Ausstellungen & Kunstprojekte

Kunstspaziergang auf dem Campus

Im zweiten Teil unserer Reihe geht es in den Westen des Campus, der seit den 1990er-Jahren besiedelt wurde.

Der westliche, seit den 1990er-Jahren in Angriff genommene Teil des Unicampus spricht eine deutlich andere Architektursprache als die Kernbereiche mit ihren gewichtigen burgartigen Sichtbetonkomplexen. Hier, wo sich zwischen der den Campus umrundenden Universitätsstraße und der Schnellstraße noch Felder erstrecken, läuft einem tatsächlich immer mal wieder ein Feldhase über den Weg.

Die Bauten der wirtschaftswissenschaftlichen und der juristischen Fakultät, die sich um einen Platz mit hoher Aufenthaltsqualität gruppieren, zeigen sich offen und kleinteilig, gehen unprätentiös mit Formen, Farben und Materialien um. Die Augsburger Künstlerin Erika Berckhemer hat diese Gestaltungsweise in ihrer 1995 fertiggestellten zentralen Brunnenanlage, die wesentlich die Platzsituation prägt, aufgegriffen. In einem 15 Meter langen flachen, geschwungenen Betonbecken stehen sieben je 5 Meter hohe Edelstahlsäulen, die oben in miteinander verschlungene Röhren münden, aus denen über farbige Metallflügel stetig das Wasser plätschert. Der Platz senkt sich zur Mitte hin ab, die breiten, zum Brunnen führenden Stufen eignen sich bestens als Sitzplatz. Auch auf dem bei Mensch und Campuscat beliebten geschwungenen Holzdeck vor der sozialwissenschaftlichen Bibliothek lässt es sich gut aushalten. Die Brunnenanlage erinnert aus heutiger Sicht zwar ein wenig an das postmoderne Design der 1980er-Jahre, doch funktionieren die von Berckhemer als »geistiges Kraftwerk« titulierten Wasserspiele erstaunlich gut: Sie sprechen alle Sinne an und plädieren für eine gewisse Leichtigkeit …

Ein paar Meter weiter trifft man im Gebäude der Jurafakultät auf einen barfüßig im Raum schwebenden Mann. Jonathan Borofskys »Flying Man« setzt sich wie Berckhemers Brunnenanlage mit Leichtigkeit und Bewegung auseinander: Die nahezu lebensgroße Fiberglasfigur wurde im Jahr 2000 mithilfe von Stahlseilen so perfekt im Foyer platziert, dass sich wechselnde Ansichten des sehr entspannt wirkenden Mannes bieten, woraus wir schließen können, dass er keinesfalls gerade abstürzt, sondern vielmehr fliegen kann …

Auf der vom Platz abgewandten Gebäudeseite trifft man auf das »Gesetz«, eine Installation von Sabrina Hohmann-von Weizsäcker. Die Ulmer Künstlerin hat hier 1998 auf einem ansteigenden Wiesenareal zwölf schlichte Stühle aus Vierkantrohren errichtet, deren Material – Edelstahl – schadensfreie Dauerhaftigkeit signalisiert. Gleichzeitig strahlen die Stühle mit ihren reduzierten Formen und gelungenen Proportionen eine klare Leichtigkeit aus, womit auch hier das Generalthema der Kunstwerke des westlichen Uniareals wiederkehrt. Das wesentliche Merkmal dieser Sitzplatzversammlung ist jedoch, dass die Länge der einzelnen Stuhlbeine so dem Gefälle des Geländes angepasst sind, dass sich sämtliche Sitzflächen auf gleicher Ebene befinden und damit eine gleiche Augenhöhe der potenziell dort Sitzenden ermöglichen. Allerdings sind die Stühle frei auf der Wiese angeordnet, sodass sich auch zwölf verschiedene Blickrichtungen ergeben.

Nördlich geht es weiter zum 2012 gebauten Zentrum für Kunst und Musik, einem Bauwerk mit einer wunderbaren kreativen und ästhetischen Atmosphäre, das aber von Beginn an mit massiven Bauschäden zu kämpfen hatte und sich mittlerweile in einem desolaten Zustand zeigt. An dieser Stelle befand sich einst der »Novalis-Hain« des Landschaftskünstlers Nils-Udo, der eine gerundete künstliche Hangterrasse, auf der im Frühjahr zahllose Blausterne erblühten, in das Gelände eingepasst hatte. Den Blumenzwiebeln hatten bereits nach wenigen Jahren die zahlreichen Mäuse den Garaus gemacht, bevor schließlich der Neubau die Landschaftskunst begrub. Vereinzelte Felsbrocken wurden gerettet und rund um den Unisee gesetzt, eine etwas hilflose Erinnerungsarbeit, da sich den Vorbeigehenden der ursprüngliche Kontext natürlich nicht erschließt.

Vom Haupteingang des Kunstzentrums aus zieht sich eine helle Silhouette bis hinunter zum See. Benoît Tremsals Arbeit »Promenade« von 2012 aus gelblich gefärbtem Sichtbetonguss erinnert an ein Bergpanorama und fordert mit dem in das Werk eingeschnittenen Schriftzug direkt zum Spazierengehen auf. Unterbrochen durch den Weg zieht sich die Spur über knapp 40 Meter bis zum Wasser, wobei das Betonband stetig schmaler wird und so beim Blick von oben eine deutlich größere Strecke simuliert. Das weiche Gelb erinnert an Sand, ist in seiner gleichmäßigen Färbung aber dennoch als nicht natürlich zu erkennen. Von der Seite betrachtet zeigen sich die Spitzen und Täler der Silhouette, die sich – passend zum dahinter stehenden Gebäude – sowohl als visueller wie auch als musikalischer Rhythmus lesen lassen. Den Kindern, die gerne auf dem niedrigen Objekt herumklettern, sind diese Aspekte sicherlich gleichgültig, sie schätzen das Werk wegen seiner Spieltauglichkeit …

Im dritten Teil dieser Reihe machen wir uns dann auf den Weg zu den Kunstwerken, die in den 1970er- und 1980er-Jahren rund um die ersten Bauten der Universität ihren Platz fanden.

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Kunstführer für die Hosentasche

Zum 50. Geburtstag der Universität Augsburg 2020 erschien als überarbeitete und ergänzte Neuauflage ein hilfreicher und handlicher Kunstführer, der auf 120 Seiten 30 Kunstwerke vorstellt.

Kirchner, Constanze/Mühleisen, Hans-Otto (Hrsg.): Universität Augsburg. Kunst am Campus, 2., neu bearbeitete und ergänzte Auflage, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu 2020, Preis: 5 Euro

Wer es nicht auf den Campus schafft, hat die Möglichkeit, sich die Kunstwerke online anzusehen:
www.uni-augsburg.de

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