Ausstellungen & Kunstprojekte

Ein Moment von langer Dauer

BBK-Marie 100x80cm oil on Canvas © Sunghyun Park

Der Maler Sunghyun Park, zuletzt in der »Großen Schwäbischen« mit einer Innenansicht von St. Ulrich vertreten, präsentiert in einer Einzelausstellung der BBK-Galerie 25 Werke der letzten Jahre, darunter zahlreiche Porträts.

Eine Alltagsszene, gut zweieinhalb Meter breit und zwei Meter hoch: Zwei Leute sitzen an einem barock opulenten Brunnen, dahinter erhebt sich ein neuzeitliches Gebäude. Die realistische Darstellung und der gewählte Bildausschnitt sagen: Fotografie. Doch beim Näherkommen entpuppt sich der »Augustusplatz in Leipzig« als ein Gemälde, in altmeisterlicher Präzision ausgeführt von Sunghyun Park, einem aus Korea stammenden Künstler, der an der Münchner Akademie bei Anke Doberauer, Markus Oehlen und Toula Hassani studiert hat (Diplom 2024). Der offenkundige Bezug zur Fotografie ist keine Einbildung, denn der künstlerische Prozess beginnt mit zahlreichen Fotos, die Park zunächst von seinem Sujet schießt. Was in einem Sekundenbruchteil digital festgehalten wurde, überträgt er nun mit dem Pinsel in das langsame Medium der Malerei.

Ja, die erste Verblüffung und Faszination der Kunst von Sunghyun Park ergibt sich aus der hochrealistischen, feinst gemalten Darstellung, meist in großem Format. In dünnen Schichten, die kaum einen Pinselstrich erkennen lassen, aber die Leinwandstruktur pixelartig erscheinen lassen, entwickelt Park seine Arbeiten. Doch was auf den ersten Blick durch die hohe technische Kunstfertigkeit beeindruckt, konterkariert diese zugleich. Seit der Renaissance zeichnet sich die Porträtkunst durch das Zusammenspiel von präziser Darstellung der Physiognomie mit der dahinterliegenden Persönlichkeit und dem Status der Person aus. Wenn nun Sunghyun Park in altmeisterlicher Manier KI-generierte Menschenwesen in Öl auf die Leinwand bannt (»Nicht existent I, II und III«), stellt er die Frage nach unserer Existenz. Wie realistisch kann ein gemaltes Porträt eines de facto nicht existenten Wesens sein?

Doch auch andere Arbeiten irritieren durch ihre Künstlichkeit, so die beiden Porträts »Plastik Beziehung – Gefühle Weg I und II«. Hier geht es um das Ende einer Liebe, wodurch die einst vertraute Person anonym wird wie eine Schaufensterpuppe. Der mit schmerzhafter Präzision gezeigte Glanz der Gesichtshaut wirkt einerseits hochgradig realistisch, andererseits entsteht so eine an glänzenden Kunststoff erinnernde Hülle. Verstärkt wird dieser Eindruck durch den chromglänzenden Kopf in den Händen der Person und den Hochglanzfirnis. Gar nicht künstlich hingegen ist ein in traditioneller Manier gestaltetes wunderbares Doppelporträt: »Betrachten: Murata / Hiroco« zeigt ein Paar, das seit vielen Jahren miteinander verbunden ist. Im Leben richtet sich ihr Blick in die selbe Richtung, hier aber blicken sie einander an.

Parks Arbeiten auf Papier entwickeln eine gewisse skizzenhafte Flüchtigkeit wie die Straßenszenen in Pastell »Alltag in Leipzig«. In Porträts »Ohne Titel«, in Acryl auf Papier gemalt, verschwinden die Gesichtszüge, lösen sich auf.

Extrem realistisch scheinende künstlerische Darstellungen faszinieren uns. Da ist das Fotografische, die latente Künstlichkeit, nicht zuletzt die Erinnerung an altmeisterliche Feinmalerei. Sunghyun Parks Werke zeigen dies in aller Widersprüchlichkeit und spielen damit. Doch vor allem machen sie uns klar: Ein Bild ist ein Bild, nicht die Realität. Hingehen!

Die Ausstellung »Haltemomente« ist bis zum 3. Mai in der BBK-Galerie im Glaspalast zu sehen. Geöffnet ist am Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag von 13 bis 17 Uhr.

Weitere Informationen unter: www.kunst-aus-schwaben.de 

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