Hofkunstanstalt in München hat sich nach dem Besuch hier gemeldet. Ihm ist eingefallen, dass wir schon Ende der 1980er Jahre ein Konzept für die Nordfassade seines Unternehmens entwickelt hatten. Das soll nun umgesetzt werden. 

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