Ausstellungen & Kunstprojekte

ArtClub | Gegenwärtige Kunst im Hallo Werner

contemporallye is back! Kurator Sebastian Lübeck bittet drei Künstler für drei Tage ins »Hallo Werner«.

Nach rund zweijähriger Pause ist die contemporallye zurück und wir erleben ein Wochenende lang sehenswerte Gegenwartskunst an einem Ort, der so weit wie möglich von einem White Cube Ambiente entfernt ist. Im-schabbeligen »Hallo Werner«, wie alle Clubs seit mehr als einem Jahr dicht, hat Kurator Sebastian Lübeck drei Künstlern Raum für ihre Arbeit gegeben.

Sebastian Giussani hat das Schaufenster des Clubs zur Guckkastenbühne seiner Installation gemacht, die man sich am besten von der anderen Straßenseite aus ansieht. Giussani, Absolvent der Münchner Kunstakademie, wählte als Ausgangspunkt das F***-Wort, das die gegenwärtige und überhaupt-Misere bestens und prägnant umreißt. Als Grundstruktur und Träger der Schrift dienen große Baustahlmatten, doch erschließt sich das Ganze erst nach und nach, da der Künstler die fragmentierten Zeichen in einzelnen Segmenten, Phasen und Rhythmen aufleuchten lässt. Kurz, knackig, aber überlegt und komplizierter, als es zunächst scheint.

Im Keller behaupten sich Ronald Rauschmeier und Ulu Braun gegen die wilden Wände. Der in Wien lebende Konzept- und Performancekünstler Rauschmeier, ausgebildet an der dortigen Akademie, gibt mit einigen im Video festgehaltenen Aktionen Einblick in sein schräges Schaffen. Auch ein silberner Tanzboden ist vorhanden, Verweis auf des Künstlers tänzerische Performances. Rauschmeiers Ansatz ist ein konzeptueller, die gezeigten Arbeiten sind miteinander vernetzt. So werden Bühnenbilder auf Keilrahmen gespannt, verwendete Objekte in Bauschaum gruppiert und rekontextualisiert. Verpackungen des verwendeten Equipments hat der Künstler eingegipst, bunt bemalt und feinsäuberlich auf einem Drehteller arrangiert, der wiederum auf dem ausladenden DJ-Pult wie eine Monstranz auf einem Altar rotiert. Verkaufspreis eines solchen Kartons ist exakt der des ursprünglich darin verkauften Geräts. Im kuscheligen Ruheraum sind einige Videos zu sehen die Rauschmeier und der Filmemacher Ulu Braun (als Kollektiv »BitteBitteJaJa«) gemeinsam konzipiert und realisiert haben, sehr merkwürdige fiktive historische Collagen-Settings…

Die Ausstellung im aktuell ausgebremsten Club zeigt ziemlich aufregende sperrige Kunst, lässt aber auch den Raum, der in Normalzeiten eher als Hintergrundrausch(en) fungiert, durch diese temporäre Umnutzung in einem neuen Licht erscheinen: Kunst ist an sehr vielen Orten möglich…

Freitag 9. Juli und Samstag 10.Juli | jeweils 18 bis 22 Uhr | Timeslot-Reservierung: www.a3kultur.de/content/artclub

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