Umschlagplatz für Ideen
Im Rahmen einer Online-Veranstaltung am Montag, 3. Mai, wird über die zukünftige Zusammensetzung des Kulturbeirats der Stadt Augsburg beraten. Kandidat*innen erhalten dort die Möglichkeit, sich vorzustellen und sich für die Wahl nominieren zu lassen. Alle kulturinteressierten Bürger*innen, die sich bis Montag, 26. April, registriert haben, können teilnehmen. Gewählt wird anschließend per Post. Weitere Infos und Anmeldung unter: www.augsburg.de/kulturbeirat
Korbinian Grabmeier, Co-Vorstand der Plattform für zeitgenössischen Tanz »Choreoloop« und Mitglied des »theter ensembles«, ist aktueller Vorsitzender des Kulturbeirats. Er gehört dem Gremium seit 2015 an.
a3kultur: Herr Grabmeier, wenn Sie auf die letzten Jahre zurückblicken: Welche Bilanz ziehen Sie?
Korbinian Grabmeier: Der Kulturbeirat war zu Beginn ein Experiment, das von manchem belächelt wurde. Inzwischen haben wir uns die Stellung eines festen Mitspielers in der Augsburger Kulturpolitik erarbeitet. Ein Beispiel: In der ersten Amtsperiode, in der ich dabei war, mussten wir den kulturpolitischen Entscheidungen oft noch hinterherlaufen. Da fragten wir in der einen Woche nach, ob es schon etwas neues zur Leitung des Brechtfestivals gibt, was die anwesenden Stadtratsmitglieder verneinten. In der nächsten Woche wurde dann bekannt, dass man sich bereits für ein siebtes Jahr mit dem damaligen Leiter entschieden hatte. Wir mussten uns immer wieder auf die Hinterbeine stellen.
Inzwischen werden wir bei wichtigen Entscheidungen frühzeitig angehört. Auch die Stadtratsmitglieder kommen sehr regelmäßig in unsere Sitzungen und verfolgen die Diskussionen. Aktuell wird etwa im Kulturreferat an Standards für faire städtische Gagen und Honorare gearbeitet. Das ist ein Thema, für das wir uns immer wieder stark gemacht haben. Jetzt geben wir ganz konkrete Hinweise, in welchen Bereichen in der Vergangenheit zu wenig bezahlt wurde und finden damit auch Gehör.
Kernaufgabe des Beirats ist die Beratung des Stadtrats und des Kulturausschusses. Bei welchen Themen hat die Politik die Expertise der Mitglieder zuletzt in Anspruch genommen?
Früher hatten wir uns nur proaktiv zu Wort gemeldet, inzwischen erreichen uns aber auch konkrete Anfragen, etwa zur Zukunft der Festivallandschaft. Hier haben wir uns vor allem für frühzeitigere und länger anhaltende Entscheidungen ausgesprochen. Um etwa ein gutes Brecht- oder Modularfestival zu planen, braucht es mindestens 18 Monate Vorlauf und möglichst Planungssicherheit für einen etwa dreijährigen Zeitraum.
Zuletzt wurden wir gefragt, wie wir die allgemeine programmatische Entwicklung des Staatstheaters einschätzen. Damit haben wir uns in den letzten Monaten sehr intensiv befasst. Unseres Erachtens arbeitet das Staatstheater sehr aktiv daran, die Empfehlungen aus der Bürgerbeteiligung umzusetzen: der Ausbau von Theaterpädagogik, Kooperationen mit anderen Akteuren und die Öffnung des Hauses. Dieser Weg sollte konsequent fortgesetzt werden.
Wie funktioniert die Meinungsbildung innerhalb des Gremiums?
Unsere Mitglieder decken weite Teile der Augsburger Kulturszene ab: vom Textilmuseum bis zum Grandhotel Cosmopolis. Sie bringen immer wieder eigene Themen in die Sitzungen mit. Wenn wir uns mit einer schriftlichen Positionierung zu Wort melden wollen, wird in einer Arbeitsgruppe ein Entwurf vorbereitet, der dann in der nächsten Sitzung zur Diskussion steht. Dort werden weitere Argumente ausgetauscht und es wird weiter an der Formulierung gearbeitet, damit sich alle Beiratsmitglieder einbringen können.
Die Wahlkritierien wurden jüngst präzisiert. Waren diese Neuregelungen Thema im Beirat?
Wie gehabt dürfen an der Kulturbeiratswahl alle interessierten Augsburgerinnen und Augsburger teilnehmen. Wer im Umland lebt, kann mitmachen, wer den Vorsitz einer Augsburger Kulturinstitution oder eines -vereins innehat. Politische Mandatsträger und Beschäftigte der städtischen Kultureinrichtungen können nicht gewählt werden. Explizit klargestellt ist nun, dass nur Einzelpersonen gewählt werden können, keine Gruppen. Die Kriterien und das Verfahren der Wahl werden vom Kulturausschuss festgelegt, im Beirat treffen sie aber auf Zustimmung.
Sie stellen sich selbst wieder zur Wahl. Wie sieht Ihre Agenda aus?
Ich mache auf die Wahl am 3. Mai aufmerksam, werde mich dort wieder vorstellen und um Unterstützung werben. Wichtig ist mir, dass wir mit dem Kulturbeirat ein offenes Forum für Wortmeldungen aus der gesamten Augsburger Kulturlandschaft sind und ein Umschlagplatz für kulturpolitische Ideen. Deswegen vernetze ich mich für den Beirat zum Beispiel auch in der Ständigen Konferenz und stehe im Austausch mit der Club- und Kulturkommission.
Aktuell setze ich mich dafür ein, dass es endlich wieder eine konkrete Perspektive für die Kultur gibt. Das ständige Verschieben und Absagen von Veranstaltungen zermürbt alle. Nach der Pandemie darf nicht der Rotstift angelegt werden – im Gegenteil, wir brauchen ein Investitionsprogramm für die Augsburger Kultur, damit Gewachsenes nicht wegbricht. Gerne würde ich im Kulturbeirat weiterarbeiten und dafür kämpfen.